Wechsel zu den Grünen: Werdohler Bürgergemeinschaft verliert ihren Kopf

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Volker Oßenberg ist aus der WBG ausgetreten und will einen Grünen-Ortsverband gründen.

Werdohl - Volker Oßenberg, der bisherige Fraktionsvorsitzende der Werdohler Bürgergemeinschaft, ist dort ausgetreten und hat sich dem Kreisverband der Grünen angeschlossen.

Der Berufsschullehrer will sein persönliches Ratsmandat behalten und so schnell wie möglich einen Grünen-Ortsverband in Werdohl gründen. 2020 will er mit einer jungen Mannschaft alle 16 Stimmbezirke der Stadt abdecken und zur Kommunalwahl antreten. 

Vor drei Wochen teilte er der WBG mündlich seinen in den Sommerferien gereiften Beschluss mit. Der WBG-Vorsitzende Peter Frick bat Oßenberg, diesen Entschluss schriftlich zu formulieren, am 10. September traf sich die Fraktion, um sich über die neue Situation Gedanken zu machen und die Nachfolge zu regeln. Dass Oßenberg sein Mandat behalten will, ärgert Frick: „Wir sind mehrheitlich nicht begeistert.“ Volker Oßenberg und Thorsten Hänel leiteten die Fraktion seit 2014 gemeinschaftlich, jetzt ist Hänel wieder alleiniger Fraktionsvorsitzender. Hänel wie auch Frick betonen, dass man nicht im Streit auseinander gegangen sei. Frick: „Oßenberg hat sehr gut für uns gearbeitet. Aber wir waren doch ganz schön überrascht.“ Auch Thorsten Hänel betont, dass es keine Reibereien gegeben habe. „Wir hatten eine tolle Zusammenarbeit“, so Hänel auf Nachfrage. Für die WBG sei der Weggang eines so engagierten Mannes wie Oßenberg sehr bitter. 

Kräfteverhältnisse müssen nicht überprüft werden

Im Rathaus ist auf den Austritt Oßenbergs aus der WBG bereits reagiert worden. Er hatte die Bürgermeisterin am 11. September über seine Pläne informiert. Weil Oßenberg sein Ratsmandat behält, war eine Überprüfung der Kräfteverhältnisse im Rat und in den Ausschüssen nötig geworden. Die Verwaltung hat festgestellt, dass trotz des Austritts von Oßenberg aus der WBG-Fraktion die Spiegelbildlichkeit von Rat und Ausschüssen gegeben bleibe. Der Rat wird am Montag lediglich beschließen, dass Oßenberg aus dem Aufsichtsrat der Wohnungsgesellschaft ausscheidet und stattdessen Thorsten Hänel eintritt. Umbesetzungen in den Ausschüssen und Gremien sind durch Stellvertretungen und Nachfolgen geregelt. Diese muss der Rat am Montag nur noch zur Kenntnis nehmen. Mehr ist für die noch bis Ende 2020 laufende Legislaturperiode bis zu den Neuwahlen im September nicht nötig. 

Dass er sein Mandat behalten will, begründet Oßenberg so: „Ich bin im Versetal geboren und lebe dort. Ich bin im Versetal gewählt worden, mein Nachrücker kommt aber nicht aus dem Versetal.“ Er werde ein „freies Mandat“ innehaben und bis zum Ende der Wahlperiode Politik fürs Versetal machen. 

Familiäre Erfahrungen als Grund

Seinen Wechsel von einer parteienkritischen Wählergemeinschaft zu einer etablierten Partei erklärt er mit familiären Erfahrungen. Oßenberg hat vier Töchter im Alter zwischen 32 und 14 Jahre, sie seien bei „Fridays for Future“ unterwegs. Die Töchter hätten ihm gesagt, dass sie sein Engagement im Rat schätzten. Sie hätten ihn aber auch gefragt, was sein Engagement mir ihrer Zukunft zu tun habe. Oßenberg: „So bin ich bei den Grünen gelandet.“ Weil es in Werdohl keinen Ortsverband gibt, sei er beim Kreis eingetreten. 

Er sei kein „Öko-Freak“, beeilt sich Oßenberg zu sagen, die Schnittmenge an Überzeugungen sei aber bei den Grünen am größten. Die Grünen sind seiner Meinung nach die einzige Partei, die mit jüngeren Menschen Politik für jüngere Menschen mache. An dieser Stelle werde er ansetzen: Unter dem grünen Label will er junge Leute für den überalterten Werdohler Rat gewinnen. Bald wolle er einen Ortsverband gründen mit dem Ziel, zur Kommunalwahl alle 16 Bezirke besetzen zu können. Oßenberg grenzt sich ab: „Ich will aber keine grüne, alte Politik in Werdohl haben.“

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