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Warum die Eiche für den Wald der Zukunft so wichtig ist

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Von: Volker Griese

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Ein Mittelspecht fliegt aus seiner Höhle in einem Eichenstamm. Er ist nur einer der vielen Bewohner solcher Bäume.
Ein Mittelspecht fliegt aus seiner Höhle in einem Eichenstamm. Er ist nur einer der vielen Bewohner solcher Bäume. © Klaus Striepen / Wald und Holz NRW

Die Bedeutung des Waldes als Lebensraum unzähliger Arten ist von unschätzbarem Wert. Jeder einzelne Baum im Wald leistet einen großen Mehrwert für die Artenvielfalt im Waldökosystem. Von der Wurzel bis in die Krone leben sehr viele verschiedene Tiere, Pflanzen, Pilze und Flechten an einem Baum. Auf den ersten Blick sind die unterschiedlichen Stockwerke des Waldes nicht sichtbar. Doch für jede einzelne Schicht gibt es Spezialisten, die das Waldökosystem bereichern.

Werdohl/Neuenrade/Balve ‒ Eine Eiche kann besonders viele Organismen beherbergen. Etwa 1000 Käferarten wurden an Eichen in Deutschland bisher nachgewiesen. Und die sind nur ein relativ kleiner Teil des bunten Lebens an den Eichen im Wald.

Andreas Wiebe, Leiter im Kollegialorgan des Landesbetriebs Wald und Holz NRW: „Die Eiche ist ein Försterbaum. Sie konnte sich gegenüber der Buche oft nur mithilfe der Förster durchsetzen, die bedrängende Buchen in der Nachbarschaft ernteten und so der Lichtbaumart Eiche Lebensraum gaben.“

Im obersten Stockwerk des Waldes befindet sich das Blätterdach. Diese Kronenschicht bietet den Pflanzen und Tieren, die darunter leben, Schutz vor Regen und zu viel Sonne und ermöglicht so kleinen Pflanzen am Boden behütet zu wachsen. In der Höhe von bis zu 35 Metern schafft die Krone der Eiche einen wichtigen Nahrungs- und Lebensraum für Fledermäuse, Vögel, Insekten, kletternde Pflanzen und Tiere.

Auch der Stamm und das Holz der Eiche sind belebter als sie auf den ersten Blick erscheinen. Hier siedeln sich vor allem Insekten an. Die dicke und rissige Borke älterer Eichen bietet Platz für Eier und Larven holz- und rindenbrütender Insektenarten, wie etwa von Pracht- oder Bockkäfern. Besonders seltene Käfer wie der Eremit oder der Große Eichenbock leben vor allem im Totholz der Eiche. Im Rahmen der Biotopholzstrategie „Xylobius“ von Wald und Holz NRW werden solche ökologisch besonders wertvollen Bäume gekennzeichnet, geschützt und dauerhaft erhalten.

Am unteren Ende des Baumes befindet sich die Moosschicht. Wie der Name schon sagt, wachsen hier vor allem Moose und Flechten. Ab und an ragt ein Pilzfruchtkörper hervor. In den Wurzeln durch die sogenannte Mykorrhiza verbunden, finden sich an Eichen beispielsweise giftige Grüne Knollenblätterpilze oder beliebte Sommersteinpilze. Für unterschiedliche Baumarten gibt es auch verschiedene spezialisierte Mykorrhiza-Pilze. Durch diese Verbindung der Wurzeln tauschen Baum und Pilz unter anderem Nährstoffe aus.

Unten angekommen ragen die Wurzeln der Eiche besonders tief in die Erde hinein. Als sogenannter Tiefwurzler ist sie dadurch bei Stürmen weniger gefährdet zu fallen als Flachwurzler wie beispielsweise die Fichte. Der Boden dient aber nicht nur dem Halt und der Wasserversorgung des Baumes, auch hier wimmelt es rund um den Baum vor Leben. Durch die fruchtbare Humusschicht ziehen sich verzweigte Gänge von Mäusen oder Dachsen. Auch Regenwürmer arbeiten sich in die Tiefe und reichern den Boden so mit wichtigen Nährstoffen an. In der kälteren Jahreszeit nutzen einige Reptilien und Amphibien den weichen Waldboden zum Überwintern. Dorthin zurückgezogen verfallen Sie in die Kältestarre.

Eichen besiedeln bereits seit mehreren Millionen Jahren die Erde. Thomas Kämmerling, Leiter im Kollegialorgan von Wald und Holz NRW sagt: „Für die Förster ist die Eiche ein wichtiger Baum im Wald der Zukunft. Eichen können die Folgen des Klimawandels besser vertragen als viele andere heimische Baumarten. Darum haben unsere Forstleute auf vielen von Borkenkäfer und Dürre zerstörten Waldflächen Eichen gepflanzt. Da die Bäume in diesem Jahr viele Früchte gebildet haben, hoffen die Förster auf eine reiche Ernte von zertifiziertem Saatgut im Herbst.“

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