Werdohl bald ohne Schlecker

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Die Schlecker-Filiale in der Freiheitstraße ist ebenso von Schließung bedroht wie die in Pungelscheid.

WERDOHL ▪ Die beiden Werdohler Schlecker-Filialen in Pungelscheid und an der Freiheitstraße sind akut von Schließung bedroht. Beide Geschäftsstellen stehen auf der vorläufigen Schließungs-Liste. Eine endgültige Entscheidung wird heute erwartet.

Bei den Schlecker-Mitarbeiterinnen geht die Angst um. In Pungelscheid sind drei Frauen betroffen, in der Filiale an der Freiheitstraße vier. Aber nicht nur das Personal in den Verkaufsstellen fürchtet um die Jobs, auch die Mitarbeiter in den Bezirks- und Regionalleitungen haben Sorgen. Ihr Platz, das auch zum Schlecker-Konzern gehört, wird getrennt abgewickelt.

In der vergangenen Woche wurde von der Insolvenzverwaltung der Drogeriemarktkette eine vorläufige Schließungs-Liste herausgegeben. 2400 Filialen sollen geschlossen werden, 3000 dürften übrig bleiben. Auf die Region heruntergebrochen heißt das konkret: 11 der 27 Schlecker-Märkte in der Gegend sollen geschlossen werden. Alle Mitarbeiterinnen seien bereits informiert worden, hieß es.

Jetzt können Arbeitnehmervertreter und regionale Betriebsräte diese Liste durchsehen und dazu Stellung nehmen. Das bestätigte auch Patrick Hacker, Pressesprecher des Unternehmens. „Es ist für die zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter zweifellos eine harte Konsequenz, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, und eine Entscheidung, die wir uns nicht leicht gemacht haben“, heißt es floskelhaft aus der Schlecker-Zentrale in Ehingen.

Gestern verhandelten Vertreter der Gewerkschaft und Schlecker-Betriebsräte mit dem Insolvenzverwalter in Oberhof. Dabei geht es vor allem um die Schließungspläne, die die Unternehmensberatung McKinsey ausgearbeitet hat. Die Zahl der Filialschließungen und der Jobabbau sollen nach dem Willen der Arbeitnehmervertreter noch einmal deutlich verringert werden.

Immerhin wird es einen Sozialplan geben für die Beschäftigten. Nach den üblichen Kategorien wie Alter, Betriebszugehörigkeit und Familienstand werden die Mitarbeiterinnen eingestuft. Dann kann es passieren, dass Frauen, deren Filiale geschlossen wurde, Arbeit in einer anderen Filiale angeboten wird. Oder andersherum: Aus Filialen, die übrig bleiben, werden Mitarbeiterinnen entlassen. Welchen Einfluss dabei die Entfernung zwischen Wohnort und Arbeitsplatz hat, konnte Patrick Hacker gestern auch nicht beantworten. Dazu gebe es vom Unternehmen keine Antwort. Eine Alternative, weiter zur Arbeit zu fahren oder die Arbeit zu verlieren, sehe er persönlich allerdings nicht.

In den beiden Werdohler Filialen ist die Stimmung schlecht. Keine der Mitarbeiterinnen mag sich direkt und offen äußern.

Im Kreis der Kundinnen wird viel geredet. Viele hätten eine mögliche Schließung in Werdohl nicht erwartet und reagierten gestern überrascht auf die Nachricht. Eine Kundin sorgte sich besonders um die Mitarbeiterinnen. „Es tut mir sehr leid für die Leute“, sagte sie, „aber ich habe mich auch schon gewundert. Erst gab es Schlecker, dann Ihr Platz und letztes Jahr kam Rossman – das nimmt natürlich viele Kunden weg.“ In erster Linie, so sagt sie, wäre eine Schließung für die Angestellten wohl am schlimmsten. „Niemand will arbeitslos sein. Man rechnet ja mit dem Geld.“ ▪ heyn/sg

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