Kein Arzt in Werdohl bietet Heroin-Ersatz

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Stefan Tertel berichtete über die Arbeit der Drobs.

Werdohl - 18 heroinabhängige Werdohler bekommen ein Ersatzmedikament, um vom Heroin loszukommen oder wenigstens gesundheitliche Schäden durch die Droge zu verringern. Das berichtete Stefan Tertel von der Anonymen Drogenberatung (Drobs) jetzt den Mitgliedern des Sozialausschusses.

Das Problem: Ersatzmedikamente wie zum Beispiel Methadon müssen nicht nur von einem Arzt verordnet, sondern auch unter ärztlicher Aufsicht verabreicht werden – jeden Tag. „Die Patienten fahren bis nach Attendorn, Fröndenberg, Hagen, Iserlohn und Schwerte“, sagte Tertel. Gerade für Abhängige, die eine Familie haben, sind die weiten Wege zu ihren Ärzten ein organisatorisches Problem.

Auf die Rückfrage des Bürgermeisters, warum in Werdohl keine Ersatzbehandlung möglich sei, verwies der Experte auf die Sorge von Hausärzten. Sie befürchteten, dass andere Patienten wegbleiben, würde ihre Praxis auch eine Anlaufstelle für Drogenabhängige. „Es gibt aber Unterstützung für Ärzte, die die Therapie anbieten möchten“, sagte Stefan Tertel. So arbeite die Drobs mit dem Klinikum Hellersen in Lüdenscheid und der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer zusammen. Beide Häuser seien bereit, Hausärzte zu beraten.

Seit etwa 25 Jahren wird die sogenannte Substitution von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Denn diese Behandlung verringert nicht nur die Risiken durch die Droge selbst. „Die Patienten laufen dann nicht Gefahr, sich durch gebrauchte, verschmutzte Spritzen mit HIV oder Hepatitis anzustecken“, erklärt Tertel. Außerdem seien sie durch die Ersatzbehandlung an eine Arztpraxis gebunden und müssten nicht mehr auf der Straße Drogen kaufen.

Auch einen Spritzenautomaten, an dem Drogenkonsumenten jederzeit saubere Spritzen bekommen, gibt es in Werdohl bisher nicht. Dort könnte auch gebrauchtes Besteck gefahrlos entsorgt werden. „Wir haben aber an allen drei Drobs-Beratungsstellen in Werdohl, Lüdenscheid und Iserlohn Container für gebrauchte Spritzen“, sagte Stefan Tertel. Diese würden häufig genutzt: „Manchmal kommen Patienten mit ganzen Einkaufstüten.“ Schließlich seien sie sich durchaus der Tatsache bewusst, dass es gefährlich sei, Spritzen einfach herumliegen zu lassen.

Damit es gar nicht erst soweit kommt, entwickelt die Drobs auch immer neue Präventionsprogramme. Im Rahmen des Projektes „Klasse 2000“ lernen Grundschüler, wie der Körper funktioniert und was gesund für sie ist. „Papilio“ setzt noch früher an: Schon im Kindergarten sollen Mädchen und Jungen soziale Kompetenzen entwickeln. Dieses Projekt, das die Drobs zusammen mit der Augsburger Puppenkiste organisiert, ist gerade in Plettenberg gestartet und soll demnächst auch nach Werdohl kommen. - Constanze Raidt

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