Immobilienmakler wollen einsteigen

WK Warenhaus: Der erste Investor steht bereit

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Die untere Etage des WK-Warenhauses möchten Harun und Hakan Cici neu aufteilen und an mehrere Anbieter von Mode vermieten oder verpachten.

Werdohl – Seit knapp einem Monat ist klar, dass das WK Warenhaus am 30. Juni geschlossen und die Immobilie verkauft werden soll. Die Nachfolgelösung könnte allerdings sehr schnell gefunden werden, weil sie im wahrsten Wortsinn naheliegend ist.

„Ich bin seit 27 Jahren in Werdohl selbstständig, habe gute Beziehungen zu den Behörden und zur Bevölkerung. Ich möchte in Werdohl auch Spuren hinterlassen“, sagt Harun Cici. Das ist für den 57-jährigen Immobilienmakler der Grund, sich als Investor für das WK Warenhaus und das angeschlossene Geschäft Quick-Schuh ins Gespräch zu bringen. „Ja, wir haben ein Kaufinteresse“, sagt er ganz deutlich, auch im Namen seines Sohnes und Kompagnons Hakan Cici (29). „Das ist ein sehr interessantes Projekt, weil es im Herzen von Werdohl liegt“, ergänzt der Junior. 

Die Cicis haben aber nicht nur Kaufinteresse, sondern darüber hinaus auch ziemlich konkrete Vorstellungen, wie sie die rund 40 Jahre alten Immobilien nutzen wollen. Im bisherigen Schuhladen wollen sie zwei Geschäfte aus dem Lebensmittelhandwerk ansiedeln. „Einen Bäcker“, sagt Harun Cici, „und einen Metzger, denn der fehlt in Werdohl.“ Für das Herzstück des Immobiliendeals, das WK Warenhaus, schwebt den Cicis ein Shop-in-Shop-System vor. „Dadurch könnte man eine größere Vielfalt anbieten“, glaubt Hakan Cici. Im Parterre wollen sie ein größeres Schuhgeschäft ansiedeln und die bisherigen Bekleidungsabteilungen neu aufteilen. Harun Cici spricht von drei bis vier international renommierten Modemarken, die ihre Produkte dort „zu erschwinglichen Preisen“ auf gepachteten oder gemieteten Flächen anbieten sollen. 

Lebensmittelmarkt unbedingt erhalten

Im Obergeschoss möchten die Cicis den Lebensmittelmarkt unbedingt erhalten, eventuell sogar vergrößern. „Rewe ist dort unser erster Ansprechpartner, über Entwicklungsmöglichkeiten muss man reden“, betont Harun Cici, dass er mit der etablierten Handelskette gerne weitermachen möchte. Vergrößern möchte er darüber hinaus die Fläche für das derzeit von der Bäckerei Vielhaber geführte Café. Auch an dieser Stelle kann er sich eine weitere Zusammenarbeit vorstellen. Auf der verbleibenden Fläche im Obergeschoss sollen Haushaltswaren angeboten und auf jeden Fall auch wieder ein Schlüsseldienst angesiedelt werden. 

Als Immobilienmakler haben sich Hakan Cici (links) und sein Vater Harun (Mitte) in Werdohl und darüber hinaus einen Namen gemacht. Auch Cici-Sohn Onur (rechts) will in den Familienbetrieb einsteigen.

Die wenigsten Gedanken machen sich Harun und Hakan Cici über den Getränkemarkt auf der Tiefgaragen-Ebene. „Der läuft sowieso“, ist Harun Cici sicher. 

Haus soll nicht verkommen

„Unser Hauptziel ist es, für Werdohl etwas Gutes zu schaffen“, sagt der Cici-Senior. Das sieht sein Sohn ganz ähnlich: „Ich bin im WK praktisch groß geworden, kann mich noch an die große Spielwarenabteilung erinnern. Das WK war ein Anziehungspunkt in der Innenstadt. Es wäre traurig, wenn dieses Haus verkommen würde. Wenn es wegfällt, ist im Bahnhofsviertel mehr los als im Stadtzentrum.“ 

Für den Immobilienkaufmann Hakan Cici steht aber auch fest, dass die Rahmenbedingungen für einen Kauf des WK Warenhauses stimmen müssen. „Wir werden kein Geschäft machen, das uns das Genick bricht“, sagt er klipp und klar. Dabei ist ihm bewusst, dass sich ein Geschäftserfolg nicht von heute auf morgen einstellen kann. „Die Entwicklung wird mindestens fünf Jahre dauern, bis man das volle Potenzial ausschöpft“, glaubt er. 

Mit Eigentümerin nicht gesprochen

An die Umsetzung ihrer Ideen möchten die Cicis möglichst bald herangehen. „Am besten wäre ein nahtloser Übergang im Sommer, damit das Haus möglichst erst gar nicht leer steht“, wünscht sich Hakan Cici. Bislang hat die ganze Sache aber noch einen Haken: Mit den Eigentümern des WK Warenhauses haben die Cicis noch gar nicht gesprochen. Dass sie die aber davon überzeugen können, dass sie finanzkräftig genug sind, die Herausforderung anzunehmen, daran besteht für Harun Cici kein Zweifel. 

„Wir haben am Kettling aus einer alten Fabrikruine ein Traumobjekt gemacht“, erinnert er nur an die Verwandlung von drei verlassenen Industriehallen in den Festsaal „Cici Saray“ vor fast zehn Jahren. Darin finden regelmäßig Veranstaltungen vor allem türkischer Familien und Vereine statt. Deshalb scheue er auch vor dem WK-Projekt nicht zurück, betonte Harun Cici, der sich selbst als „Geschäftsmann mit Mut“ bezeichnet. Dem Geschäftsmann war und ist sehr wichtig, nicht als orientalischer Basar-Händler wahrgenommen zu werden. „Cici trickst nicht“, sagt er, „deshalb stehe ich immer als privat haftende Person für meine Geschäfte ein.“

Harun Cici, Jahrgang 1962, wurde in der türkischen Stadt Giresun am Schwarzen Meer geboren und absolvierte eine Lehre sowie eine universitäre Schulausbildung in Izmir als Bankkaufmann. Nach der Heirat mit seiner aus Wuppertal stammenden Frau Hatice blieb er in Deutschland und kam Ende 1991 nach Werdohl. Weil er als Bankkaufmann in Deutschland keine Aussicht auf Arbeit hatte, versuchte er sich als Arbeiter in einer Metallwäscherei, dann in einer Pfannengießerei, schließlich als Lagerist bei Klauke in Dresel. 1993 bewarb er sich auf die Stellenanzeige einer Bausparkasse, wurde dort Bezirksleiter. 2011 gründete er schließlich zusammen mit seinem ältesten Sohn Hakan das Immobiliengeschäft Cici GmbH. Harun Cici ist türkischer Staatsbürger, sein Sohn ist Deutscher.

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