Werdohl bekommt 35.000 Euro für die Inklusion

Werdohl - Rund 35 000 Euro soll die Stadt Werdohl jährlich bekommen, um an den Schulen die Voraussetzungen für das gemeinsame Lernen von behinderten und nichtbehinderten Kindern zu schaffen. Das teilt das NRW-Schulministerium mit.

Ab dem laufenden Schuljahr 2014/15 können Eltern selbst entscheiden, ob ein Kind mit Behinderung eine Regelschule oder eine Förderschule besuchen soll. „Damit wird die UN-Behindertenrechtskonvention umgesetzt“, erklärt Regina Wildenburg vom Werdohler Schulverwaltungsamt. Die Voraussetzungen für das gemeinsame Lernen müssten die Kommunen schaffen – und auch die Kosten tragen. Nach Verhandlungen zwischen dem Land und dem Städte- und Gemeindebund bekommt deshalb jede Kommune eine individuell festgelegte Summe. Welche Stadt wie viel Geld brauchen werde, habe das Land erst einmal geschätzt, sagt Wildenburg. Grundlage seien zum Beispiel Meldungen darüber gewesen, wie viele Kinder mit Förderbedarf in den jeweiligen Städten leben.

Im Februar hatte der Schulausschuss entschieden, in Werdohl keine Schwerpunktschulen einzurichten. Solche Schulen spezialisieren sich zum Beispiel auf die Förderung seh- oder hörbehinderter Kinder. „Würden wir in Werdohl eine Förderschule einrichten, dann müssten wir jederzeit auch Kinder mit maximalem Förderbedarf aufnehmen, auch aus der Umgebung“, erläutert Regina Wildenburg. Stattdessen wolle Werdohl „Elternwünsche berücksichtigen, wo immer es möglich ist – auch mit Umbauten“, sagt die Verwaltungsmitarbeiterin.

Bisher seien noch keine größeren Umbaumaßnahmen notwendig. Aber sie gehe davon aus, dass die Schulen schon kleinere Projekte in Angriff genommen hätten. Dazu könnte zum Beispiel die Anschaffung eines Computers mit Lupenfunktion für Kinder mit Sehbehinderung gehören. Auch besondere Lernmittel, mit denen lernbehinderte Kinder den Unterrichtsstoff besser erfassen können, sollen mit den genannten Zuwendungen gekauft werden. Allerdings müssen die Schulen solche Maßnahmen bisher aus ihrem normalen Budget bestreiten. „Die Zuwendung ist angekündigt, wir haben sie aber noch nicht erhalten“, teilt Regina Wildenburg mit.

Doch schon bevor die UN-Konvention umgesetzt wurde, besuchten in Werdohl behinderte Kinder Regelschulen. Darunter sei auch ein Kind, das einen Rollstuhl brauche. „Die Lehrer kommen zu der Klasse dieses Kindes, damit es nicht so oft den Raum wechseln muss“, sagt Wildenburg. Würde sich die Schule auf die Förderung körperlich behinderter Kinder spezialisieren, würde es deutlich komplizierter. „Dann müssten wir zum Beispiel überall breite Türen einbauen, durch die auch ein Elektro-Rollstuhl passt“, erklärt die Verwaltungsmitarbeiterin.

Ob Werdohl mit den zugewiesenen 35.000 Euro pro Jahr auskommen wird, kann Regina Wildenburg noch nicht sagen. Auf jeden Fall werde es eine Evaluation geben: „Die Kommunen werden dem Land eine Rückmeldung geben, ob das Geld reicht.“ Diese Evaluation werde über mehrere Jahre erfolgen; ein Schuljahr sei nicht aussagekräftig genug. Zusätzliche Lehrer müssen die Kommunen übrigens nicht aus ihrem Inklusionsbudget bezahlen. Diese werden abgeordnet und aus dem Budget des Landes bezahlt, informiert Wildenburg. - Von Constanze Raidt

Rubriklistenbild: © dpa

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