Der Wald geht durch neue Hände: Wie die Waldbauern jetzt ihr Holz verkaufen

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Das Holz aus den heimischen Wäldern ist begehrt – selbst in China. Die Vermarktung der Stämme soll künftig überwiegend von der WaldHolz Sauerland GmbH in Olpe übernommen werden.

Werdohl/Märkischer Kreis  Der Wald ist Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, Erholungsgebiet für viele Menschen, ist Lieferant von reiner Luft sowie Produzent des nachhaltigen Rohstoffs Holz. Das alles ist weitgehend bekannt. Dass das Bundeskartellamt den Forst als juristischen Tummelplatz für sich entdeckte, blieb der Öffentlichkeit bislang weitgehend verborgen.

Dabei sind die Folgen für die privaten und kommunalen Waldbesitzer und das Regionalforstamt Märkisches Sauerland, eine Einrichtung des Landes, gar nicht unerheblich. Die „WaldHolz Sauerland GmbH“ in Olpe soll künftig das Holz aus den privaten und Gemeinde-Wäldern vermarkten.

Ausgerechnet der Landesbetrieb Wald und Holz und seine staatsbediensteten Förster, seit Jahrzehnten mit der Vermarktungsaufgabe betraut, leisten jetzt für die Gesellschaft „Entwicklungshilfe“, denn die meisten Waldbesitzer werden durch die staatlichen Förster betreut.

Für Förster Richard Nikodem, Mitglied im Landesvorstand des Bundes deutscher Forstleute, gibt es dazu aber keine Alternative. Politischer Wille ist die Privatisierung der Holzvermarktung.

Aus Wettbewerbsgründen legten die Kartellwächter ans bisherige Verfahren die Axt an. Der Holzverkauf, der im Sauerland bisher zur Hälfte über den Landesbetrieb organisiert wurde (die anderen 50 Prozent veräußern große Waldbesitzer selber), führte nach Ansicht der Behörde zu einer übergroßen Marktmacht. In mehreren Bundesländern hatten sich die Sägewerks-Besitzer die fast in ganz Deutschland geübte Praxis vorgeknöpft – mit Erfolg.

Vor einigen Jahren hatte das Kartellamt dem Land Baden-Württemberg die weitgehend über seine Forstverwaltung organisierte Holzvermarktung untersagt und verboten, für andere Waldbesitzer Holz zu verkaufen. Das Kartellamt forderte sämtliche Länder mit einer vergleichbaren Vermarktungsmethode zu einem Richtungswechsel auf – auch NRW. Es kam zu Vergleichen von vier betroffenen Bundesländern mit dem Kartellamt, in dem die Länder Besserung gelobten und zusagten, private Holzvermarktungsorganisationen zu fördern.

Mit den Ergebnissen waren die Kartellwächter nach einigen Jahren aber nicht zufrieden und verklagten das Land Baden-Württemberg erneut. Den von der dortigen Landesregierung eingereichten Widerspruch schmetterte zwar zunächst das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf ab. Das Bundesverwaltungsgericht in Karlsruhe gab der Beschwerde des Landes Baden-Württemberg aber letztinstanzlich recht. Das Kartellamt hätte kein neues Verfahren gegen Baden-Württemberg eröffnen dürfen, entschieden die Bundesrichter.

Dass Holz nicht nur ein beliebtes und edles Material ist, um die eigenen vier Wände wohnlich zu gestalten, oder als Hightech-Baustoff mit Ökobonus geschätzt wird, sondern auch ein schwergewichtiger Wirtschaftsfaktor ist, habe die Uni Münster in einer umfangreichen Cluster-Studie festgestellt, so Nikodem. „Rechnet man sämtliche Industrie- und Handwerkszweige mit ein, die mit Holz zu tun haben, ist letztlich der Wald der größte Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen – und liegt damit sogar noch vor der Auto- und Stahlindustrie.“

Doch nichts bleibt, wie es ist. Der Weg zum Sägewerk wird sich nicht mehr allzu lange unter staatlicher Aufsicht vollziehen. Bereits zum 1. Januar sollte die grundsätzliche Änderung greifen, weil aber noch nicht alles rund läuft, gibt es eine Frist bis Mitte des Jahres. Schon vor geraumer Zeit wurde als Pilotprojekt die „WaldHolz- Sauerland GmbH“ von drei forstwirtschaftlichen Vereinigungen der Region gegründet. Im Märkischen Kreis gehörten acht Forstbetriebsgemeinschaften zu den Gründungsmitgliedern.

Doch richtig in Schwung kam die Gesellschaft noch nicht – aus mehreren Gründen. Bislang kommen nur aus dem Kreis Olpe rund 50.000 Festmeter pro Jahr an. Die acht Forstgemeinschaften des Märkischen Kreises wickelten bisher immer noch lieber über das Forstamt in Lüdenscheid ab. Das hat mehr Fachpersonal, eine ausgeklügelte EDV und die besseren Kontakte.

Dass die Waldholz Sauerland GmbH mit eineinhalb Kräften – ein Förster sowie eine Bürokraft – im Unterholz festhängt, wundert Nikodem nicht. „Bei einer Gebühr pro Festmeter ist nicht mehr drin. Einen Anschlusszwang gab und gibt es nicht. Eine Zwickmühle: Mehr Holzverkauf erfordert mehr Personal und mehr Personal braucht mehr Gebühreneinnahmen.“ 

Deshalb soll jetzt nach und nach aufgerüstet werden. Mit Balve und Affeln beliefern die ersten Forstbetriebsgemeinschaften ihre eigene Gesellschaft, die übrigen sollen bald nachrücken. Darüber hinaus ist noch eine schwergewichtige Akquise vorgesehen. Spekuliert wird auf 18 weitere Forstgemeinschaften aus dem Märkischen Kreis und dem Raum Hagen, Witten, Bochum. „Das südliche Ruhrgebiet hat eine ähnliche Waldstruktur wie der Märkische Kreis“, so Nikodem.

Rund 110.000 Festmeter Holz aus dem MK, weitere 50.000 bis 60.000 Festmeter aus dem Revier sowie der Olper Anteil machten die Sache für die „Waldholz Sauerland GmbH“ von der Menge her attraktiver. „Dann kann man auch vier bis fünf Leute beschäftigen.“

Jetzt aber werde erst einmal geübt. „Mit einer geraden Fichte kann niemand etwas verkehrt machen, bei einem Laubbaum wird’s schon schwieriger.“ Eines steht für den Gewerkschafter fest: „Wir wollen und müssen den Kollegen in Olpe helfen. Deshalb wird das EDV-Vermarktungssystem auch bei der Gesellschaft aufgespielt. Wir brauchen eine gemeinsame Kundendatei.“

Die Landesregierung habe viel Druck gemacht und den Beteiligten die Pistole auf die Brust gesetzt. „Wir beseitigen jetzt die handwerklichen Umsetzungsprobleme, denn es gibt keine Alternative.“ Ab dem 1. Juli wird der Holzverkauf über Olpe abgewickelt. Sein Balver Forstbezirk umfasse auch 750 Hektar Kyrillfläche. „An meinen Lieferungen gesundet die Waldholz Sauerland sicher nicht, aber sie kann mit mir prima üben.“

Dass die Waldbesitzer nicht mit fliegenden Fahnen wechselten, sei letztlich der guten und jahrelangen Arbeit des Forstamtes geschuldet. Nikodem: „Wir haben hier im Sauerland immer die höchsten Holzpreise in ganz Deutschland erzielt.“

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