1. come-on.de
  2. Lennetal
  3. Werdohl

Weihnachtswunder von Dresel: Unterstützung für beliebtes Café im MK

Erstellt:

Von: Volker Heyn

Kommentare

Veronika Deichmann verdrückte Tränen, als sie von Martin Rodewald (rechts) und Lars Gröne sowie ehemaligen und aktuellen Mitarbeiterinnen des Moorriemer Landcafes in der Nähe von Oldenburg Geldspenden in einer Backform überreicht bekam. Ein ganz kleiner Teil in der Dreseler Kaffeedeele ist halbwegs wiederhergerichtet, eigens für die Gäste aus dem Norden gab es Stachelbeerbaisertorte und Zwiebelkuchen.
Veronika Deichmann verdrückte Tränen, als sie von Martin Rodewald (rechts) und Lars Gröne sowie ehemaligen und aktuellen Mitarbeiterinnen des Moorriemer Landcafes in der Nähe von Oldenburg Geldspenden in einer Backform überreicht bekam. Ein ganz kleiner Teil in der Dreseler Kaffeedeele ist halbwegs wiederhergerichtet, eigens für die Gäste aus dem Norden gab es Stachelbeerbaisertorte und Zwiebelkuchen. © Heyn, Volker

Nach dem Juli-Hochwasser lag die Dreseler Kaffeedeele, das so beliebte Café im MK, in Trümmern. Zu Weihnachten konnte nun wieder das erste Stück Torte serviert werden. Das dies möglich ist, lag an Hilfe aus mehreren hundert Kilometer Entfernung.

Elsfleth ist eine Stadt im Landkreis Wesermarsch im Oldenburger Land in Niedersachsen. Der gelernter Krankenpfleger Martin Rodewald und sein Freund und Mitarbeiter Lars Gröne betreiben dort das Moorriemer Landcafé. Als das Team des Landcafés am 14. Juli von den unglaublichen Verwüstungen erfuhr, die das Hochwasser in den 300 Kilometer entfernten Gebieten in NRW hinterlassen hatte, stellte Rodewald eine Spendenvase in seinem Café auf. „Es trieb uns die Tränen in die Augen. Wir dachten alle nur, dass wir helfen wollten.“

Wie das Geld aus dieser Spendenvase samt eines von Grundschulkindern geschmückten Tannenbaums am Dienstag vor Weihnachten ausgerechnet nach Dresel in Werdohl kam, ist nur ein Teil dieser ganz wunderbaren Geschichte, die von Herzenswärme und menschlicher Hilfsbereitschaft in schlechten Zeiten erzählt.

Schwer von Wasser und Schlamm verwüstet

Die Geschichte geht so: In der Internetausgabe dieser Zeitung las man im fernen Elsfleth im Wesermarschland, dass der Ehemann der Inhaberin der Dreseler Kaffeedeele aus Jever stammt. Zwar liegt das nicht so ganz in der Nähe von Oldenburg, aber Lars Gröne, der Freund von Rodewald, ist immerhin gebürtiger Friese. Passt.

Einen mit lieben Kinderwünschen versehenen Weihnachtsbaum der Moorriemer Grundschule hatten Martin Rodewald (links) und Lars Gröne mit in die Dreseler Kaffeedeele gebracht. Veronika Deichmann und Tochter Antje waren von so viel Menschlichkeit und Hilfsbereitsschaft gerührt.
Einen mit lieben Kinderwünschen versehenen Weihnachtsbaum der Moorriemer Grundschule hatten Martin Rodewald (links) und Lars Gröne mit in die Dreseler Kaffeedeele gebracht. Veronika Deichmann und Tochter Antje waren von so viel Menschlichkeit und Hilfsbereitsschaft gerührt. © Heyn, Volker

Die Kaffeedeele, das urige Wochenend-Café von Veronika Deichmann in Dresel, war am 14. Juli schwer von Wasser und Schlamm verwüstet worden. Das historische Hofgebäude liegt in einer Art Suppenteller. Deichmanns flüchteten in die obere Etage ihres Wohnhauses, während unten Wohnzimmer, Küche und das Café mit seiner gediegenen Einrichtung samt Garten unter Wasser standen. Auch das kleine Auto schaukelte auf den Wellen in der Remise. Tochter Antje Deichmann bat Wochen später in dieser Zeitung um Spenden für den Wiederaufbau des Cafés ihrer Mutter. Eine Elementarschadenversicherung gab es nicht.

Hilferuf wurde auch im Wesermarschland wahrgenommen

Dieser Hilferuf wurde nicht nur im Lennetal, sondern auch im Wesermarschland wahrgenommen. Café-Betreiber Rodewald beschloss, die Flutopfer-Spenden aus der Vase an Veronika Deichmann zu übergeben. Beide betreiben urige Landcafés, da war schnell Solidarität hergestellt. Rodewald rief in Dresel an und stellte seine Idee vor. Doch Veronika Deichman wollte es erst gar nicht glauben und am liebsten wieder auflegen. Als sie gewahr wurde, dass der Anruf aus dem Norden von einem Menschen mit Herz und nicht von irgendeinem Verkäufer kam, schlug die Zurückhaltung in Freude um.

Am 14. Juli waren Wasser und Schlamm über die Bundesstraße direkt in das Wohnhaus Dresel 1 gelaufen, wo fürchterliche Schäden angerichtet wurden.
Am 14. Juli waren Wasser und Schlamm über die Bundesstraße direkt in das Wohnhaus Dresel 1 gelaufen, wo fürchterliche Schäden angerichtet wurden. © Deichmann

Deichmanns waren ohnehin schwer beeindruckt von der Hilfe, die ihnen direkt nach der Flut von völlig Fremden zuteil geworden war. Ein Beispiel: Junge Männer hatten sich irgendwo ins Auto gesetzt und geholfen, den Hof mitten im schlimm getroffenen Gewerbegebiet Dresel freizuschaufeln.

Ein Ausflug ins Sauerland als letzter Arbeitstag

Als klar war, wohin das Spendengeld gehen sollte, wurde aus der Idee ein richtiger Plan. Das Moorriemer Landcafé schloss zur Winterpause, und als letzten Arbeitstag sollte es einen Ausflug ins Sauerland geben. Vorher aber noch trommelte Rodenburg im Dorf für seine Mission und fand Unterstützung bei der Moorriemer Grundschule. So kam es zu dem Tannenbaum mit Wurzel und lieben Kinderwünschen.

So hoch stand das Wasser im Innenhof von Veronika Deichmanns Dreseler Kaffeedeele.
So hoch stand das Wasser im Innenhof von Veronika Deichmanns Dreseler Kaffeedeele. © Heyn, Volker

Dienstagmittag traf die Reisegruppe aus Elsfleth schließlich auf dem Hof in Dresel ein. Neben Rodenburg und Gröne saßen auch die früheren Inhaberinnen des Landcafés und zwei Mitarbeiterinnen im gesponserten Kleinbus. Einen Raum konnten Deichmanns so herrichten, dass die Besucher aus dem Norden bei wohliger Wärme vom Kaminofen, auf reparierten Stühlen und an instand gesetzten Möbeln empfangen werden konnten. Veronika Deichmann hatte eine leckere Stachelbeerbaisertorte gezaubert und Zwiebelkuchen gebacken, obwohl es immer noch keinen Ersatz für die total zerstörte Küche gibt.

Versprechen: Kaffeedeele wird wieder öffnen

Auf das Spendenkonto ist schon eine Menge Geld geflossen, Ministerin Scharrenbach hatte sich persönlich für Zuwendungen aus der NRW-Hilfe eingesetzt. Die 1565,28 Euro vom Moorriemer Landcafé kommen jetzt dazu, jeder einzelne Euro hilft.

Veronika Deichmann verdrückte ein paar Tränen und versprach unter Zeugen, die Kaffeedeele auf jeden Fall wieder zu öffnen. „Was anderes bleibt mit ja gar nicht übrig. Mir haben so viele Menschen geholfen, das ist ein unglaublich schönes Gefühl.“

Auch interessant

Kommentare