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Weil er keine Impfung will: Mann (35) bricht Medizinstudium ab

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Von: Volker Heyn

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Marius Marx sitzt in der Familienküche am Sirriner Weg und zeigt auf ein Foto, das ihn als Teil einer Höhenrettungs-Mannschaft auf der Baustelle eines Kohlekraftwerks in Holland zeigt. Der 35-Jährige hat nach 23 Jahren seinen Dienst bei der Feuerwehr Werdohl quittiert und sein Medizinstudium abgebrochen, weil er sich nicht impfen lassen möchte. Jetzt studiert der Familienvater Psychologie.
Marius Marx sitzt in der Familienküche am Sirriner Weg und zeigt auf ein Foto, das ihn als Teil einer Höhenrettungs-Mannschaft auf der Baustelle eines Kohlekraftwerks in Holland zeigt. Der 35-Jährige hat nach 23 Jahren seinen Dienst bei der Feuerwehr Werdohl quittiert und sein Medizinstudium abgebrochen, weil er sich nicht impfen lassen möchte. Jetzt studiert der Familienvater Psychologie. © Volker Heyn

Marius Marx hat nach 23 Jahren Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl seine Uniform zurückgegeben, das Medizinstudium abgebrochen und auf Psychologie umgesattelt. Der 35-Jährigen hat dafür einen bestimmten Grund: Er möchte sich nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen.

Werdohl – Es gibt viele Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht gegen das Corona-Virus impfen lassen wollen. Außerhalb der medizinischen und pflegerischen Berufsgruppen ist das bislang ohne Konsequenz geblieben, weil es keine allgemeine Impfpflicht geben wird. Einer, der sich aus rein persönlichen Gründen nicht impfen lassen möchte, hat dafür mit allen Konsequenzen sein Leben umgekrempelt.

Marius Marx hat nach 23 Jahren Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl seine Uniform zurückgegeben, das Medizinstudium abgebrochen und auf Psychologie umgesattelt. Familie Marx lebt mit zwei kleinen Kindern vom Ersparten und vom Einkommen der – durchgeimpften – Ehefrau.

Marius Marx ist 35 Jahre alt, lebt mit seiner Frau und zwei noch kleinen Kindern im Haus der Oma am Sirriner Weg und ist eins von fünf Geschwistern. Seinen Impf-Unwillen begründet Marx immer wieder mit den schweren Unfallverletzungen seines Bruders. Der ist nach einem Verkehrsunfall geistig und körperlich eingeschränkt.

Brandinspektor Marius Marx war bei der Flut im Juli 2021 Einsatzleiter bei der Pension Werdohl, wo die Feuerwehr verhindern konnte, dass mehrere tausend Liter Heizöl in die Umwelt gelangten. Dafür sollte er einen Verdienstorden bekommen.
Brandinspektor Marius Marx war bei der Flut im Juli 2021 Einsatzleiter bei der Pension Werdohl, wo die Feuerwehr verhindern konnte, dass mehrere tausend Liter Heizöl in die Umwelt gelangten. Dafür sollte er einen Verdienstorden bekommen. © Privat

Marx verspürt eine persönliche Verantwortung gegenüber seiner Familie und namentlich gegenüber seiner Mutter und seiner Großmutter, sich nicht wissentlich zu gefährden. Diese Gefahr sieht er in den sehr seltenen Nebenwirkungen einer Corona-Impfung: Thrombose oder Schlaganfall.

Nun ist Marx als Rettungssanitäter ausgebildet, hat es in zwei Jahrzehnten bei der Wehr bis zum Brandinspektor gebracht, hat als Höhenretter gearbeitet und seit 2015 Medizin an der Uni Bochum studiert. Ihm sind Risiken und Wahrscheinlichkeiten ein Begriff, drei Semester studierte er Statistik und ist anders als Laien in der Lage, wissenschaftliche Studien zu lesen und zu verstehen.

Nach langen Überlegungen sei er zu der Entscheidung gekommen, dass er sich nicht impfen lassen möchte, weil ihm das persönliche Risiko von schweren Nebenwirkungen zu hoch sei.

Als Feuerwehrmann muss man geimpft sein, als Arzt im Praktikum auch – Marx nahm die Konsequenzen in Kauf. Kurz nach seinem Feuerwehr-Einsatz bei der Flut im vergangenen Jahr quittierte er den Dienst bei der Werdohler Feuerwehr. Kurz vor seiner ersten ärztlichen Prüfung wechselte er das Fach und begann ein Psychologie-Studium.

Ein Schwurbler, Verschwörungstheoretiker oder Corona-Leugner sei er sicher nicht. „Ich habe zwei Mal an den Montags-Spaziergängen teilgenommen, dann war ich bedient“, sagt Marx. Er hat aber auch bemerkt: „Wenn man nicht auf der Seite des großen Konsens steht, wird man schnell in eine Ecke gedrängt.“

Im Januar 2017 wurde Marius Marx (Zweiter von rechts) in seinem Löschzug Kleinhammer befördert. Neben ihm Feuerwehr-Chef Kai Tebrün.
Im Januar 2017 wurde Marius Marx (Zweiter von rechts) in seinem Löschzug Kleinhammer befördert. Neben ihm Feuerwehr-Chef Kai Tebrün. © Jari Wieschmann

Am 22. März 2022 ist er aus der Feuerwehr ausgetreten. Eigentlich hätte er wegen seines Einsatzes während der Flut im Juli 2021 – wie andere Feuerwehrkameraden auch – eine Auszeichnung vom Innenminister bekommen sollen. Dazu wurde er aber nicht mehr eingeladen, weil er zwischenzeitlich seinen Dienst quittiert hatte. Ärgert er sich über die verpasste Ehrung? Marx: „Ich leite aus meinem Dienst bei der Feuerwehr nicht den Anspruch ab, dafür etwas zu bekommen.“

Der Austritt aus der Feuerwehr, aus seinem Löschzug Kleinhammer, sei ihm wirklich schwergefallen, 23 Jahre lang war die Wehr „mein Leben.“ Aber: „Bei der Feuerwehr lernt man auch, Entscheidungen zu treffen. Das habe ich jetzt getan.“

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