23-Jähriger holt Realschulabschluss nach

+
VHS-Leiterin Barbara Funke und ihr Vorgänger Ekkehard Steinberg sind stolz auf ihren Schüler Conan Lang.

Werdohl -  „Ohne Schulabschluss bekommt man bei der Arbeitsagentur sofort den Stempel ‘Leihfirma’“, sagt Conan Lang. Weil er das nicht wollte, holte der 23-jährige Lüdenscheider seinen Realschulabschluss an der Volkshochschule Lennetal in Werdohl nach. Mit Erfolg: Ein Zeugnis mit einem glatten Einser-Schnitt belohnte Lang jetzt für zwölf Monate vollen Einsatz. Auch der Vertrag für eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker ist schon unterschrieben.

Vor ein paar Jahren lief es für den Lüdenscheider nicht so gut. Zwar besuchte er zehn Jahre lang die Realschule, musste aber die neunte Klasse wiederholen und verließ die Schule danach ohne Abschluss. Mit Freunden habe er „viel auf der Straße rumgelungert“, blickt er zurück. „Ich bin abgerutscht.“

Als er 19 war, bekam er eine Stelle als Produktionshelfer und bediente Maschinen in einer Lüdenscheider Fabrik. „Dafür, dass ich keinen Abschluss hatte, war das ein guter Job“, findet Conan Lang. „Aber auf Dauer ist es schwer, ohne Ausbildung so eine Stelle zu halten.“ Viele Firmen gäben ungelernten Aushilfen nur befristete Verträge und griffen dann auf eigene Azubis zurück.

Gemeinsam mit 25 weiteren Schülern zwischen 18 und 24 Jahren begann Conan Lang im vergangenen März den Schulabschluss-Lehrgang an der VHS Lennetal. Zwar bietet auch die Volkshochschule in Lüdenscheid solche Kurse an. „Das sind aber berufsbegleitende Abendkurse“, erklärt der Absolvent. „Und ich wollte lieber vormittags zur Schule gehen.“

Nur acht der 26 Schüler blieben bis zum Ende dabei. „Einige haben zwischendurch schon den Hauptschulabschluss gemacht und gleich einen Ausbildungsvertrag bekommen“, nennt VHS-Leiterin Barbara Funke einen Grund. „Einige brechen aber auch ab, weil sie nicht durchhalten oder ihnen die Motivation fehlt.“ Das Anspruchsniveau sei hoch, sagt Funkes Vorgänger Ekkehard Steinberg, der Conan Langs Klasse im Fach Naturwissenschaft und Technik unterrichtete. „Umso bemerkenswerter ist es, wenn jemand nur Einser auf dem Zeugnis hat.“

Die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn im August will Lang mit einem Aushilfsjob überbrücken. „Früher hat mich der Beruf des Kfz-Mechatronikers eigentlich nicht interessiert“, sagt der 23-Jährige. „Aber dann weckte mein Käfer die Liebe zu alten Autos.“ Zwar ist der dunkelblaue Wagen aus dem Jahr 1995 noch kein Oldtimer, „aber es ist trotzdem viel dran zu tun.“

Nicht zuletzt, weil es sich um ein mexikanisches Auto handelt, das von VW Mexiko hergestellt wurde und in Deutschland deshalb offiziell gar nicht Käfer heißen darf. „Er hat zum Beispiel keinen Rostschutz“, erklärt Lang. „Das kennen die in Mexiko gar nicht – da regnet es ja nicht so oft.“ - cra

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare