Weder Werdohl noch Eickelborn

34-jähriger psychisch Kranker muss zurück in Hans-Prinzhorn-Klinik

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Werdohl/Hagen - Ein 34-jähriger Werdohl steht vor dem Hagener Landgericht. In dem Verfahren gegen den psychisch kranken Beschuldigten geht es nicht um eine Haftstrafe, sondern um eine Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie. Jetzt wurde ein Urteil gesprochen. 

Neun Vorfälle listet die Antragsschrift der Staatsanwaltschaft auf. In der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer (HPK) zerlegte er das Mobiliar, warf mit Gegenständen, setzte sein Bett und einen Toaster in Brand und bedrohte Pflegekräfte mit einer abgebrochenen Neonröhre, bis ein Polizist seine Waffe zog.

Zwischen Freiheit ohne Perspektive in Werdohl und einer erneuten Einweisung in die geschlossene Psychiatrie entschied sich die 6. große Strafkammer des Landgerichts Hagen für den mittleren Weg: Der 34-jährige Beschuldigte wurde nach der Urteilsverkündung erneut nach Hemer in die Hans-Prinzhorn-Klinik gebracht. Grundlage dafür war ein Einweisungsbeschluss, den das Amtsgericht Iserlohn schon vor dem Gerichtsverfahren erlassen hatte. 

Den Antrag auf erneute Unterbringung des 34-Jährigen in einer geschlossenen forensischen Klinik wies das Gericht zurück: Zwar hätten sich die meisten Tatvorwürfe im Verlauf der Hauptverhandlung bestätigt, stellte die Vorsitzende Richterin Dr. Bettina Wendlandt in ihrer Urteilsbegründung fest. Diese Taten reichten aber nicht aus, um eine weitere Unterbringung in der psychiatrischen Klinik in Eickelborn zu rechtfertigen. Weil er wegen seiner psychischen Grunderkrankung als nicht schuldfähig gilt, kam eine Verurteilung nach „normalen“ strafrechtlichen Grundsätzen nicht in Frage. 

Leben in einer „grauenvollen Welt“

„Ich habe keinen Bock mehr auf die Psychiatrie“, gab der 34-Jährige zum x-ten Mal und diesmal zum Abschied zu Protokoll. Die Tragweite der für ihn relativ positiven Entscheidung, die ihm andere Wege offen hält als die „Geschlossene“ mochte oder konnte er nach dem Urteil nicht einsehen. Die Vorsitzende erklärte ihm mit jener Beharrlichkeit und Geduld, die ihre gesamte Prozessführung bestimmt hatte, noch einmal den Grund für die Rückkehr in die HPK: „Weil Sie in einer Welt leben, die ziemlich grauenvoll und angsteinflößend ist.“ 

Auf der Zielgeraden der Entscheidung waren sich Staatsanwalt, Verteidiger und das Gericht weitgehend einig: Alle Beteiligten befürworteten eine Rückkehr nach Hemer. Es könne nicht sein, dass sein Mandant „abgeschoben und weggesperrt“ werde, nur weil es keine passende Klinik für Patienten wie ihn gebe, sagte Rechtsanwalt Thomas Wolfinger-von Häfen in seinem Plädoyer. 

Gutachten als Grundlage für HPK-Rückkehr

Der psychiatrische Gutachter Dr. Nikolaus Grünherz hatte mit seinem Gutachten die Grundlage für die Rückkehr in die HPK gelegt. Er bescheinigte dem 34-Jährigen eine „paranoid-halluzinatorische Schizophrenie“ und damit ein Leben in einer Art Parallelwelt. Immer wieder wurden dem Gutachter geradezu prophetische Voraussagen darüber abverlangt, wie es um die mögliche Gefährlichkeit des 34-Jährigen stehe. 

In Verlängerung der bisherigen Erfahrungen sah Dr. Grünherz keine hohe Wahrscheinlichkeit für gewalttätiges Verhalten außerhalb der Klinik. Bei einer Freilassung seien aber ein Rückfall in die Drogensucht und ähnliche Straftaten wie bisher zu erwarten. Vor diesem Hintergrund war eine Freilassung des 34-Jährigen keine Option. Hoffnung für eine Besserung seiner psychischen Beschwerden macht ein Medikament, das ihm in der Vergangenheit geholfen hat. Ob sein Herz es tatsächlich – wie derzeit vermutet – nicht gut verträgt, soll geklärt werden.

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