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Wegfall der Maskenpflicht an Schulen: Mehr Skepsis als Freude

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Von: Volker Heyn, Carla Witt

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Ein Mund- und Nasenschutz liegt im Unterricht auf einem Erdkunde-Buch. Möglicherweise ist dies die letzte Woche an NRW-Schulen, in der noch zwingend eine Maske getragen werden muss.
Ein Mund- und Nasenschutz liegt im Unterricht auf einem Erdkunde-Buch. Möglicherweise ist dies die letzte Woche an NRW-Schulen, in der noch zwingend eine Maske getragen werden muss. © Matthias Balk

Gespannt haben Eltern, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler am Montag den ersten Schultag nach den Herbstferien erwartet.

In dieser Woche nach den Schulferien in Nordrhein-Westfalen wird dazu eine Entscheidung getroffen, ob die Kinder und Jugendlichen ab kommender Woche vielleicht keine Masken mehr tragen müssen. Welche Erfahrungen haben drei ausgewählte Schulleitungen in Werdohl und Neuenrade gemacht?

„Wir hatten am Montag vier positive Pools“, beantwortet Nina Manns die Frage nach den Ereignissen am Montag. Die Schulleiterin der städtischen Gemeinschaftsgrundschule Werdohl mit ihren beiden Standorten Kleinhammer und Königsburg meldete auf Nachfrage „mindestens vier positiv getestete Kinder“ in vier Klassen. Nach wie vor werden die Schnellteströhrchen aller Kinder einer Klasse in einen Behälter gegeben und dann ausgewertet. In vier solcher Klassen-Pools gab es mindestens ein positives Ergebnis. Alle Kinder dieser vier Klassen sind am Dienstag einzeln per PCR getestet worden, die Ergebnisse lagen noch nicht vor.

Vier Klassen sind betroffen

Mit Infektionen direkt nach den Herbstferien habe Manns und ihr Kollegium gerechnet, sagte sie: „Aber gleich in vier ganzen Klassen?“ Wenn die Einzelergebnisse vorliegen, müssen allerdings nur die positiv getesteten Kinder in Quarantäne. Manns spricht von so genannten „Indexkindern“. Alle anderen Kinder, auch wenn sie noch so engen Kontakt zu ihren infizierten Klassenkameraden hatten, brauchen nicht in Quarantäne zu gehen.

Der möglicherweise ab kommenden Dienstag fallenden Maskenpflicht in den Schulen steht die Grundschulleiterin sehr skeptisch gegenüber. „Die Klassen sind so voll bei uns, die Kinder sitzen ja manchmal nur einen halben Meter auseinander. Ohne Maske und ohne Quarantäne? Ich weiß nicht.“ Noch nie in der langen Pandemiezeit sei der Unwillen der Eltern so laut vernehmbar gewesen, schildert sie ihre Eindrücke und die ihrer Kolleginnen. Viele Eltern seien „völlig fassungslos“ und hätten überhaupt kein Verständnis für eine mögliche Entscheidung, die Maskenpflicht aufzuheben. Es gebe natürlich auch andere Stimmen, doch die Mehrheit wolle eine Fortführung der Maskenpflicht bis ins Frühjahr. Auch viele im Kollegium würden so denken. Nach all den Anstrengungen und Strapazen der Pandemie könne man jetzt auch noch zehn oder zwölf Wochen mit Maske durchhalten. In den vollen Klassen könnten keine Abstände eingehalten werden, auch nicht zwischen Lehrerinnen und Kindern. Ganz sicher werde es Mitarbeiterinnen geben, die weiterhin freiwillig die Maske tragen werden. Die meisten seien zwar geimpft, wollten aber nicht die Infektion weitertragen: „Wir wollen doch unsere Kinder in der Schule nicht anstecken.“

Masken „lieber nicht absetzen“

„Mir wäre es lieber, die Masken würden im Klassenraum nicht abgesetzt“, blickt auch Eva Päckert skeptisch auf das mögliche Ende der Maskenpflicht. Die Leiterin der Hönnequell-Schule in Neuenrade berichtet von einem positiven Schnelltest nach den Herbstferien; das Ergebnis des PCR-Tests stand am Dienstagnachmittag noch aus.

„Angesichts der steigenden Inzidenz sollten wir die Maskenpflicht noch weiter durchhalten“, unterstreicht Päckert; zumal momentan auch viele Kinder und Jugendliche von einer Infektion mit dem Coronavirus betroffen seien. „Ich würde mir wünschen, dass man so lange abwartet, bis es auch eine Impfmöglichkeit für unter Zwölfjährige gibt. Dann könnten die Eltern entscheiden, ob sie für ihre Kinder das Risiko einer Infektion eingehen wollen oder eben nicht.“

Gesamtschule: Keine Infektion

Keine einzige Infektion am Montag nach den Herbstferien meldete Sven Stocks, Schulleiter der größten weiterführenden Schule Werdohls, der Albert-Einstein-Gesamtschule. Er ist ein Freund der Maßnahme, nur noch den tatsächlich infizierten Betroffenen in Quarantäne zu schicken. „Die Sammelquarantäne war aus epidemischer Sicht keine hilfreiche Maßnahme“, so Stocks. In Spitzenzeiten seien 100 Jungen und Mädchen in Quarantäne gewesen, die Zahl der tatsächlich Infizierten habe aber maximal im einstelligen Bereich gelegen. Das Ergebnis sei lediglich gewesen, dass 100 Kinder nicht am Unterricht teilnehmen konnten. Nach wie vor werde jeder und jede engmaschig drei Mal die Woche getestet.

Aus dieser Sicht begrüßt es Stocks, dass die Maskenpflicht wahrscheinlich ab dem 2. November aufgegeben wird: „Ich finde es richtig und gerade mit Blick auf anderen Freiheiten sogar überfällig.“ Der Wegfall der Maskenpflicht an den Schulen sei seiner Meinung nach zu verantworten, die Schulen seien ohnehin nie pandemietreibend gewesen. Jeder ab zwölf könne sich impfen lassen und wer wolle, könne die Maske weiter aufsetzen.

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