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Wegfall der Maskenpflicht: Grundschulleiterinnen äußern große Besorgnis

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Von: Volker Heyn

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Die Mädchen und Jungen dieser vierten Klasse der katholischen Grundschule St. Michael und ihre Lehrerin tragen an diesem Freitag zum letzten Mal verpflichtend eine Maske im Unterricht. Mit dem nächsten Schultag am Dienstag fällt diese Verpflichtung weg, zwei der drei Grundschulen wünschen sich, dass die Kinder weiter Maske tragen.
Die Mädchen und Jungen dieser vierten Klasse der katholischen Grundschule St. Michael und ihre Lehrerin tragen an diesem Freitag zum letzten Mal verpflichtend eine Maske im Unterricht. Mit dem nächsten Schultag am Dienstag fällt diese Verpflichtung weg, zwei der drei Grundschulen wünschen sich, dass die Kinder weiter Maske tragen. © Heyn, Volker

Zwei der drei Werdohler Grundschulleiterinnen empfehlen den Eltern, dass ihre Kinder auch nach dem gesetzlichen Wegfall der Maskenpflicht weiterhin einen Mund-Nase-Schutz tragen.

Alle drei Frauen äußerten im Gespräch mit der Redaktion große Besorgnis über die Lockerungsmaßnahme durch Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP).

Die größten Bedenken hat Nina Manns von der städtischen Gemeinschaftsgrundschule. Sie weist ganz besonders darauf hin, dass mit der neuen Verordnung aus Düsseldorf auch die bereits abgeschaffte und sehr unbeliebte Quarantänepflicht für unmittelbare Sitznachbarn wieder in Kraft tritt.

Nina Manns rechnet vor: „Ein infiziertes Kind hat im Klassenunterricht zwei Sitznachbarn, dasselbe Kind im Religionsunterricht zwei andere Sitznachbarn und in der OGS nochmal zwei andere Spielkameraden. Dann habe ich im schlimmsten Fall auf einen Schlag sieben Kinder in der Quarantäne.“ Bislang brauchte nur das eine positive Kind („Indexkind“) in Quarantäne. Die ab Dienstag geltende Verordnung bezieht die Sitznachbarn wieder mit ein. In der Verordnung steht wörtlich: „Tritt in einem Klassen- oder Kursverband ein Infektionsfall auf, ist die Quarantäne von Schülerinnen und Schülern ab sofort in der Regel auf die nachweislich infizierte Person sowie die unmittelbare Sitznachbarin oder den unmittelbaren Sitznachbarn zu beschränken.“

Schulleiterin appelliert an die Eltern

Um die seit dem Sommer gewonnenen pädagogischen Freiheiten nicht zu verlieren, richtet Manns eine Bitte an die Eltern: „Unser dringender Appell an Sie als Eltern ist es, die Kinder zu ermutigen, auch weiterhin im Unterricht die Maske zu tragen.“ Dieser Appell sei mit dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Daniel Bartke und dem Kollegium abgesprochen. Allein in der zurückliegenden Woche gab es insgesamt fünf positive Pooltestungen. Am Freitag trat in derselben dritten Klasse eine zweite positive Testung zutage.

Eine Pflicht zum Tragen der Maske kann keine Schule anordnen. Von daher bleibe es bei der Bitte, auch am Sitzplatz weiter die Maske zu tragen. Befürchtungen beunruhigter Eltern will Manns zerstreuen: „Selbstverständlich wird kein Kind, das die Maske nicht tragen will, von uns diskriminiert oder zurückgesetzt.“ Als Schulleiterin sei es ihre Pflicht und ihr persönliches Bestreben, Bildungschancen für alle Kinder aufrecht zu erhalten. Jedes Elternteil trage die Verantwortung für das eigene Kind, Manns: „Wir tragen jede Entscheidung mit, warnen aber vor den möglichen Konsequenzen.“ Quarantäne bedeute Unterrichtsausfall für das Kind und Betreuungsprobleme für die Eltern.

Entscheidungsfreiheit liegt bei den Eltern

Maria Apprecht von der Katholischen Grundschule St. Michael sieht das so ähnlich wie ihre Kollegin. Sie werde die Eltern ebenfalls bitten, zu überlegen, ob die Kinder im Unterricht nicht weiter freiwillig Maske tragen können. Bedenken von Eltern, ihre Kinder könnten diskriminiert werden, hält sie Erfahrungen entgegen: „Als es noch keine Maskenpflicht gab, hatte ich Kinder mit Maske im Unterricht sitzen. Die haben es auch gut ausgehalten, in der Minderheit zu sein.“ Die Entscheidungsfreiheit liege aber bei den Eltern, danach müsse sie sich richten. Zum Wohle der Kinder sei bislang immer eine Lösung gefunden worden. Apprecht: „Ich habe auch vorher schon mit Maskenverweigerern zu tun gehabt und wir haben auch mit denen Einigungen erzielt.“ Auch in Werdohl gebe es Verschwörungsanhänger, die fürchteten, dass ihren Kindern bei den Testungen vergiftete Stäbchen in die Nase gesteckt würden. Apprecht setzt auf Kommunikation: „Wir haben an unserer Schule durch Gespräche alle drin im System.“

Britta Schwarze von der Evangelischen Martin-Luther-Grundschule geht nicht so weit wie ihre Kolleginnen, sie spricht im Elternbrief keine Empfehlung zum Masketragen am Platz aus. Im Elternbrief schreibt sie: „Diese Lockerung der Maskenpflicht erfordert auf jeden Fall, dass Ihr Kind ständig über eine gut angepasste Maske und eine Ersatzmaske verfügt. Wenn Sie sich dabei sicherer fühlen, kann Ihr Kind selbstverständlich die Maske auch durchgängig im Unterricht tragen.“

Lehrerinnen behalten die Maske auf

Die Lehrerinnen würden weiterhin die FFP2-Maske tragen, um die Kinder zu schützen. Schwarze: „Außerdem stellt die Maske sicher, dass wir auch im Fall eines positiven Klassen-Pools weiterhin im Dienst bleiben können.“ Die neue Quarantäneregelung beträfe dann ja auch die Lehrerin, wenn sie nah an das infizierte Kind herangekommen ist. „1,50 Meter Abstand geht in der Grundschule überhaupt nicht. Sobald ein Kind herumläuft, muss es die Maske tragen“, so Schwarze. Der Wegfall der Maskenpflicht mache ihr dennoch Sorgen: „Ich fühle mich unwohl dabei.“ Während im Unterricht und auch im klassenübergreifenden Religionsunterricht die Kinder dokumentiert an festen Plätzen sitzen, sollen sie sich bei der OGS am Nachmittag bewegen und herumlaufen. „Also müssen die Kinder auch in der OGS meistens die Maske benutzen.“ Auch für die 60 Kinder in der OGS gebe es gute Strukturen, aber die Rückverfolgbarkeit sei nicht durchgängig gegeben.

Ein Vorteil der Hygienebestimmungen sei auch, dass nicht halbe Klassen durch Erkältung oder Magen-Darm-Infekte leergefegt waren. Das könnte sich rasch ändern.

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