Auch Renault nutzt den Standort

Weiterer Batteriespeicher am Kraftwerk in Elverlingsen

Ein elektrisch betriebener Renault Zoe steht auf dem Kraftwerksgelände in Elverlingsen. In einer alten Fabrikhalle betreibt Renault seit kurzer Zeit gemeinsam mit dem Münchner Unternehmen The Mobility House einen Batteriespeicher. Daimler macht das dort schon seit 2018.
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Ein elektrisch betriebener Renault Zoe steht auf dem Kraftwerksgelände in Elverlingsen. In einer alten Fabrikhalle betreibt Renault seit kurzer Zeit gemeinsam mit dem Münchner Unternehmen The Mobility House einen Batteriespeicher. Daimler macht das dort schon seit 2018.

Der französische Autohersteller Renault hat auf dem Gelände des stillgelegten Kohlekraftwerks der Mark-E in Werdohl-Elverlingsen einen Netzspeicher in Betrieb genommen.

Er besteht aus den Akkus von Elektroautos des beliebten Renault Zoe. In derselben Halle von ehemals Schmerbeck & Kuhlmann betreibt der Stuttgarter Autobauer Daimler seit 2018 ein ähnliches Projekt.

Der neue Speicher setzt sich aus 72 Akkus des Elektroautos Renault Zoe zusammen, die insgesamt eine Kapazität von drei Megawattstunden haben. An dem Projekt beteiligt waren neben Renault das Münchener Technologieunternehmen The Mobility House, das schon an mehreren großen Speicherprojekten mitgearbeitet hat. Mobility House versorgt zum Beispiel die Amsterdamer Johann-Cruijff-Arena komplett mit Energie aus Speichern.

Teil des Renault-Projekts „Advanced Battery Storage“

Der Speicher neben dem stillgelegten Kohlekraftwerk ist Teil von Renaults Projekt „Advanced Battery Storage“. Dessen Ziel ist, in Europa Netzspeicher mit einer Kapazität von insgesamt 70 Megawattstunden aufzubauen. In den Speichern sollen gebrauchte („second life“), aber auch neue Elektroautos-Akkus („first life“) verbaut werden.

So sieht es in der Halle aus: Vorn lagern Teile fürs alte Kraftwerk, in den Containern befindet sich die Anlage von Daimler und Mobility House.

Elverlingsen ist der zweite Standort des Projekts. Der erste ist Douai in Nordfrankreich. Renault hat auf dem Gelände seines dortigen Werks einen Speicher mit einer Kapazität von 4,7 Megawattstunden installiert. Weitere Standorte sind in Planung. Der „Advanced Battery Storage“ soll laut Renault „eines der europaweit größten stationären Energiespeichersysteme mit Elektroauto-Batterien“ werden.

Standort ist für Speicher gut geeignet

Stillgelegte Kraftwerke seien als Standort für Speicher gut geeignet, sagte André Thess bereits im vergangenen Jahr. Wie in Elverlingsen ist dort die Infrastruktur vorhanden, um den Strom auch ins Netz einspeisen zu können. Thess ist Direktor des Instituts für Technische Thermodynamik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und hat ein Konzept mitentwickelt, um ehemalige Kohlekraftwerke zu thermischen Energiespeichern umzubauen.

Renault ist nicht der erste Autohersteller, der in Werdohl einen Speicher betreibt: Auf dem Gelände in Werdohl-Elverlingsen läuft seit knapp zweieinhalb Jahren ein Akkuspeicher mit einer Kapazität von 9,8 Megawattstunden des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler. Insgesamt 1920 Batteriemodule werden hier als „lebendes Ersatzteillager“ für den E-Smart gebündelt.

Lücke zwischen Stromverbrauch und -erzeugung schließen

Bei der stationären Speicherung geht es darum, die Lücke zwischen Stromverbrauch und -erzeugung zu schließen und so dazu beizutragen, den Anteil der erneuerbaren Energien am Energiemix zu erhöhen. Durch die Anwendung in stationären Batteriespeichern können die Akkus als Energiespeicher für das Stromnetz vielfältig eingesetzt werden und somit das Netz stabilisieren. Das verbessert nicht nur die Materialeffizienz und CO2-Bilanz, sondern unterstützt auch den Ausbau erneuerbarer Energien. Damit stellen die Batterien der Elektrofahrzeuge eine wertvolle Ressource für die Energiewende dar, so der Automobilhersteller.

Teile des Renault-Batteriespeichers in Elverlingsen sind neben der Halle aufgebaut worden. Gleichzeitig bereiten Mitarbeiter des Kraftwerks die Turbine des letzten Steinkohleblocks zur Verschrottung vor.

Der Hagener Enervie-Konzern, zu dem auch die Mark-E gehört, stellt in Elverlingsen die Halle von ehemals Schmerbeck & Kuhlmann zur Verfügung. Über die Tochtergesellschaft Enervie Vernetzt wird der Speicherstrom ins Netz gespeist, Enervie Vernetzt betreibt in Elverlingsen eine Verteilstation.

Kraftwerk war deutlich leistungsstärker

Der Daimler-Akkuspeicher erzeugt 9,8 Megawattstunden, der neue Renault-Speicher 3 Megawattstunden. Die Wirbelschichtfeuerungsanlage von Ruhrverband und Mark-E zur Verbrennung von Klärschlamm leistet 5 Megawatt. In der Summe sind das knapp 18 Megawattstunden. Zum Vergleich: Der letzte Block im Kohlekraftwerk hatte eine Leistung von 310 Megawatt. Das Kohlekraftwerk speiste pro Jahr 2200 Gigawattstunden ins Netz.

Enervie-Sprecher Andreas Köster sagte, dass man nicht von den Plänen von Renault oder Mobility House informiert gewesen sei.

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