WBG: „Vorstand immer allein“

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Der Vorstand der WBG (von links): zweiter Vorsitzender Thomas Janikowski, Schriftführer Ulli Hüsmert, Vorsitzender Christian Klepatz, Beisitzer Klaus-Peter Frick, Schatzmeisterin Zorica Rothstein und die Beisitzer Jörg Mertens und Harald Rösner.

WERDOHL - WBG-Vorsitzender Christian Klepatz stellte sich und seinem Vorstand selbst das Armutszeugnis aus: „Hauptsächlich wegen Krankheit und beruflicher Beanspruchung waren wir zwei Jahre so schwach besetzt, dass uns die Hände gebunden waren.“ Klepatz sagte am Mittwoch in seinem Jahresbericht, dass der Vorstand „nicht viel leisten“ und „nur ein paar Aktivitäten“ vorweisen konnte.

Sehr holperig und bei Fragen der Geschäftsordnung völlig unsicher lavierte sich Klepatz durch die Tagesordnung der Mitgliederversammlung der Werdohler Bürgergemeinschaft im Ütterlingser Krug. Beinahe wurde vergessen, über die Satzungsänderung zur Besetzung des Vorstands abzustimmen.

Klepatz beschrieb, wie er vor zweieinhalb Jahren an den Vorsitz der WBG gekommen sei. Damals war Thomas Janikowski als WBG-Vorsitzender zurückgetreten, weil er eine Kampagne in Ütterlingsen zum Erhalt der Schule im Stadtteil mit NPD-Methoden verglichen hatte. Nach Klepatz Wahl zum Vorsitzenden sei es zunehmend schwerer geworden, effektive Vorstandsarbeit zu leisten. Klepatz: „Es geht nur gemeinsam, aber der Vorstand war fast immer alleine.“

Zu den Aktivitäten der vergangenen 30 Monate zählte Klepatz das Sponsoring eines Händetrockners für die Gesamtschule, den Vorschlag zur Position eines Schiedsmannes, das Sponsoring von Rettungspunkten, die Verpflegung bei der Sauberkeitsoffensive, die Besichtigung von Vossloh und den Vorschlag, leerstehende Notunterkünfte abzureißen.

Wesentlich umfangreicher fiel der Bericht des Fraktionsvorsitzenden Willibald Mertens aus. In den vier Jahren im Rat habe sich die Fraktion bestimmt 120 bis 140 Mal getroffen, zwei Stunden habe es eigentlich immer gedauert. Mertens sprach aber wie Klepatz auch viel von Erfolglosigkeit. Die Bemühungen um die Rückführung der evangelischen Grundschule in die Stadtmitte sei „voll in die Hose gegangen“. Auch die Alternativvorschläge zum Umbau der Roten Schule in die Kita „Gerne Groß“ habe die WBG nicht durchsetzen können. Als „politischen Fahranfängern“ sei ihnen auch der Fehler unterlaufen, sich nicht rechtzeitig und eindeutig von Janikowskis NPD-Vergleich zu distanzieren.

Gemeinsam mit den anderen Fraktionen habe die WBG in acht arbeitsintensiven Sitzungen des Lenkungsausschusses das Sparpaket für Werdohl verabschiedet. Ein Erfolg sei es gewesen, nicht weiteren Steuererhöhungen zuzustimmen. Politisch habe die WBG gefordert, bei von Mertens so genannten „Lustobjekten“ nach Einsparmöglichkeiten zu suchen.

Der Kassenbericht von Zorica Rothstein fiel knapp aus: Der kommende Wahlkampf könne gut bestritten werden. Mitglieder könnten Zahlen erfahren, die Öffentlichkeit nicht.

Weil es für die WBG immer schwieriger sei, Mitarbeiter für den Vorstand zu finden, wurde die Position des Geschäftsführers aus der Satzung gestrichen. Die Zahl der Beisitzer wurde allerdings von zwei auf drei erhöht, so dass am Ende der Vorstand wieder aus sieben Köpfen besteht. Wegen dieser Entscheidung gab es im übrigen eine Kampfabstimmung.

Einvernehmlicher fielen die Wahlen zum Vorstand aus: Vorsitzender Christian Klepatz bekam alle 16 Stimmen. Mit zwölf Ja-Stimmen, einer Nein-Stimme und drei Enthaltungen wurde Thomas Janikowski zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Schatzmeisterin Rothstein bekam 15 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung. Neuer Schriftführer ist Ulli Hüsmert (15 Ja-Stimmen, eine ungültig). Bei der Wahl von drei Beisitzern kam es wegen der Wahl-Modalitäten fast zum lautstarken Streit. Gewählt wurden Hans-Peter Frick (16 Stimmen), Jörg Mertens (12) und Harald Rösner (11). Anke Saam bekam nur vier Stimmen und blieb damit außen vor.

Nach den Wahlen verabschiedete sich Gottfried Brinkmann. Er sehe seine Rolle bei der WBG zukünftig nur noch als Mäzen. Vor zweieinhalb Jahren habe er die „am Boden liegende WBG aufrappeln“ wollen, als er seine Versprechung von 100 Mitgliedern bis Ende 2013 machte (wir berichteten). Brinkmann: „Ich habe fest daran geglaubt.“ Die WBG könne jetzt bei bis zu 85 Mitgliedern landen, er selbst werde noch „zwölf bis vierzehn bringen“. Wegen der Personalie Janikowski habe die WBG Mitglieder verloren, sagte der scheidende zweite Vorsitzende in Richtung seines Nachfolgers. Und Brinkmann über den Ratsherrn Brinkmann: „Jeder weiß, dass ich das garnicht wollte.“ Anschließend lobte Brinkmann noch Willibald Mertens: „Wenn wir Dich nicht gehabt hätten, hätten wir manchmal alt ausgesehen.“

Von Volker Heyn

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