Familienwanderer soll es zurück in die Heimat ziehen

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Beim WDR5-"Stadtgespräch" saßen am Donnerstagabend Manuel Slupina, Hubertus Winterberg, Dr. Jan Heinisch und Dimitri Hegemann (von links) auf dem Podium.

Werdohl [Update 09.03.2018] - Erst auf den allerletzten Drücker kamen am Donnerstagabend gerade eben noch so viele Zuhörer zur WDR5-Liveübertragung in den Festsaal Riesei, dass es zu einem interessanten Gedankenaustausch zum Thema Landflucht kommen konnte. Knapp 80 Interessierte nicht nur aus Werdohl füllten die ersten Reihen des großen Festsaals, um mit vier sehr unterschiedlichen Podiumsgästen ins Gespräch zu kommen.

„Die Jungen machen sich vom Acker – ist die Landflucht noch zu stoppen?“ war das griffig formulierte Thema der WDR 5-Reihe „Stadtgespräch“. Auszüge werden davon am Freitag (9. März) im WDR-Fernsehen in der Sendung „Lokalzeit Südwestfalen“ zu sehen sein.

Die Leiterin des WDR-Studios Siegen, Beate Schmies, stellte noch vor reichlich leeren Reihen den Sendeablauf vor: „Klatschen Sie viel, das kommt gut an im Radio.“ Während des Aufwärmens und der Sprechprobe der vier Männer auf dem Podium tröpfelten Gäste in den Saal, der Übergang in die Livesendung verlief fast unmerklich.

Jugendliche kommen oft zu Wort

Moderator Thomas Koch saß mit auf dem Podium und sprach nacheinander die vier Gäste an. Co-Moderatorin Christina Günther lief mit dem Mikro durch die Reihen und achtete gut darauf, dass immer wieder Jugendliche ausreichend zu Wort kamen.

Staatssekretär Dr. Jan Heinisch vom Heimatministerium Nordrhein-Westfalen musste zuerst die kurzfristige Absage seiner Chefin, Ministerin Ina Scharrenbach, erklären. Es gehe um die Abstimmung eines riesigen Projektes im Städtebau, bei diesen Gesprächen sei die Ministerin aktuell unabkömmlich.

Co-Moderatorin Christina Günther ließ junge Leute besonders oft zu Wort kommen. Hier befragt sie Schüler der Albert-Einstein-Gesamtschule.

Bereits am Nachmittag wurden die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe der AEG mit den Ergebnissen ihrer Befragung zum Thema im WDR-Sender Einslive vorgestellt. Didem Dege, Leon Evers, Jannis Grafe und Kyra Zauner hatten 123 Oberstufenschüler gefragt, ob sie nach dem Abschluss ihre Heimatstadt verlassen würden (wir berichteten bereits ausführlich). In einer viertelstündigen Live-Schaltung in den Jugendsender des WDR kamen die AEG-Schüler schon am Nachmittag zu Wort.

Arbeitsplätze sind nicht alles

Am Donnerstagabend lieferten sie den Stoff für die 55-minütige Sendung. Didem sagte, dass es zwar viele Arbeitsplätze in der Industrie in Werdohl gebe, dass sie aber trotzdem nach dem Abi weg wolle.

Der aus Köln stammende Demografie-Experte Manuel Slupina, der seit einiger Zeit in Berlin arbeitet, lieferte eine Erkenntnis: „Arbeitsplätze sind nicht alles.“ Viel mehr gehe es darum, die Städte und Dörfer attraktiv zu machen. Seine interessanteste Aussage war diese: Sich zu erinnern, wie cool es damals war, ziehe so genannte Familienwanderer wieder zurück in die Heimat.

Jugendliche wollen ihre eigene Welt bauen

Staatssekretär Heinisch interpretierte den Heimatbegriff, der mittlerweile im Namen des Ministeriums geführt wird. Heimat habe zwei Momente: Lebensqualität und Identifikation. Das Ministerium kümmere sich unter anderem mit Dorferneuerungsprojekten um den ländlichen Raum.

Der Berliner Dietrich Maria „Dimitri“ Hegemann war mit seiner Agentur „Happy Locals“ schon vor der Sendung mit Hubertus Winterberg von der Südwestfalenagentur ins Geschäft gekommen. Hegemann wird in Südwestfalen ein Projekt starten. Der 64-Jährige sprach ausschließlich davon, dass sich Jugendliche in den Kleinstädten ihre eigene Welt in Form eines Kulturhauses einrichten wollten.

Das "Stadtgespräch" steht auch als Podcast zum Nachhören und zum Download zur Verfügung.

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