Neue Telefonzentrale

Wer im Rathaus anrufen will, landet zuerst im Bahnhof

Wer auf einer zentralen Telefonnummer bei der Stadt Werdohl anruft, wird demnächst wie auf diesem nachgestellten Foto wieder mit dem gewünschten Ansprechpartner verbunden.
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Wer auf einer zentralen Telefonnummer bei der Stadt Werdohl anruft, wird demnächst wie auf diesem nachgestellten Foto wieder mit dem gewünschten Ansprechpartner verbunden.

Rolle rückwärts im Werdohler Rathaus: Das System der automatischen Anrufweiterleitung, das die Stadtverwaltung im Sommer 2017 unter der damaligen Bürgermeisterin Silvia Voßloh eingeführt hat, macht Voßlohs Nachfolger Andreas Späinghaus jetzt wieder rückgängig. Nicht nur in seinen Augen hat es sich nicht bewährt.

Werdohl ‒ Den Anlass, sich noch einmal damit zu befassen, wie Anrufer, die die zentralen Rathaus-Nummern 91 70 und 91 71 00 wählen, an die richtigen Ansprechpartner weitergeleitet werden, hat die WBG-Fraktion geliefert, die mit dem bestehenden System unzufrieden ist. Vor ziemlich genau einem Jahr hat sie im Stadtrat erwirkt, dass die Stadtverwaltung einen Prüfauftrag erhalten hat: Sie sollte die Möglichkeiten ausloten, zum alten System der Anrufvermittlung in einer Telefonzentrale zurückzukehren.

Genau das war gut drei Jahre zuvor abgeschafft worden, nachdem der langjährige Telefonist der Stadtverwaltung in den Ruhestand gegangen war. Seine Stelle fiel dem Rotstift zum Opfer, stattdessen setzte die Verwaltung auf eine kombinierte Lösung aus Technik und Mensch: Ging ein Anruf auf einer der Sammelnummern ein, schickte die Telefonanlage den Ruf nach einem vorgegebenen Algorithmus auf den Apparat eines beliebigen Mitarbeiters im Rathaus. Dieser musste das Anliegen des Anrufers herausfinden und das Gespräch dann an die zuständige Stelle weiterleiten. Bei etwa 260 Anrufen pro Woche hatte nach diesem System jeder Mitarbeiter wöchentlich etwa drei Anrufer anzunehmen und weiterzuvermitteln.

Das bestehende System ist bürgerunfreundlich.

Andreas Späinghaus, Bürgermeister

Ende 2018 erhielt das Rathaus dann eine neue Telefonanlage. Die ermöglicht jetzt eine Sammelrufannahme und die Weiterleitung nach Auswahl von Ziffern. Damit konnten Anrufer dann zumindest schon einmal in der von ihnen ausgewählten Abteilung landen, der Weg zum vermutlich richtigen Ansprechpartner war also immerhin schon einmal kürzer geworden.

So richtig bewährt hat sich offenbar keines der beiden neuen Systeme, was dann letztlich zum Antrag der WBG und zum Prüfauftrag des Rates führte. Auch Bürgermeister Späinghaus findet: „Das bestehende System ist bürgerunfreundlich.“

Die Verwaltung hat aber nun offenbar einen Weg gefunden, die Telefonzentrale wieder einzuführen. Noch in diesem Jahr soll auf einer von der Agentur für Arbeit durch Lohnkostenzuschuss geförderten Stelle ein Mitarbeiter seine Arbeit aufnehmen. Das hat Bürgermeister Späinghaus auf Nachfrage mitgeteilt. Der Rat müsse an der Entscheidung nicht beteiligt werden, weil die Schaffung der Stelle durch die Förderung nicht haushaltsrelevant sei. Der neue Mitarbeiter solle deshalb voraussichtlich ab Mitte Dezember zunächst im Rathaus eingearbeitet werden und dann in den Bahnhof wechseln.

Dort nämlich soll nach Worten des Bürgermeisters die neue Telefonzentrale eingerichtet werden, verbunden mit der Schaffung des politisch seit Langem gewünschten, aber noch nicht realisierten Stadtinfopoints. Technisch ist das kein Problem, denn durch die Internetverbindung zwischen Bahnhof und Rathaus können auch Telefonanrufe über diese Distanz vermittelt werden.

Späinghaus sieht in der Ansiedlung der Telefonzentrale im Bahnhof aber die Möglichkeit, dort endlich eine Anlaufstelle für Einwohner und Gäste der Stadt zu schaffen, die Broschüren, Formulare oder Informationsmaterial benötigen. Dies könne in einem Infopoint bereitgestellt werden, der praktisch nebenbei auch von dem Telefonisten betreut werden könne, ist der Bürgermeister der Auffassung, dass die Stadt damit also zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen kann.

Platz für Telefonzentrale und Infopoint ist im Bahnhof auch – zumindest in absehbarer Zeit. Im Dachgeschoss stehen neben den bisher von der Kunstwerkstatt im Bahnhof (Kuba) genutzten Räumen auch noch zwei Büros zur Verfügung. Dort soll die bei der Stadtverwaltung für Stadtplanung zuständige Diplom-Architektin Petra Conredel einziehen, aber auch ein neues Leader-Büro eingerichtet werden. Das Leader-Management macht damit im Erdgeschoss, im Eingangsbereich zum Stadtmuseum, Platz für Telefonvermittlung und Infopoint.

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