Wenn das Christkind durch den Schornstein klettert

Im Familienzentrum Arche Noah wird zur Weihnachtszeit immer viel gebastelt.

WERDOHL ▪ Weihnachtszeit, das ist Plätzchenduft, Lichterschmuck und Kerzenschein, ist Vorfreude, Erwartung und Wunder. Es gibt viele Geheimnisse – und viele Fragen. Wie kommen die Geschenke unter den Baum? Kann das Christkind fliegen? Und warum beschenken wir uns an Weihnachten? Der Süderländer hat Antworten gesucht – zusammen mit Werdohler Kindergartenkindern.

Im evangelischen Familienzentrum Arche Noah haben sich die Kinder auf das Weihnachtsfest vorbereitet. Hier wurden in den letzten Wochen Plätzchen gebacken, Omas und Opas in den Kindergarten eingeladen, mit den Eltern gebastelt und es gab eine Weihnachtsfeier mit einem Gottesdienst in der Kirche.

Wer die Räumlichkeiten an der Waldstraße besucht, der spürt gleich: Die Weihnachtszeit ist hier gemütlich. An der Decke im Flur glitzern Sterne, im Gruppenraum hängen Lebkuchenmänner und auch die Fenster haben die Kinder geschmückt. Auf der Fensterbank steht eine Krippe. Mit Maria, Josef und den Hirten dürfen die Mädchen und Jungen spielen und dass Jesus in der Krippe geboren wurde, wissen die Kinder natürlich alle. „Wir feiern die Geburt von Jesus“, erklärt der fünfjährige Basti, warum die Menschen jedes Jahr auf den 24. Dezember warten und sich lange darauf vorbereiten.

Warum die Menschen sich an diesem Geburtstag beschenken? Diese Frage ist da schon schwieriger. „Zu den Kindern kommt in der Nacht auf jeden Fall das Christkind“, ist sich Nils, vier Jahre alt, sicher. „Das fliegt mit dem Weihnachtsmann“, ergänzt Basti. „Die kommen nämlich beide“, ist der kleine Junge überzeugt.

Dass das Christkind nicht vor der Haustür steht und klingelt, ist für die Kinder klar. „Es klettert durch den Schornstein“, weiß Lea. Gesehen haben die Kleinen das Christkind noch nie – eine genaue Vorstellung, wie es aussieht, dafür aber schon. „Weiß oder braun“ sei es, meint ein Mädchen. „Es trägt einen weißen Anzug und hat Flügel,“ glaubt ein anderes.

Zu Hause bei Lara ist bis zur Bescherung auch die Wohnzimmertür verschlossen. Solange muss sie heute warten und fragt sich natürlich, ob sich ihre Weihnachtswünsche erfüllen. Lara hat sich eine Barbiepuppe gewünscht, Basti eine Torwartausrüstung und Nils ein Rennauto und einen Polizeihubschrauber – ferngesteuert am besten.

Bei manchen Kindern werden zu Hause auch Weihnachtslieder angestimmt.

„O Tannenbaum“ kennen natürlich alle, sie singen aber auch neuere Lieder wie „Und die Welt singt Halleluja“ oder „Der Weihnachtsstern, der weiß den Weg“.

Im Kindergarten Funkenburg hat ein besonderer Weihnachtskalender das Warten verkürzt. Die Weihnachtsmaus Klara und ihre 24 Weihnachtsmäuse spielen dabei eine große Rolle.

Das Weihnachtsfest ist in der alten Funkenburg eines der Feste im Jahreskreislauf, daher steht auch eine Krippe im Eingangsbereich des Kindergartens und die Kinder wissen, dass Könige zur Krippe kommen und Geschenke mitbringen. Dass es auch heute immer noch Geschenke für alle gibt, wenn man sich an die Geburt Jesu erinnert, ist nach der Meinung von Delia das Tollste am Fest. Sie wartet heute wie alle anderen auf das Christkind. „Es kommt aber nur zu den lieben Kindern“, betont Marcel. An ungezogene würden dagegen Kohlestücke verteilt, berichtet ein Mädchen von ihren Weihnachtserfahrungen.

Auch zu Hause bei dem türkischen kleinen Jungen Malik findet ein Fest statt. Die Familie bekommt Besuch, „und wir hängen eine Disco-Kugel auf“, berichtet er und Erzieherin Silke Wiederspahn-Hopmann ergänzt, dass sich in vielen islamischen Familien mittlerweile deutsche und türkische Traditionen vermischen.

Eine Tradition im Kindergarten ist natürlich auch die Weihnachtsfeier; sie fand in diesem Jahr sogar im Wald statt und hier sind die Kindergartenkinder auch dem Nikolaus begegnet.

Dass das Christkind fast genauso aussieht, wie der Nikolaus, denkt sich Line. Nur die Mütze sei kleiner, meint das Mädchen, „es ist aber auf jeden Fall weiß oder rot“. Und es hat einen Sack, „der ist braun oder schwarz“. Lucie und Line sind überzeugt, dass es manche Väter gibt, die sogar mit dem Christkind sprechen können. „Und mit dem Osterhasen auch,“ berichten sie.

In vielen Häusern erklingt heute Abend ein Glöckchen – dann wissen die Kinder: Jetzt ist Bescherung. Jetzt hat das Warten endlich ein Ende und zumindest das große Geheimnis unter dem Baum lüftet sich... - Simone Benninghaus

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare