„Weiße Socken gehen gar nicht!“

Der erste Vorsitzende Andreas Schreiber zeigt die absoluten Tabus: braune Schuhe, weiße Socken und graue Hemden. Zu seinem Bedauern tauchen diese „No-Goes“ immer wieder auf.

WERDOHL ▪ Das Warten hat ein Ende. Am Freitag wurde der jährliche Höhepunkt für den Werdohler Schützenverein eingeläutet. Vier Tage lang ist nun das Augenmerk der Bürger auf die Schützenkameraden gerichtet. Deshalb ist es besonders wichtig, dass nicht nur das Marschieren klappt, sondern auch die Kleidung sitzt. Von Jana Peuckert

Seit der Gründung des Schützenvereins im Jahr 1830 besteht die Uniform aus einer grünen Jacke, einer mit Emblem besetzten Schützenkrawatte, einem weißen Hemd sowie einer Schützenmütze. „Dazu gehört eine schwarze Stoff- oder sehr feine Jeanshose. Eine Ausnahme gilt am Sonntag. Beim großen Umzug wird eine weiße Hose, statt der schwarzen getragen“, erklärt der erste Schriftführer Dieter Pries.

Ganz wichtig seien schwarze Socken. Egal zu welcher Hose. Aber: „Was leider immer wieder passiert ist, dass weiße anstatt schwarze Socken getragen werden. Insbesondere für den Umzug am Sonntag glauben manche, dass weiße Socken ja gut zur weißen Hosen passen würden. Das ist aber nicht so. Weiße Socken gehen gar nicht!“, betont Andreas Schreiber, erster Vorsitzender und Oberst. Beim Thema weiße Hose fällt Schreiber prompt eine kleine Anekdote ein. Danach waren vor einiger Zeit die beiden Reiter zum sonntäglichen Umzug zwar mit weißen, aber kurzen Hosen erschienen, was bei den Kollegen für Panik gesorgt hatte. Insbesondere der Vorstand sei geschockt gewesen. Nachdem die Reiter die Reaktionen eine Zeit lang genossen hatten, zogen sie lange Hosen aus der Tasche und so konnten sich die Gemüter wieder beruhigen.

Ungünstig sei es, wenn sich die Herren der Schöpfung morgens für bunte Unterwäsche entscheiden und diese unter ihre weißen Hosen anzögen. „Das schimmert durch und sieht nicht gut aus“, weiß Sportleiter Udo Müller. Gleiches gelte übrigens auch für dunkle T-Shirts mit Aufdruck unter den weißen Hemden.

Welche Folgen es haben kann, wenn ein Schütze gegen diese Regel verstößt, zeigt ein Fall, der sich vor ein paar Jahren ereignete. „Ein Kamerad hatte unter seinem weißen Hemd ein bedrucktes Shirt, das durchschimmerte. Trotz großer Hitze, durfte er die Jacke während des gesamten Festes nicht ausziehen“, erinnert sich Andreas Schreiber. Für alle Schützenbrüder gilt: Während der Umzüge hat die Jacke anzubleiben. Eine Ausnahme gelte nur, wenn es eine offizielle Marscherleichterung gibt, zum Beispiel bei hohen Temperaturen.

Aber selbst dann müssten die Vorstandsmitglieder schwitzen – für sie gelte die Erleichterung nämlich nicht. Doch damit nicht genug. Für sie gehören sogar noch graue Handschuhe zur Ausstattung, für die Fahnen- und Säbelträger sind die Handschuhe weiß. Das Rauchen während des Umzugs sei ebenso ungern gesehen, wie das Trinken von Bier.

Die Uniform müsse sich jeder Schütze selbst besorgen. „Wir erwarten vom Regiment, dass es die Uniform trägt. Das ist wichtig für das einheitliche Auftreten“, berichtet Andreas Schreiber. Lediglich bezüglich der Orden, Auszeichnungen und Medallien an der Jacke gebe es keine Vorschriften. „Es handelt sich dabei meist um Pins von den einzelnen Kompanien oder befreundeten Vereinen. Zudem gibt es die Königs- und Schießorden. Die Gestaltung seiner Jacke kann jeder selbst bestimmen. Jeder kann für sich entscheiden, ob er seine Abzeichen trägt oder nicht. Aber in der Regel zeigt man, was man hat“, erklärt Dieter Pries.

Das gelte auch bei den Mützen. So trägt jeder Schütze zu Beginn seiner Laufbahn eine grün-weiße Schnur. Ab dem Rang des Fähnrichs ist die Schnur silber.

Auch für Hofstaat-Paare stellt sich der Frage der angemessenen Garderobe. „Wir haben keine Vorgaben. Die Frauen ziehen aber meist von sich aus ein langes Kleid an. Man muss ja auch immer bedenken, dass es ein besonderer Anlass ist“, erläutert Andreas Schreiber. Die Königinnen seien darauf bedacht, verschiedene Kleider bei den Umzügen zu tragen. Zudem dürfe die aktuelle Robe der der vorhergehenden Königin nicht zu sehr gleichen. Ein ungeschriebenes Gesetz sei übrigens, dass der König nicht seine Ehefrau als Königin benennt. „Das ist schon ganz lange so, wie Aufzeichnungen von 1840 zeigen“, erklärt Schreiber. Bezüglich der Anzahl der Hofstaatpaare sollte diese sechs nicht überschreiten. Denn: „Der Thron ist etwa fünf mal 15 Meter groß. Darauf müssen alle Paare inklusive denen des Jungschützenkönigs Platz finden“, so der erste Geschäftsführer Thomas Reiche.

Am Tag des Umzuges werden sowohl das Königspaar samt Adjutant als auch die Hofstaatpaare in, mit Blumen geschmückten Kutschen chauffiert. Erstmals wird in diesem Jahr eine neue Kutsche für die Werdohler Majestäten zum Einsatz kommen. Bei den Jungschützen dient hingegen ein Cabrio als fahrbarer Untersatz. Die Paare des Hofstaates folgen dem Jungschützenkönigspaar zu Fuß.

Immer mit dabei sind die verschiedenen Fahnen. Neben der Vereinsfahne für alle, hat jede Kompanie ihre eigene. „Die Motive können sich die Schützen selbst aussuchen“, erklärte Thomas Reiche. Und so zeigt die Fahne der 4. Kompanie einen prächtigen Hirsch, während die Fahne der 1. Kompanie einen Adler aufweist.

Neben den individuellen Abbildungen zieren die meisten Fahnen typische Schützensymbole wie Gewehre und Schießscheiben. Auch das Stadtwappen ist auf vielen Winkelementen zu finden.

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