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Wegen Energiekrise: Bleiben Werdohler Straßenlaternen künftig aus?

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Von: Volker Griese

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Die Straßenbeleuchtung in Werdohl ist mittlerweile zu fast 60 Prozent auf LED-Technik umgestellt. Pantelis Haritidis von der Elektroabteilung des Baubetriebshofes zeigt hier eines der Modelle.
Die Straßenbeleuchtung in Werdohl ist mittlerweile zu fast 60 Prozent auf LED-Technik umgestellt. Pantelis Haritidis von der Elektroabteilung des Baubetriebshofes zeigt hier eines der Modelle. © Witt, Carla

Knapp zehn Jahre nach der Einführung der Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung und gut vier Jahre nach der Rücknahme dieser Maßnahme spielt die Stadt Werdohl jetzt ernsthaft mit dem Gedanken, die Laternen wieder stundenweise abzuschalten.

Werdohl – Dahinter stecke unter anderem die „dringende Notwendigkeit zur Energieeinsparung infolge der Ukrainekrise“, heißt es in einem Beratungspapier für die nächste Sitzung des Hauptausschusses.

Schon im Mai hatte Bürgermeister Andreas Späinghaus angesichts steigender Energiekosten von der Möglichkeit gesprochen, die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung wieder einzuführen. Die Verwaltung werde diesbezüglich die Möglichkeiten ausloten und der Politik einen Vorschlag unterbreiten, hatte er gesagt.

Dieser Vorschlag liegt nun auf dem Tisch. „Die dringende Notwendigkeit zur Energieeinsparung infolge der Ukrainekrise, verbunden mit der aktuellen Strompreisentwicklung und einem gestiegenen Umweltbewusstsein in der Bevölkerung geben Anlass, die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung erneut zu thematisieren“, heißt es in dem Papier, das den Mitgliedern des Hauptausschusses vorliegt. Die Verwaltung listet dann auf, wie viele Straßenlaternen und Ampeln im Stadtgebiet betrieben werden müssen und wieviel Strom dafür verbraucht wird. Für die rund 3400 Straßenlaternen hätten im Jahr 2021 rund 403 000 Kilowattstunden Strom aufgewandt werden müssen, für die vier Ampeln seien es rund 1000 Kilowattstunden gewesen, hat die Stadtverwaltung errechnet. Bei einem Strompreis von gut 23 Cent pro Kilowattstunde, der in Rechnung gestellt worden sei, summierten sich die Kosten auf knapp 95 000 Euro.

Allerdings waren Verbrauch und Kosten früher deutlich höher. Im Jahr 2008, blickt die Verwaltung zurück, hätten noch 850 000 Kilowattstunden für die Beleuchtung und 15 000 Kilowattstunden für die Ampeln auf der Rechnung gestanden. Beim damaligen Strompreis von etwas mehr als 14 Cent pro Kilowattstunde musste die Stadt rund 125 000 Euro aufwenden. Für 2023 rechnet die Stadt nun mit einem Strompreis von 40 Cent, was dann Gesamtkosten in Höhe von rund 160 000 Euro zur Folge hätte.

Durch eine Umrüstung eines großen Teils der Straßenlaternen und der Ampel auf der Derwentsider Straße konnte der Stromverbrauch in den vergangenen Jahren mehr als halbiert werden. Weitere Einsparungen durch eine Ausweitung der LED-Technik seien aber zeitnah nicht zu realisieren, erklärt die Verwaltung. Deshalb liege es nahe, die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung wieder einzuführen. Dadurch könne außerdem die sogenannte Lichtverschmutzung, die Aufhellung des natürlichen Nachthimmels, eingedämmt werden. Durch Lichtverschmutzung kann Forschern zufolge der chronobiologische Rhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen erheblich gestört werden.

Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass jede Stunde Nachtabschaltung etwa 8 Prozent Strom einspart. In Wohn-, Gewerbe- und Randgebieten könne die Straßenbeleuchtung von Mitternacht bis 4.15 Uhr und an Samstagen von 2 bis 4.30 Uhr abgeschaltet werden. In der Innenstadt sei eine Abschaltung von 1 bis 4 Uhr an Wochentagen denkbar. Die Verwaltung schlägt dem Hauptausschuss vor, die Nachtabschaltung zunächst auf zwei Jahre zu begrenzen.

Ob die Politik die Ansicht der Verwaltung teilt, wird sich zeigen, wenn der Hauptausschuss am Montag, 5. September, um 17 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses zusammenkommt. Die Sitzung ist öffentlich. Anschließend muss sich am 19. September auch noch der Rat mit dem Thema befassen.

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