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Was Eltern wissen sollten, wenn ihre Kinder Smartphones nutzen

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Von: Carla Witt

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Mit digitalen Medien richtig umgehen: Schüler in Werdohl lernen unter anderem, wie sie sich im Internet bewegen sollten.
Mit digitalen Medien richtig umgehen: Schüler in Werdohl lernen unter anderem, wie sie sich im Internet bewegen sollten. © Volker Griese

Die Digitalisierung hat sich durch die Pandemie beschleunigt. Das spüren vor allem Schüler, die zeitweise auf technische Hilfsmittel angewiesen sind, um am Unterricht teilnehmen zu können. Umso mehr stellt sich die Frage, ab wann beispielsweise das erste Smartphone für ein Kind sinnvoll ist. Die Erziehungsberatungsstelle der Caritas und Schulleiter erklären, welche Maßnahmen sie für sinnvoll halten.

Werdohl ‒ „Ein perfektes Alter für die Smartphone-Nutzung gibt es nicht“, sagt Jana Opderbeck, Leiterin der Erziehungsberatungsstelle der Caritas, die für das Lennetal Ansprechpartnerin ist. „Es gibt dafür kein Rezept, denn jede Familie ist anders. Jede Familie muss ihren eigenen Weg finden“, sagt Opderbeck. Fakt sei, dass „Kinder oft schon im Grundschulalter mit der Nutzung von Handys oder in Tablet-Klassen mit der Technik konfrontiert werden.“

Wichtig sei laut Opderbeck, dass das Kind bei der Smartphone-Nutzung geschützt werde: „Eltern sollten Interesse an der Handy-Nutzung des Kindes haben und sich beispielsweise Spiele erklären lassen und unbekannte Chatpartner hinterfragen.“ Zudem sei es unabdingbar Kinder über mögliche Gefahren aufzuklären.

Ist der Tag aller Tage gekommen und das Kind bekommt ein eigenes Smartphone, so sollten gemeinsam Regeln festgelegt werden. Eine Regel könne zum Beispiel sein, dass das Handy nicht am Essenstisch genutzt wird. Eltern sei es jedoch oft nicht bewusst, dass auch sie sich an diese Regeln halten oder Ausnahmen mit den Kindern definieren sollten. „Wenn Eltern beispielsweise beruflich erreichbar sein müssen, sollte das mit dem Kind besprochen werden“, so Opderbeck. Zudem könne die Nutzung auf gewisse Zeiten beschränkt werden. „Welche Regeln sinnvoll sind und welche nicht, müssen Familien ausprobieren und schauen, was gut für sie ist“, sagt Opderbeck.

Einige Eltern ermöglichen ihren Kindern bereits in jungen Jahren ein eigenes Smartphone. Das merken auch Werdohler Schulen. „Viele haben schon in der vierten Klasse ein Smartphone“, sagt Maria Apprecht, Schulleiterin der Katholischen Grundschule St. Michael. Umso wichtiger sei die Aufklärung, die Apprecht auch als Teilaufgabe der Schulen ansieht. „Es ist keine einfache Aufgabe, aber es ist wichtig das Thema anzugehen. Sonst schicken wir die Kinder in eine Welt, die sie nicht kennen“, sagt Apprecht. Umso wichtiger sei zudem die Vorbildfunktion der Erwachsenen, denn auch Eltern müssten laut Apprecht verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen und nicht nur die spielerischen Funktionen aufzeigen, sondern auch die der Wissensaneignung.

Neben vielen Funktionen bergen digitale Endgeräte Gefahren. Auch hier sieht Apprecht nicht nur Eltern in der Pflicht: „Wir erklären den Kindern in der Schule unter anderem die Gefahren im Internet.“ Den Kindern werde zudem deutlich gemacht, dass auch sie Schaden anrichten und Mobbing betreiben könnten. „Wir erklären das ganz gerne so: Würde das Kind in der vollen Fußgängerzone den geschriebenen Inhalt ganz laut rufen und es wäre okay, dann darf man es auch schreiben.“

Zudem mache die Schule Kinder darauf aufmerksam, Situationen im Netz und Chatpersonen zu hinterfragen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sind alle Schultabletts mit einem Kinderschutz versehen.

An der Albert-Einstein-Gesamtschule sind die fünften und sechsten Jahrgänge iPad-Klassen. Das heißt, dass die Kinder im Unterricht häufig mit den Endgeräten lernen. „Die Voraussetzungen der Kinder sind oft sehr unterschiedlich, wenn sie an unsere Schule kommen“, sagt Schulleiter Sven Stocks. Viele Schüler könnten bereits in jungen Jahren mit iPads und Handys und deren Programmen gut arbeiten. Stocks: „Teilweise können Schüler sogar besser mit den Endgeräten umgehen, als Lehrer.“ In solchen Fällen nehme der Schulleiter den Kompetenzvorsprung des Schülers dankbar an. Stocks: „Warum auch nicht? So entsteht Unterricht auf Augenhöhe.“ Für die ein oder andere Familie dürfte es jedoch eine Herausforderung sein, dass die Schüler der iPad-Klassen die Endgeräte Zuhause auch privat nutzen dürfen. Stocks: „Deshalb müssen Eltern zuhause selber regeln, wie die Kinder damit umgehen.“ Aber auch an der Gesamtschule gibt es Regeln: Die fünften und sechsten Jahrgänge haben beispielsweise auf dem gesamten Schulgelände ein Handy-Verbot. Erst ab der siebten Klasse ist die Smartphone-Nutzung in den Pausen erlaubt.

Auch die Werdohler Realschule hat den Großteil ihrer Schüler mit iPads ausgestattet. Anders als an der Gesamtschule dienen die iPads aber nur der schulischen Nutzung. „Das heißt, dass die Schüler keine privaten Spiele oder ähnliches auf das iPad laden dürfen. Denn die Geräte gehören der Schule“, sagt Schulleiter Oliver Held. Held empfindet die Tabletts als gute Stütze im Unterricht. So sei die Schule nicht nur näher an der Lebenswelt der Kinder, sondern motiviere einige Schüler, mehr am Unterricht teilzunehmen. Und die digitale Arbeit habe noch weitere Vorteile: „Früher mussten wir mit den Schülern erst in den Computerraum laufen. Heute haben die Schüler ihre iPads immer griffbereit. Das spart uns viel Zeit.“ Zudem sei es praktisch, dass beispielsweise das Englischbuch auf dem Endgerät zur Verfügung stehe und Audioaufnahmen selbstständig abgespielt werden können.

Während des Unterrichts haben alle Lehrer die Möglichkeit, mittels spezieller Software die Bildschirme der Schüler auf ihrem Gerät einzusehen. „Sollte ein Schüler also auf einer Internetseite unterwegs sein, die nichts mit dem Lerninhalt zu tun hat, kann der Lehrer den Schüler aus dem Netz werfen“, erklärt Held. Zusätzlich könne der Zugang zu unproduktiven Internetseiten durch den Lehrer gesperrt werden.

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