Die Weihnachtsrezepte der SV-Redaktion

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Das Redaktions-Team des Süderländer Volksfreunds ist sichtlich in Weihnachtsstimmung. Hinten von links: Volker Griese (mit Zeitungsente Paula), Carla Witt, Christian Müller, Susanne Domscheit, Volker Heyn, Christian Spies, Peter von der Beck; vorne von links: Dana Mester und Nathalie Kirsch.

Werdohl - Weihnachten ist die Zeit der Familie, der Aufmerksamkeiten – und des Genusses. Unsere Lokalredaktion hat ihre persönlichen Weihnachts-Leckerbissen zusammengefasst.

Bereits im Oktober füllen sich die Supermarkt-Regale mit Herbstgebäcken: Lebkuchen, Spekulatius, Dominosteine und Marzipan – bald gefolgt von Weihnachtsmännern aus Schokolade. Auf den Weihnachtsmärkten strömen Duftwellen aus Nelken, Anis, Orangennoten, gegrilltem Fleisch, gebackenen Waffeln oder heißen Maronen umher. Es gibt zahlreiche Gerüche und Geschmäcker, die wir mit der kalten Jahreszeit im Dezember und den Feiertagen verbinden. 

Umso erstaunlicher ist es oft, wie unterschiedlich die einzelnen Vorlieben sind, wenn es darum geht, was an den Weihnachts- oder Wintertagen zuhause auf den Tisch kommt. Oder woher so manche Rezeptidee tatsächlich stammt – selbst der milde Mittelmeerraum hat an mancher Stelle seinen Beitrag geleistet. Unsere Redaktion hat sich auf einen kleinen Exkurs begeben: Durch die eigenen Erinnerungen, Geschmäcker und so manches Faible für den etwas anderen Weihnachtsgenuss. Schließlich muss es ja nicht immer die dicke Gans sein...

Fondue von Christian Müller

Vielleicht mangelt es mir an Kreativität, vielleicht am nötigen handwerklichen Geschick. Denn was in unserer Familie an Heiligabend seit Jahren auf den Tisch kommt, bedarf keines Rezeptes im eigentlichen Sinne – und auch die Dosierung lässt sich beliebig und spontan variieren: Fondue. Und zwar in der einfachen Variante, ohne Käse, ohne Schokolade oder sonstigen Schnickschnack. Da ist von allem etwas dabei: gewürfeltes Schweine-, Puten-, wahlweise auch Rindfleisch. Zu meinen Favoriten gehören außerdem Currysoße, Krautsalat, Thunfisch und Kräuterbutterbaguette. Schöner Nebeneffekt dieses Gelages: Auch sonst rastlose Familienmitglieder können gar nicht anders, als überdurchschnittlich lange am Tisch zu bleiben. Allerdings: 2016 brechen wir mit der Tradition – statt Fondue ist Raclette angekündigt. Ist ja zumindest ungefähr das Gleiche, aber das neue Gerät muss eben ausprobiert werden...

Garnelen von Dana Mester

Es gibt eine Sache, die in meinem Weihnachten schon immer da war und – solange ich es feiere – immer bleiben wird: die gebackenen Garnelen an Heiligabend. Wenn auch nicht ganz preisgünstig, ist das Gericht doch sehr simpel. Sechs Kilo frische (nicht vorgekochte) Garnelen samt Panzer auf mehrere Auflaufformen verteilen. Darüber kommt eine Menge gehackter Knoblauch (wir haben es zu fünf Personen auf eine Knolle gebracht). Übergossen werden die kleinen Krustentiere mit einer guten Ladung zuvor geschmolzener und ordentlich gesalzener Butter; sie dürfen ruhig etwas darin schwimmen. Ab in den Backofen bei 160 Grad – und genießen, sobald die Garnelen ihre schöne, rote Farbe angenommen haben. Wir kaufen immer ein Kilo mehr als es Mitesser sind – zu groß ist die Angst (oder der Futterneid), dass einer von uns nicht genug abbekommen könnte. Zum Glück schmecken die Garnelen auch kalt!

Schweden-Becher von Peter von der Beck

Mit einem speziellen Weihnachtsessen kann ich nicht dienen, denn bei uns wird Weihnachten in Clans gefeiert und dann haben die Großmütter der jeweiligen Familienseiten die Angelegenheit in der Hand. Es gibt Fleisch und dunkle Saucen, schweres und leckeres deutsch-traditionelles Essen. Schmor-Kohl, Putenbraten, Rinderbraten, Schweinebraten, Bockwürstchen, Rotkohl, Selleriesalat, Klöße, Knollensalat. Früher gab es mal häufiger Kaninchen. Eine Ausnahme bildete die Ungarische Gulaschsuppe – die war zu meinen Teenager-Zeiten en vogue. Wie auch immer: Es war und ist jedesmal ein großes Gelage mit Familienmitgliedern der inzwischen vierten Generation. Kleinkinder, Kinder, mittelalterliche Erwachsene, Rentner – der Clan kommt zusammen und alle sitzen an einem Tisch, es wird gegessen, getrunken, gelacht, erzählt und dieselben alten Geschichten werden noch einmal aufgewärmt und zum Abschluss wird gewichtelt. Und es ist eigentlich immer wunderschön. Ein Highlight ist für mich der Schwedenbecher zum Nachtisch, obwohl ich nie in Schweden war: Man benötigt einen großen Becher. Dort kommen schichtweise Sahne, Vanilleeis, Apfelmus und zum Schluss wieder Sahne hinein. Garniert wird mit einer Waffel und Zimt. Eierlikör passt übrigens auch hinein. Lecker!

Kobold-Kekse von Carla Witt 

Heiligabend mit Pommes und Bockwürstchen? Das wäre in einem früheren Leben – ohne Kinder – unvorstellbar gewesen, ist jetzt aber eine ideale Lösung. Schließlich wünschen sich alle ein friedliches Familienfest mit glücklichen Kindern – die keinen toten Karpfen betrauern, Rotkohl todesmutig herunterwürgen oder mit Braten kämpfen. Was aber auf keinen Fall fehlen darf, sind ein dickes Eis und selbstgebackene Plätzchen. Butterplätzchen sind bei der gerade Sechsjährigen und ihrem achtjährigen Bruder beliebt, an diesem Teig können sie ihre Kreativität ausleben; nach Herzenslust, kneten, rollen, ausstechen und stempeln. Zum Genießen gibt es aber Kobold-Kekse mit Cashewnüssen – manchmal nehmen wir auch Pecannüsse oder eine Nussmischung – und weißer Schokolade: Nüsse hacken und ohne Öl goldgelb rösten. Schokolade fein hacken. Butter, Zucker, Vanillezucker (wir bevorzugen die Schote) und Salz rühren, bis sich der Zucker aufgelöst hat. Das Ei zufügen, mit Mehl (wir nehmen frisch gemahlenes Dinkelmehl) und Backpulver mischen. Nüsse und Schokolade unterheben. Mit zwei Teelöffeln Häufchen auf ein Blech mit Backpapier setzen, mit jeweils einer Nuss verzieren und etwa zwölf Minuten bei 175 Grad backen.

Markklößchen von Volker Heyn

Heiligabend wird bei uns nicht großartig gekocht – was zu einem Teil daran liegt, dass ich es nicht kann. Der Hauptgrund ist aber, dass die beste Köchin des Hauses hauptberuflich Pfarrerin ist und ihr an diesem Tag dienstliche Verpflichtungen die Zubereitung von mehrgängigen Köstlichkeiten verwehren. So freut sich die ganze Familie schon seit Jahrzehnten auf den ersten Weihnachtsfeiertag, wenn die Schwiegermutter als gelernte Fleischereifachverkäuferin als Auftakt eines Gala-Dinners ihre sagenumwobene Markklößchensuppe zubereitet. Viele, sehr viele müssen es sein, weil sich alle Familienmitglieder den Suppenteller mit Klößchen vollhäufen. Nudeln und Brühe spielen da eine nachrangige Rolle, zumal der großzügige Einsatz von Maggi die Suche nach der originalen Geschmacksherkunft verhindert. Das Rezept: einfach. Die Zutaten: klassisch. Die Zubereitung: geheim. Aber 100 handgeformte Bällchen müssen es sein.

Maronen-Bier von Volker Griese 

Eine Erinnerung an einen Korsika-Urlaub ist mein selbstgebrautes Maronenbier. Eine Brauerei auf der Mittelmeerinsel verwendet die dort in den Castagniccia-Wäldern massenhaft vorkommenden Esskastanien, um damit ein bernsteinfarbenes Bier mit leicht nussigem Geschmack zu brauen. Dieses Bier einmal nachzubrauen, war für den Hobbybrauer eine Herausforderung, deren Bewältigung längere Nachforschungen erforderte. Grundlage meines Biers ist nun ein Münchner Malz, das dem Bier ein malziges Aroma und eine dunkle Farbe gibt. Eine Handvoll Karamelmalz verleiht ihm einen rötlichen Farbton und eine dezente Süße. Nicht ganz einfach war es beim ersten Mal, kostengünstig an Maronen zu kommen. Mittlerweile habe ich aber im Wald eine Stelle gefunden, wo ich die Edelkastanien gewissermaßen „aus freier Wildbahn“ ernten kann. Für 20 Liter Bier, die Füllmenge eines Einkochkessels, röste ich im Backofen etwa 2 Kilogramm Maronen. Wenn sie geschält sind, bleiben etwa 1,6 Kilogramm übrig, die ich dann mit der Küchenmaschine grob hacke und der Maische zugebe. Weil die Maronen im Herbst geerntet werden und weil das obergärige Bier aufgrund der zusätzlichen eingebrachten Maronen-Stärke auch einen etwas höheren Alkoholgehalt (knapp 8 Prozent) hat, eignet sich mein „Maronator“ sehr gut als Wintergetränk.

Shakshuka von Christian Spies 

Was die drei Könige aus dem Morgenland dem Christkind schenkten, ist bekannt. Doch was aßen sie eigentlich während ihrer langen Reise zu dem Neugeborenen? Vielleicht ja Shakshuka. Ein Gericht, was seinen Ursprung in dem Norden Afrikas hat und von dort bis in den Vorderen Orient nach Israel gelangte. Dort gilt es gar als Nationalgericht. Bei einem Aufenthalt im Heiligen Land kurz nach den Feiertagen des vergangenen Jahres entdeckte ich die leckerere vegetarische Speise, deren Hauptzutat gehäutete Tomaten sind. Zum gesamten Rezept: Olivenöl in einer Pfanne erhitzen. Zwiebeln, Knoblauch und Paprika unter Rühren glasig dünsten. Tomaten, Tomatenmark und Gewürze zugeben und offen köcheln lassen. Anschließend mit einem Esslöffel vier Mulden für die Eier in die Tomatenmasse drücken und jeweils ein Ei hineinschlagen. Deckel auflegen und knapp fünf Minuten weiter köcheln lassen. Wahlweise könnten auch andere Gemüsesorten hinzugegeben werden, wie mir Israelis verrieten. Mal etwas anderes als der traditionelle 

Braten – fanden auch meine Großeltern: „Shakshu, Shakshu-Was?“

Zimtschnecken von Nathalie Kirsch 

Ich liebe Zimt! Nicht nur beim Frühstück verleiht es selbstgekochten Gerichten oft eine ganz besondere Note. Jetzt zur Weihnachtszeit backe ich viel mit Zimt. Vor allem Zimtschnecken haben es mir angetan. Natürlich schmecken auch die Schnecken zum Aufbacken gut, aber mit etwas Selbstgemachtem beeindrucken Sie Ihren Weihnachtsbesuch noch mehr. Einfach Eier, geschmolzene Butter und Milch verquirlen und zu der Mehl-Salz-Zucker-Zimt-Mischung geben. Der zu einem Rechteck ausgerollte Teig wird mit dem Zimt-Zucker-Butter-Gemisch bestrichen, aufgerollt und geschnitten. Die einzelnen Schnecken aufrecht nebeneinander in eine runde Form stellen und etwa 30 Minuten backen. Wer mag, kann die Zimtschnecken noch mit Zuckerguss oder einem Frischkäse-Frosting bestreichen. Die süße Köstlichkeit rundet ein deftiges Weihnachtsessen perfekt ab – und schmeckt auch noch am nächsten Tag.

Mandel-Pralinen mit Cranberries von Susanne Domscheit 

Für mich gehört das Plätzchenbacken in der Vorweihnachtszeit einfach dazu. Bei Weihnachtsmusik Teig kneten, ausstechen, verzieren – da kommt Weihnachtsfreude auf. Ob klassisches Spritzgebäck nach dem Rezept der Mutter oder die Kulleraugen-Lieblingsplätzchen für den Sohn – jedes Jahr gibt es Traditionelles, aber auch neue Rezepte probiere ich immer gerne aus. Dieses Jahr habe ich bei einer Freundin „Weiße Mandelsplitter-Pralinen mit Cranberries“ entdeckt. Die mussten natürlich auch sofort selbst hergestellt werden. Und selbstgemachte Dinge zu Weihnachten zu verschenken ist und bleibt doch immer etwas Besonderes. So geht’s: Für die Pralinen die Mandelsplitter in einer Pfanne ohne Fett rösten. Die Cranberries klein schneiden. Die Kuvertüre im Wasserbad mit dem Kokosfett schmelzen, anschließend die Mandeln und Cranberries einrühren und alles gut vermengen. Zum Aushärten in Pralinenförmchen füllen.

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