Vertrauen ist die Basis

+
Antje Ulbrich (Mitte) leitet seit November des vergangenen Jahres das Ambulant Betreute Wohnen der Evangelischen Frauenhilfe in Westfalen. Die Mitarbeiter Kevin Seegmüller und Petra Garcia betreuen unter anderem Klienten in Werdohl.

Werdohl - „Der Kontakt mit der Basis ist mir ganz wichtig“, sagt Antje Ulbrich. Die 52-jährige Lüdenscheiderin hat im November des vergangenen Jahres die Leitung des Ambulant Betreuten Wohnens der Evangelischen Frauenhilfe übernommen. Dieses Hilfsangebot richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen oder einer Suchterkrankung.

Hauptsitz des Dienstes ist in Werdohl. Von dort koordiniert Ulbrich die Betreuung von circa 100 Menschen im gesamten Kreisgebiet. „24 Voll- und Teilzeitbeschäftigte kümmern sich um unsere Klienten“, berichtet die Lüdenscheiderin, die seit 2012 für die Frauenhilfe tätig ist. Nach der Ausbildung zur Technischen Zeichnerin hatte Antje Ulbrich Sozialarbeit und -pädagogik, Gemeinde- und Religionspolitik studiert. Es sei vorteilhaft, wenn man die internen Abläufe und Strukturen gut kenne, sagt die Leiterin der Einrichtung, die auch jetzt noch die Hälfte ihrer Arbeitszeit mit der Betreuung von Klienten verbringt.

„Die Menschen nehmen unsere Hilfe freiwillig in Anspruch, weil sie merken, dass sie mit ihrem Leben nicht klar kommen“, schildert Ulbrich. Das Ambulant Betreute Wohnen der Frauenhilfe sei eine Wiedereingliederungshilfe – im besten Fall zurück ins Arbeitsleben. Das gelinge aber nicht immer, stellt Ulbrich fest: „Einige unserer Klienten trauen sich nicht alleine aus dem Haus. Sie nehmen kein Freizeitangebot wahr und haben beispielsweise Angst vor Behörden.“

Die Mitarbeiter des Ambulant Betreuten Wohnens besuchen die Menschen zuhause. Jedem Klienten seien zwei Betreuer zugewiesen; eine Fachkraft und eine Assistenzkraft. Betreuerwechsel gebe es nur im Ausnahmefall. „Das Vertrauensverhältnis ist die Basis für unseren Erfolg. Wir sind Lotsen. Begleiten unsere Klienten zum Arzt und anderen wichtigen Terminen oder gehen einfach mit ihnen spazieren. Bei Bedarf bauen wir Brücken, beispielsweise zu Ämtern oder Behörden“, erklärt die Leiterin des Hilfsangebotes. Aus diesem Grund sei die Frauenhilfe auch sehr gut vernetzt.

Die Frauen und Männer, die betreut werden, seien zwischen 18 und 67 Jahren alt. „Circa die Hälfte ist aufgrund der Erkrankung nicht mehr berufstätig. Aber wir haben auch Klienten aus verschiedenen Berufsfeldern“, erzählt Antje Ulbrich. Sie sagt: „Für uns ist es ein Erfolgserlebnis, wenn sich der Zustand unserer Klienten nicht verschlechtert.“ Besonders viele Erfolge könne das Team bei der Betreuung junger Menschen verbuchen. „Sie finden häufig ihren Weg und stehen auf einmal wieder fest im Leben.“

Die Kosten für das Hilfsangebot trage in der Regel der Landschaftsverband Westfalen-Lippe – wenn die Klienten über ein geringes Einkommen verfügten. „Wir haben allerdings auch einige Selbstzahler, die genügend verdienen, und sich unsere Hilfe leisten wollen“, berichtet Antje Ulbrich. Seit sie die Leitung von Ruthild Lindemann – sie ist in den Ruhestand eingetreten – übernommen hat, hat sie festgestellt: „Hier läuft alles sehr gut.“ Dennoch solle es eine große Veränderung geben: Es werden neue Büroräume gesucht – möglichst in der Stadtmitte. „Ideal wäre, wenn ein Ladenlokal dabei wäre.“ Die Frauenhilfe möchte dort die Begegnungsstätte „Komma rein“ für Klienten und alle Werdohler eröffnen. „Wir würden uns über Angebote freuen“, sagt Ulbrich, die unter Tel. 0 23 92 /50 50 27 erreichbar ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare