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Waschbär erklimmt Balkon im Obergeschoss

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Von: Volker Griese

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Ein Waschbär hat den Weg auf den Balkon der Familie Stahlhacke gefunden und schaut ins Wohnzimmer. Jana Stahlhacke hat ihn durch die Fensterscheibe fotografiert.
Ein Waschbär hat den Weg auf den Balkon der Familie Stahlhacke gefunden und schaut ins Wohnzimmer. Jana Stahlhacke hat ihn durch die Fensterscheibe fotografiert. © Jana Stahlhacke

Einen tierischen Überraschungsgast hatte jetzt die Familie Stahlhacke auf ihrem Balkon: Ein Waschbär hatte den Weg zu diesem Sitzplatz im ersten Obergeschoss des Hauses an der Feldstraße gefunden.

Werdohl ‒ „Wir saßen abends gemütlich im Wohnzimmer, als wir plötzlich draußen ein Geräusch wahrgenommen haben“, erzählt Arnold Stahlhacke. Beim Blick aus dem Fenster war schnell klar, wer die Abendruhe gestört hatte: Ein Waschbär hatte sich durch eine schmale Lücke des Balkongeländers gezwängt und blickte nun ziemlich keck ins Stahlhackesche Wohnzimmer. „Wahrscheinlich ist er über den Kirschbaum, der recht nahe am Balkon steht, hochgeklettert“, vermutet Margarete Stahlhacke.

Die neunjährige Jana Stahlhacke, die bei den Großeltern zu Besuch war, zückte schnell ihr Smartphone, um den abendlichen Gast mit dem Maskengesicht zu fotografieren. „Der war überhaupt nicht scheu und hat immer wieder durchs Fenster zu uns geschaut“, berichtet sie. Etwa zwei Stunden habe er sich auf dem Balkon aufgehalten und dabei genüsslich die Walnüsse vertilgt, die sie ihm mit ihren Großeltern zusammen hingestellt habe. Kein Wunder, denn Waschbären sind keine Kostverächter und fressen so ziemlich alles, was sie kriegen können. Auch Speisereste im Müll sind für Waschbären leicht verfügbare Nahrungsquellen.

Population hat sich verdoppelt

Waschbären haben sich zuletzt in Nordrhein-Westfalen massiv vermehrt. Im Jahr 2009 haben Jäger hierzulande noch 6000 dieser Tiere erlegt, zehn Jahre später waren es schon 23.000. Auch im Sauerland sind sie inzwischen in einigen Landstrichen weit verbreitet und legen immer wieder ihre natürliche Scheu vor Menschen ab. In Herscheid hat eine Familie vor einiger Zeit mit einer Wildkamera gefilmt, wie zwei Waschbären ein Vogelfütterhäuschen plünderten.

Aus Sicht von Dirk Prinz, Leiter des Hegerings Werdohl/Neuenrade, ist der Waschbär in den hiesigen Revieren aber noch ein „relativ seltener Gast“. Dennoch habe sich die Population seit 2018 etwa verdoppelt, was Prinz an den Abschusszahlen festmacht: „Vor drei Jahren haben wir drei Waschbären erlegt, im vergangenen Jahr waren es schon sechs oder sieben.“ Und es gebe durchaus Gegenden, wo der Waschbär allmählich zum Problem werde, sagt Prinz. In Kleinhammer gebe es solch einen Fall. „Dort ist der Waschbär aber wohl auch gefüttert worden“, vermutet der Hegeringleiter und warnt davor, die Tiere durch Futtergaben auch noch anzulocken. Waschbären könnten nämlich auch Schäden an Gebäuden anrichten, wenn sie beispielsweise auf der Suche nach Schlafplätzen Dachziegel anheben.

Auch Naturschützer sind auf den eigentlich in Nordamerika heimischen Eindringling nicht wirklich gut zu sprechen, denn der kletterversierte Kleinbär räumt regelmäßig Vogelnester aus. Doch auch für Haustiere kann der Waschbär gefährlich werden. So berichtete das Kreisveterinäramt Soest Anfang des Jahres davon, dass vermehrt mit dem Staupevirus infizierte Waschbären auftauchen. Für den Menschen ist die Seuche ungefährlich, doch für Tiere endet sie meist tödlich. Hundebesitzer sollten ihre Hunde deshalb dringend gegen Staupe impfen lassen, lautete der Rat der Behörde.

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