Wendung

WERDOHL ▪ Es passiert in der Welt der realen Justiz – anders als in gewissen Fernsehformaten – nicht allzu häufig, dass sich in einem Fall völlig ungeahnte Wendungen ergeben. Genau das war gestern in einem Verfahren wegen einer Unfallflucht auf der Waldstraße in Werdohl der Fall.

Das Verfahren hatte schon einmal vertagt werden müssen, da der 48-jährige Werdohler mit türkischen Wurzeln einen Dolmetscher benötigte. Gestern ließ er dann durch seinen Anwalt eine Erklärung verlesen, in der er zugab, am Verkehrsunfall mit dem Wagen eines älteren Ehepaares beteiligt gewesen zu sein. Zur Kollision war es Anfang Dezember vergangenen Jahres gekommen, als der 48-Jährige an geparkten Autos vorbeigefahren sein will und der Wagen des 81-jährigen Werdohlers entgegenkam.

Da er diesem die Vorfahrt gewähren wollte, suchte der Angeklagte eine Lücke, konnte diese aber nicht mehr erreichen, die beiden Wagen stießen nach versuchtem Bremsmanöver frontal zusammen. Am Auto des Ehepaares entstand ein Schaden von rund 2570 Euro. Der sei aber nicht ersichtlich gewesen, äußerte sich der 48-Jährige. Lediglich das Kennzeichen sei zerbeult gewesen, man habe diskutiert und sich geeinigt, dass der Schaden nicht so schlimm sei. Daraufhin sei er gefahren.

Das Ehepaar sah dies anders und zeigte den Fahrer wegen Unfallflucht an. Aus diesem Grund war gegen den 48-Jährigen ein Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen zu je 30 Euro (900 Euro) und ein zweimonatiges Fahrverbot ergangen, den dieser aber nicht anerkannte. Das Verfahren landete vor Gericht.

Nur durch eine Randbemerkung der Zeugen kam gestern heraus, dass der Nissan, der den Unfall verursacht hatte, gar nicht auf den 48-Jährigen, sondern auf dessen Sohn zugelassen gewesen war und auch kein Versicherungsschutz bestand.

Das Ehepaar gab weiter an, dass ein jüngerer Mann und auf keinen Fall der Angeklagte den Unfallwagen gefahren habe – der seine Beteiligung aber bereits zugegeben hatte.

Das Verfahren wurde ausgesetzt, da jetzt ermittelt werden muss, wer denn tatsächlich hinter dem Steuer gesessen und ob der 48-Jährige versucht hat, einen Anderen vor der strafrechtlichen Verfolgung zu schützen. ▪ gran

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