Öko-Ausgleich für A45-Brücke in Werdohl

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Im Naturschutzgebiet Eschmecke-Hückenstein oberhalb des Ütterlingser Lennebogens läuft seit einigen Tagen die Motorsäge. Die 120-jährigen Fichten müssen weichen, um Ausgleich für den Bau einer Autobahnbrücke schaffen zun können.

Werdohl - Im Naturschutzgebiet Eschmecke-Hückenstein und an dem Steilhang in der Verlängerung des Schützenplatzes werden derzeit 120 Jahre alte Fichten gefällt. Durch den Kahlschlag soll Platz geschaffen werden für Bäume, die ökologisch wertvoller sind als das Nadelgehölz. Die Maßnahme steht in enger Verbindung mit dem Ausbau der A 45.

Der Landesbetrieb Straßen.NRW baut seit vier Jahren an der Sauerlandlinie (A 45): Alle Autobahnbrücken werden erneuert, dazu wird die 123 Kilometer lange Strecke zwischen Dortmund und der Landesgrenze zu Hessen fast durchgängig sechsspurig.

Das alles ist mit Eingriffen in die Natur verbunden, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz kompensiert werden müssen. Nicht immer ist das an Ort und Stelle möglich. Und dort kommt der Wald in Werdohl ins Spiel.

Eingriffe in die Natur durch Baumaßnahmen werden nach einem Punktesystem bewertet. Im konkreten Fall wird das Öko-Konto des Landesbetriebs für den 26 Millionen Euro teuren Neu- und Ausbau der Autobahn-Talbrücke Sterbecke bei Schalksmühle mit etwa 45.000 Punkten belastet. Um das Konto wieder auszugleichen, wird nun in Werdohl der Fichtenwald in Ütterlingsen gefällt.

Standorttypischer Baumbestand

Auf dieser Fläche und einer bereits vorhandenen Freifläche sollen anschließend Laubbäume gepflanzt werden: Rotbuche (50 Prozent), Bergahorn (30 Prozent), Vogelkirsche (10 Prozent) und Bergulme (10 Prozent). „Es wird ein standorttypischer Baumbestand entwickelt“, umreißt Kevin Hauser, Leiter des Forstbetriebsbezirks Werdohl, das Vorhaben auf der sieben Hektar umfassenden Fläche, die Teil des von Nachrodt-Wiblingwerde bis Plettenberg reichenden FFH-Gebietes „Schluchtwälder im Lennetal“ ist.

200.000 Punkte können dem Öko-Konto des Landesbetriebs dafür gutgeschrieben werden. „Für zukünftige Baumaßnahmen kann dann also wieder davon abgebucht werden“, sagte Raimund Schumacher-Dümmler vom Fachdienst Naturschutz und Landschaftspflege des Märkischen Kreises. Er begrüßt genau wie Hauser („Damit können wir unsere Naturschutzziele vorantreiben.“) diese „Umbestockung“, also die Umwandlung des Nadelwaldes in einen Laubwald. Der Ausgleich für den Autobahnbau, der an der Stelle geschaffen werde, sei in Qualität und Quantität „relativ gut“.

Die grün markierten Flächen sollen mit standorttypischen Laubbäumen bepflanzt werden.

Seit einigen Tagen laufen im Wald oberhalb des Ütterlingser Lennebogens die Motorsägen, die ersten Bäume sind schon gefallen – zu einer für Waldarbeiten eher untypischen Jahreszeit. „Im Winter könnte man hier nicht arbeiten“, sagt Hauser und verweist auf den steilen Hang. Und früher im Jahr hätten die Arbeiten nicht durchgeführt werden können, ohne Vögel und andere Tiere zu stören. So kam es zur Festlegung dieses aus ökologischer und arbeitstechnischer Sicht optimalen Termins.

Bäume auf den Schützenplatz

Die Alternative zum Abtransport der gefällten Bäume über jetzt noch gut befahrbare Waldwege im Tal sei der Einsatz eines Seilkranes im Bereich des Forsthauses und die anschließende Holzabfuhr über die L 655 gewesen. „Dann hätte man aber den Höhenweg über mehrere Wochen sperren müssen. Das wollten wir den Autofahrern nicht zumuten“, erklärt der Förster.

Nach und nach werden die gefällten Fichten – etwa 600 bis 700 Festmeter, schätzt Hauser – in den nächsten Wochen nun einzeln auf den Schützenplatz geschleppt und von dort mit großen Lastwagen abgefahren. Je nach Witterung können die Arbeiten bis in den Oktober hinein andauern.

Im Frühjahr soll dann mit der Anpflanzung von mehreren tausend Laubbäumen begonnen werden. Der Baubeginn für die 265 Meter lange Talbrücke Sterbecke ist ebenfalls für das Jahr 2018 vorgesehen und soll etwa vier Jahre dauern.

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