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„Warum müssen wir das aushalten?“ Asphaltkocher „stinkt“ den Ütterlingsern

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Von: Volker Heyn

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Die Fernmeldefirma Lübben aus Friesland betreibt auf dem gemieteten Gelände an der Schlacht zwei mobile Anlagen zur Asphaltaufbereitung. Die Schwaden ziehen ins gegenüber liegende Wohngebiet Ütterlingsen. Anlieger beschweren sich, dass nicht nur Wasserdampf entweicht.
Die Fernmeldefirma Lübben aus Friesland betreibt auf dem gemieteten Gelände an der Schlacht zwei mobile Anlagen zur Asphaltaufbereitung. Die Schwaden ziehen ins gegenüber liegende Wohngebiet Ütterlingsen. Anlieger beschweren sich, dass nicht nur Wasserdampf entweicht. © Heyn, Volker

Es qualmt mächtig an der Schlacht in Ütterlingsen. Dort bereitet eine Fachfirma mit zwei Kochern Asphalt auf. Wasserdampf werde dabei freigesetzt, sagen die Verantwortlichen. Das glauben die Ütterlingser nicht. Ihnen „stinken“ die Asphaltkocher ganz gewaltig.

Die mobile Asphaltaufbereitung, die eine Fernmeldebaufirma aus der Nähe von Leer seit Anfang des Jahres auf dem Gelände an der Schlacht betreibt, sorgt für Ärger bei den Bewohnern in Ütterlingsen. Weithin sichtbar sind die Schwaden, die täglich von den beiden Asphaltkochern aufsteigen. Juniorchef Jannik Lübben und Bauleiter Klaus Probol sagen, dass die Anlage genehmigt sei und nur Wasserdampf ausstoße. Anwohner berichten seit einigen Tagen von starken Geruchsbelästigungen. Seit Mitte der Woche sind auch die Behörden eingeschaltet, der Märkische Kreis als Untere Umweltbehörde hat Ermittlungen aufgenommen.

Ein Hausbesitzer aus Ütterlingsen hatte schon Anfang Januar die Feuerwehr gerufen, als er unvermittelt Qualm von dem vergammelten Gelände an der Schlacht aufsteigen sah. Warum die Feuerwehr nicht informiert war, dass dort ein Unternehmen mit Asphaltkochern arbeitet, war damals nicht herauszufinden.

Stadt und Kreis wissen nicht Bescheid

Auch die neuerlichen Anwohnerproteste Mitte der Woche weisen darauf hin, dass die Stadt Werdohl nicht voll informiert ist, was genau dort vor sich geht. Die stellvertretende Ordnungsamtsleiterin Yasemin Kalay schickte jedenfalls einen Mitarbeiter dorthin. Nach Inaugenscheinnahme wurde der Fall an die Untere Umweltbehörde beim Märkischen Kreis übergeben. Kreis-Pressesprecher Alexander Bange teilte auf Anfrage mit, dass die Behörde „den Sachverhalt zeitnah vor Ort überprüfen“ werde. Dem Kreis sei nicht bekannt, ob das Unternehmen eine Genehmigung für die Asphaltaufbereitung habe, der Kreis habe eine solche Genehmigung jedenfalls nicht erteilt. Bange: „Die Genehmigung wird grundsätzlich für jede einzelne Anlage beziehungsweise jeden einzelnen Standort geprüft und gegebenenfalls erteilt.“ Eine pauschale Genehmigung für den Betrieb solcher mobilen Anlagen gebe es nicht.

Die beiden parallel betriebenen Anlagen entsenden riesige Schwaden in den Frühlingshimmel.
Die beiden parallel betriebenen Anlagen entsenden riesige Schwaden in den Frühlingshimmel. © Heyn, Volker

Die Firma Helmut Lübben Fernmeldebau GmbH aus Leer hat den Platz an der Schlacht von dem Verwalter der ehemaligen Itany-Besitztümer gemietet. Das Unternehmen hat den Auftrag, den Tiefbau und die Verlegung von Glasfaserkabeln für schnelles Internet zu erledigen. Junior Lübben und Bauleiter Klaus Probol haben kein Problem damit, ihre Arbeit zu erklären. Insgesamt muss das Unternehmen allein in Werdohl rund 40 Kilometer Straßenaufriss mitsamt Kabelverlegung schaffen. In vier oder fünf Baustellen gleichzeitig werde gegraben. Lübben arbeitet mit etwa 15 Mitarbeitern in und rund um Werdohl. Tiefbau, Kabelverlegung und Hausanschlüsse machen mehrere Subunternehmer von Lübben, die insgesamt mehr als 50 Leute beschäftigen.

Arbeiten dauern mindestens noch ein halbes Jahr

Die Arbeiten dauerten mindestens noch ein halbes Jahr, schätzt Bauleiter Probol. Auf der Stelle könne Lübben noch bis zu 20 Männer einstellen, die Subunternehmer mindestens genauso viele. Da aber nicht mehr Leute zur Verfügung stünden, könne auch nicht schneller gearbeitet werden.

Der Asphalt von den Kabelgräben wird auf das Gelände in der Schlacht gebracht. Umweltschädlicher Teer von Aufrissen werde vorab aussortiert und fachgerecht entsorgt. Vor der thermischen Aufbereitung werden Schotter und Erde aus dem Asphalt gesiebt. Der so gewonnene warme Bitumen wird in Thermobehälter umgefüllt und sofort wieder in den Baustellen eingearbeitet.

Der gewonnene Asphalt wird warm in Thermobehälter verfüllt und direkt wieder in den Grabenbaustellen eingebaut.
Der gewonnene Asphalt wird warm in Thermobehälter verfüllt und direkt wieder in den Grabenbaustellen eingebaut. © Heyn, Volker

Beim Erhitzen von Asphaltbrocken trete lediglich Wasserdampf aus, so Jan Lübben. Die beiden Anlagen seien genehmigt. Beim Besuch am Mittwochvormittag war allerdings zu beobachten, dass auch mal gelbe oder bläuliche Wolken aus den Kochern austreten. Das blieb von Bauleiter Probol nicht unbemerkt. Ein paar Griffe an der Maschine und der Ausstoß war wieder weiß: „Das passiert schon mal, das ist aber ganz schnell wieder weg.“

Anwohner können nicht mehr draußen sitzen

Anwohner hingegen berichten von stundenlangen Geruchsbelästigungen. „Es schlägt auch auf die Atmung, wenn man länger als ein paar Minuten draußen ist“, sagt ein Ütterlingser. Von der Terrasse aus ist gut zu sehen, wie die Schwaden fest im Lennetal stehen. Selbst die Bundesstraße ist je nach Windrichtung zeitweise vernebelt. Es ginge doch nicht an, dass man in Ütterlingsen den ganzen Sommer nicht mehr draußen sitzen könnte, sagt ein anderer.

Kreis-Pressesprecher Alexander Bange kündigte Überprüfungen an: „Zum Beispiel aufgrund einer Beschwerdelage“ könne es erforderlich sein, dass „anlassbezogene Messungen“ der Luft durch die Genehmigungsbehörde durchgeführt würden.

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