Waldflächen sollen verjüngt und stabiler werden

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Förster Kevin Hauser arbeitet an der Verjüngung des Waldes: Unter den mächtigen Fichten wachsen als nächste Baumgeneration bereits Buchen heran.

Werdohl - „Wir sind auf einem guten Weg, unseren Wald stabiler zu machen – gegen Sturmschäden, aber auch gegen Schädlinge!“ Das sagt Kevin Hauser, Leiter des Forstbetriebsbezirks Werdohl, mehr als elf Jahre nach dem Jahrhundertsturm „Kyrill“.

Anlässlich des Tag des Waldes am 21. März traf sich Hauser zum Gespräch mit unserer Zeitung.

Mit „stabiler“ meint der Revierförster den Weg fort von den Monokulturen – oftmals Fichten – in vielen Waldbereichen, hin zu einer viel stärkeren Durchmischung der Baumarten. „Wir stellen den Wald also praktisch breiter auf, indem wir viel mehr unterschiedliche Baumarten pflanzen als früher und dabei jeweils auch auf die geeigneten Standorte achten“, erklärt Hauser. 

Schädlingen wird Leben erschwert 

So werde bei kommenden Stürmen verhindert, wieder große und zusammenhängende Windbruchflächen zu bekommen und auch den Schädlingen wird das Leben massiv erschwert. „Diese haben sich nämlich häufig auf eine Baumart spezialisiert“, nennt Hauser als heimisches Beispiel den Buchdrucker. Diese Käferart befällt bevorzugt Fichten. „Stehen diese Bäume nicht als Monokultur direkt aneinander, sondern wir haben stattdessen einen Mischwald, ist es für die Tiere nicht so einfach, direkt von einer Fichte zur nächsten zu gelangen“, erklärt Hauser. 

Der gebürtige Baden-Württemberger ist seit Juli 2013 als Revierförster zuständig für den Bezirk Werdohl und damit für eine Fläche von 33 Quadratkilometern. Zu tun hat Hauser damit genug, denn mit 60 Prozent Waldanteil ist die Stadt an Lenne und Verse eine der grünsten in Nordrhein-Westfalen. Die knapp 2200 Hektar Wald, die sich von 190 Meter über Normalnull bis zu einer Höhe von 500 Meter erstrecken, sind größtenteils in Privatbesitz (1948 Hektar), der Rest gehört der Stadt Werdohl. Der Holzertrag liegt jährlich bei etwa 7000 bis 8000 Kubikmetern. 

Erscheinungsbild hat sich stark verändert 

Seit dem 18./19. Januar 2007, als „Kyrill“ auch über Werdohl tobte, hat sich das Erscheinungsbild des Waldes stark verändert. „Wir haben viele Laubbaum-Arten wie Buche, Eiche, Ahorn oder Kirsche gepflanzt. Ziel war es, die oftmals Fichtenmonokulturen aufzulockern“, sagt Hauser. Mittlerweile sei das Verhältnis bei 40 Prozent Laubholz- und 60 Prozent Nadelholzgewächsen angekommen. Verglichen mit anderen Bezirken, sei dies bereits ein richtig guter Wert, meint Hauser. 

Allerdings werde längst nicht nur auf Laubbäume gesetzt, auch Nadelgewächse wie Douglasie, Lärche oder Küsten- und Weißtanne würden gepflanzt. „Wo es passt, setzen wir auch weiterhin auf die Fichte, die eigentlich ein sehr schön und gerade nach oben wachsender Baum mit gutem Holz ist“, erklärt Hauser. Das sei auch der Hauptgrund gewesen, warum man in bewirtschafteten Wäldern vor vielen Jahrzehnten hauptsächlich Fichten gepflanzt habe. Der Revierförster nennt es eine „pragmatische Entscheidung“. 

Etwa 80 bis 120 Jahre dauert es bis zur Erntereife der Fichten. Bis die Bäume dieses Alter erreicht haben, kümmert sich der Förster im Auftrag des Landesbetriebs Wald und Holz NRW um die Verjüngung des Bestands, so dass viele Meter unter den Kronen der Fichten bereits die nächste Baumgeneration einer anderen Art heranwächst. „An den Stellen, wo wir nicht auf eine natürliche Verjüngung durch Verteilung der Samen setzen können, pflanzen wir ausschließlich herkunftsgeeignete Bäume aus Baumschulen, die die passende Genetik für unsere Verhältnisse im Sauerland haben“, sagt Hauser. 

Allein 2017 wurden im Bezirk Werdohl rund 20 000 dieser jungen Bäume gepflanzt. Dies geschieht meist nicht mehr auf den „Kyrill“-Flächen, die mittlerweile nahezu komplett aufgeforstet wurden, sondern im normalen Bestand. 

Um dort Platz zu schaffen, wird dieser regelmäßig durchforstet. Hauser unterzieht die Bäume dabei einer Art Qualitätskontrolle. Um gut gewachsenen und gesunden Bäumen sowie der nächsten Generation am Boden Luft zu verschaffen, werden schwächer ausgebildete Bäume gezielt aus dem Bestand entfernt. „Wir achten dabei auf Kriterien wie Stammdicke, Ausbildung der Krone, Astigkeit oder auch ob der Baum Gabelungen gebildet hat“, erklärt Hauser. 

Mehrere Generationen, ein Projekt 

Die Umwandlung des Bestands von Monokulturen in einen Mischwald nennt der Revierförster zwar ein Mehrgenerationenprojekt, an dem auch seine Nachfolger noch werden mitwirken müssen, die Arbeit Hausers hat sich allerdings bereits jetzt verändert. 

„Die Bestandspflege wird durch mehrere Baumarten auf einer kleinen Fläche zeitintensiver und komplizierter, weil die Maßnahmen für jede Baumart anders aussehen können“, sagt der Revierförster. Dass sich die viele Arbeit lohnt, davon ist Hauser überzeugt: „Natürlich wird es auch bei den nächsten heftigen Stürmen Windbruch geben. Anders als bei ,Kyrill’, müssen wir dann aber auf vielen Flächen nicht bei null anfangen.“

Der Tag des Waldes findet seit den 1970er-Jahren immer am 21. März statt. 2018 steht er unter dem Motto „Wälder für nachhaltigere Städte“. Ursprünglich wurde der Tag von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf die globale Waldvernichtung aufmerksam zu machen. In NRW ist Raubbau kein Thema, weil niemals mehr geerntet wird, als nachwächst. So belegen die Erhebungen der Bundes- und Landeswaldinventur, dass die NRW-Waldflächen wachsen.

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