Familiengeschichte

Was eine Puppenstube im Stadtmuseum zu suchen hat

Die Puppenstube, die Walter Wehner in der Nachkriegszeit für seine Tochter angefertigt hat, inspizieren Heiner Burkhardt (links) und Gerd Kalthoff vom Heimat- und Geschichtsverein Werdohl. Ab Sonntag wird das Kleinod im Stadtmuseum ausgestellt.
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Die Puppenstube, die Walter Wehner in der Nachkriegszeit für seine Tochter angefertigt hat, inspizieren Heiner Burkhardt (links) und Gerd Kalthoff vom Heimat- und Geschichtsverein Werdohl. Ab Sonntag wird das Kleinod im Stadtmuseum ausgestellt.

Bei einer Haushaltsauflösung hat ein Schriftsteller ein Spielzeug wiederentdeckt, das ab Sonntag, 22. August, im Werdohler Stadtmuseum ausgestellt wird. Beim inzwischen 71-jährigen Finder weckte das Stück Erinnerungen an die eigene Kindheit, die er zum Teil in Werdohl verbracht hat.

Werdohl ‒ Bei dem Fundstück handelt es sich um eine Puppenstube, die Walter Wehners Vater in der Nachkriegszeit für seine 1945 geborene Tochter Monika gebaut hat. Das gut und vollständig erhaltene Stück ist ein sehenswertes Beispiel für die in den Nachkriegsjahren unter schwierigen Geld- und Materialbedingungen selbst hergestellten Kinderspielsachen. Bei dem Material für die Miniaturmöbel handelt es sich Wehners Angaben zufolge zum größten Teil um Holz von Zigarrenkisten. Als Beize habe der Vater Tabaksud verwendet.

Das mit viel Liebe zum Detail ausgestaltete Puppenhaus sei „ein Stück Familiengeschichte aus Werdohl“, meint Heiner Burkhardt, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. In Essen ausgebombt, kam die Familie Wehner nämlich 1944 nach Werdohl und lebte bei der Familie Prinz im Haus Rudolfstraße 6. Der Vater von Walter Wehner war gelernter Bergmann und gehörte während des Zweiten Weltkriegs der Kriegsmarine an. Nach dem Krieg arbeitete er noch kurze Zeit als Techniker, starb aber schon mit 28 Jahren im Januar 1950. Die Puppenstube hat er also kurz vor seinem Tod angefertigt, denn sie soll nach Angaben seines Sohnes ein Geschenk für die damals vier- oder fünfjährige Tochter Monika gewesen sein.

Jetzt hat Walter Wehner, der Sohn, den Haushalt seiner älteren Schwester Monika aufgelöst. Dabei ist er auf dem Dachboden wieder auf die vor mehr als 70 Jahren von seinem Vater handgefertigte Puppenstube mit einem Wohn- und einem Schlafzimmer gestoßen. Sie war noch bestens erhalten, nur ein paar lockere Leisten mussten wieder befestigt werden. Wehner überließ das gute Stück als Dauerleihgabe dem Werdohler Stadtmuseum, sodass sich Besucher nun eine Vorstellung davon machen können, wie das Mädchen Monika Wehner in der schwierigen Zeit des Wiederaufbaus gespielt haben könnte. „Solche Stücke machen ein Museum menschlich“, ist Heiner Burkhardt überzeugt, dass die Puppenstube bei Museumsbesuchern Anklang finden wird.

Walter Wehner hat übrigens nach dem Wegzug der Familie aus Werdohl 1950 und seiner Schulzeit in Essen Germanistik und Kunstgeschichte studiert, mit einer Arbeit zum Thema Weberaufstände und Weberelend in der Lyrik promoviert und wurde dann als Autor von Prosa, Lyrik bekannt. Zusammen mit dem Essener Schriftsteller Hanns-Peter Karr veröffentlichte er zudem Kriminalromane („Geierfrühling“, „Rattensommer“, „Bullenwinter“). Mittlerweile lebt er in Iserlohn.

Öffnungszeiten: Das Stadtmuseum im Bahnhof ist am 22. und 29. August sowie am 5. September jeweils von 10 bis 12.30 Uhr geöffnet. Zugang erhalten Besucher nach der 3G-Regel.

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