Warum ist New York sauberer als Werdohl?

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Manfred Hoh, Mitgründer vom Bürgerstammtisch, wurde kürzlich 70 Jahre alt. ▪

WERDOHL ▪ Die Metropolen New York und Singapur haben schon etwas geschafft, was der Werdohler Bürgerstammtisch in seiner Stadt auch anpeilt: Sauber sein. Beim Werdohler Bürgerstammtisch am Montagabend war genau das das Thema und sorgte für eine Vielzahl von Anregungen und Diskussionspunkte.

Wie bekommen wir unsere Stadt sauberer? Die entsprechenden Verordnungen zur gesetzeskonformen Müllentsorgung seien durchaus schon verfasst und auch gültig, wie Bodo Schmidt von der Stadtverwaltung, zuständig für den Bereich Soziales und Wohnen, erklärte. Es hapert an der Kontrolle. Strafen seien zwar vorgesehen, bisher sind der Stadtkasse aus diesem Bereich aber keinerlei Zahlungen zugeflossen, wie Schmidt zugeben musste. „Was machen New York und Singapur anders?“, lautete ein Ansatz aus der Runde. Strikte Kontrollen und empfindliche Strafen haben den Müll von den Straßen nachhaltig vertrieben.

Warum funktioniert das in Werdohl nicht, fragte der gut besuchte Stammtisch Bodo Schmidt. Die einfache Antwort: Personalmangel. Zweieinhalb Stellen würden diesbezüglich zur Verfügung stehen. Zu wenig, um all die angesprochenen Aufgaben zusätzlich zu erledigen, zu viel, wenn es nach der übergeordneten Behörde geht. Schmidt: „Uns geht es dabei sogar noch besser als anderen Kommunen“.

Auf die Frage, wer denn grundsätzlich für die Entsorgung von Müll zuständig sei, gab Schmidt eine ehrliche, aber nicht gerade populäre Antwort. Wenn der Verursacher nicht bekannt ist, stehen auch die Grundstückseigentümer in der Pflicht, Müll oder Hundekot vom Gehweg zu entfernen. Das Problem, die Verursacher zu ermitteln beziehungsweise zur Rechenschaft zu ziehen, sei bekanntermaßen kaum zu lösen. Teilnehmer des Bürgerstammtisches zögen den Selbstschutz der Eigencourage vor. Angst vor Übergriffen oder Verbalattacken würde vor allem ältere Menschen davon abhalten, Verursacher auf ihr Fehlverhalten hinzuweisen. Der Aussage, dass Bürger mit einem Migrationshintergrund verstärkt zu den Verursachern zählten und beratungsresistent wären, widersprachen sowohl Bodo Schmidt als auch Ali Akdeniz. Deshalb wurde der Wunsch an Ali Akdeniz herangetragen, sich aktiv als Vermittler einzuschalten.

Vorschläge aus der Runde, um der wilden Müllentsorgung Herr zu werden, waren vielfältig. Schulklassen könnten für Straßenabschnitte eine Patenschaft übernehmen, wie eine Teilnehmerin in Alaska gesehen hatte. Auch das Ordnungsamt könne noch mehr Initiative zeigen.

Von Markus Jentzsch

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