Werdohl bekommt ein Multikulti-Wäldchen

WERDOHL – Sein Interesse für Naturschutz kam Realschulleiter Bernd Bunge bei der Idee für die Teilnahme am Naturschutzpreis 2010 der Bezirksregierung Arnsberg zugute: „Das Thema ‚Migration und Naturschutz‘ passt für mich einfach zusammen. Mir war sofort klar, was wir tun können: pflanzen.“ Die vielen Kyrillflächen waren eine zusätzliche Inspiration für Bunge. Und dann stand es fest: „Wir wollen Bäume aus der Türkei einführen und hier in Werdohl anpflanzen.“

Von dieser ersten Idee mussten sich Bernd Bunge und die Klasse 7b der Realschule leider schnell wieder verabschieden: „Das war dann doch wieder zu schnell gedacht. Die Bäume hätten ja auch Epidemien einschleppen können. Deshalb hätten sie nach der Einfuhr zuerst in Quarantäne gemusst“, erklärt Bunge. So setzten die Realschüler zusammen mit ihrem Schulleiter auf den Rat von Revierförster Frank Bossong.

Per Fernleihe besorgte der Waldfachmann ein Buch – das einzige Standardwerk zum Thema „Der Wald in der Türkei“. „Da haben wir die Anregung gefunden, nach der wir suchten“, berichtet Bossong und zählt dann die Arten auf, die bald auf einer 1000 Quadratmeter großen Kyrillfläche oberhalb der „City of Migration“ angepflanzt werden sollen. Dabei sind neben Trauben- und Roteiche, Hainbuche, Elsbeere auch Wärme liebende Arten wie Walnuss und Esskastanie. „Damit tragen wir dem Klimawandel Rechnung“, erklärt Bossong die Auswahl und erzählt dann, dass diese Zusammensetzung von Baumarten auch in der Türkei vorkomme. „Die Arten sind nicht exakt identisch. Es gibt genetische Unterschiede. Aber wir gestalten einen Laubmischwald, wie er für viele Regionen der Türkei typisch ist.“ Gemeinsamkeiten zu suchen und nicht das, was trennt – dieser Gedanke war für Bunge entscheidend.

Die Ausarbeitung der Idee reichte Bunge als Wettbewerbsbeitrag bei der Bezirksregierung ein – und heute reist er mit einigen Schülern der Klasse 7b nach Arnsberg, um den Preis in Empfang zu nehmen. „Insgesamt sind 10000 Euro ausgelobt. Aber weil es mehrere Preisträger gibt, weiß ich nicht, wie viel Geld wir mit nach Hause bringen.“ Die ersten Setzlinge, die Revierförster Bossong bereits bei einer Baumschule geordert hat, sollen vom Preisgeld bezahlt werden.

Begeistert vom Thema „Migration und Naturschutz“ ist auch der Türkische Elternverein, der schon bei der Ideenfindung mit von der Partie war. „Ich hätte mich auch nützlich machen können, wenn wirklich Bäume aus der Türkei geholt worden wären. Ich kenne den Generalkonsul persönlich und vielleicht hätte das ja geholfen“, erklärt Ali Akdeniz, Vorsitzender des Türkischen Elternvereins.

Da die ausgewählten Arten nun aus einer deutschen Baumschule kommen, muss Akidenz seine Beziehungen nicht spielen lassen, aber er wird trotzdem weiterhin aktiv am Projekt mitarbeiten: „Ich werde auf jeden Fall einen Baum pflanzen. Und meine Frau ist auch mit dabei. Welche Bäume das sein werden, weiß ich aber noch nicht.“

Die Vorfreude auf die erste große Pflanzaktion im November ist groß. Bürgermeister Siegfried Griebsch will die Schüler der 7b tatkräftig unterstützen: „Ich komme mit dem Spaten vorbei und leiste meinen Beitrag. Und einen Baum pflanze ich auch.“

Für Realschulleiter Bernd Bunge ist die Reaktion des Bürgermeisters symptomatisch für den bisherigen Projektverlauf. „Alle waren sofort Feuer und Flamme – die Schüler, die Kollegen, die Eltern, die Behörden. Unser Wald ist von Anfang an ein echter Selbstläufer.“

Und damit Wanderer den „Realschulwald“ richtig genießen können, stiftete der SGV bereits eine Bank. „Es wird ein herrlicher Aussichtspunkt ins Versetal. Da braucht es eine Bank“, lacht SGV-Wanderwart Dieter Benninghaus. Welcher Baum das Namensschild Benninghaus tragen wird, weiß er aber auch noch nicht.

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