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Forstunternehmer Fuchs „käfert“ seit drei Jahren

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Von: Volker Heyn

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Holztransport ist Männersache. Die Sattelschlepperfahrer machen ebenso wie die Waldarbeiter einen Knochenjob, für den sich kaum jemand bereit findet. Holzhändler Michael Fuchs aus Wiblingwerde, der den Umschlagplatz betreibt, steckt den Männern schon mal ein Trinkgeld zu und hat ihnen auch ein Dixieklo zur Verfügung gestellt: „Diese Krise ist nicht ohne die meist ausländischen Fahrer zu bewältigen.“
Holztransport ist Männersache. Die Sattelschlepperfahrer machen ebenso wie die Waldarbeiter einen Knochenjob, für den sich kaum jemand bereit findet. Holzhändler Michael Fuchs aus Wiblingwerde, der den Umschlagplatz betreibt, steckt den Männern schon mal ein Trinkgeld zu und hat ihnen auch ein Dixieklo zur Verfügung gestellt: „Diese Krise ist nicht ohne die meist ausländischen Fahrer zu bewältigen.“ © Volker Heyn

Als er als Jugendlicher bei seinen Eltern im Zoogeschäft Fuchs in Altena mithalf, hatte er noch keinen Gedanken daran, dass ihm später eine eher unerwünschte Art von Getier das berufliche Leben schwer machen würde. Forstunternehmer Michael Fuchs aus Wiblingwerde ist Waldbesitzer, und Milliarden von Borkenkäfern haben nicht nur ihm den Fichtenbestand aufgefressen. Um die Aufarbeitung der Forstschäden auch für andere Waldbesitzer nachhaltiger und praktikabler zu gestalten, betreibt Fuchs mit seinem Forstservice Sauerland den 6000 Quadratmeter großen Holzumschlagplatz in Elverlingsen.

Werdohl/Altena - Aus vielen Gründen passt es, dass Fuchs den verschlammten Platz mit direktem Blick auf das schon lange stillgelegte Kohlekraftwerk gepachtet hat. Dem 57-Jährigen gehören rund 150 Hektar Wald in unmittelbarer Umgebung, dabei sind Flächen rund um das Kraftwerk Richtung Altena bis zum Bergfeld und auf der anderen Seite bis zum Nettenscheid. Auch das Land rund um den Stortelhof gehört Fuchs, der Hof selber hingegen nicht.

Seit 30 Jahren ist Fuchs im Forstgeschäft unterwegs, viele Jahre hat er den Knochenjob des Waldarbeiters gemacht. Heute schmerzen die Gelenke, die harte Arbeit im Wald ist eher was für Jüngere. Neben seinem Forstservice mit Sitz in Wiblingwerde und dem Betriebshof mit Fahrzeug- und Maschinenpark in Schalksmühle stieg Fuchs mit seinen zehn Mitarbeitern auch in das Geschäft mit dem Holzhandel ein.

Auf die Idee mit dem Holzumschlagplatz kam er vor knapp drei Jahren. Da zeichnete sich ab, was heute Gewissheit ist: Der Borkenkäfer hat im Sauerland den Fichtenbestand zerstört. Eigentlich wollte Fuchs den Betrieb an seinen Sohn und Forstwirt Leon übergeben und langsam weniger arbeiten. Doch die Vermarktung der plötzlich anfallenden riesigen Mengen von Fichtenholz ist eine so große wirtschaftliche und logistische Aufgabe, dass an ein Rückzug in die zweite Reihe nicht zu denken ist.

Michael Fuchs aus Wiblingwerde ist Waldbesitzer, Forstunternehmer und Holzhändler in einer Person.
Michael Fuchs aus Wiblingwerde ist Waldbesitzer, Forstunternehmer und Holzhändler in einer Person. © Volker Heyn

„Wir sind ein mittelständisches Unternehmen, dass sich den riesengroßen Herausforderungen stellt“, beschreibt Fuchs seine Rolle. Durch die Borkenkäferkalamität kommen in kurzer Zeit so große Holzmengen auf einmal auf den Markt, die für den Verbrauch mehrerer Generationen vorgesehen waren. Der größte Teil hat zudem eine schlechte Qualität und wird nur für Produkte wie Spanplatten, Paletten oder Pappen verwendet.

Der Markt für minderwertiges Holz sei schon etwas besser geworden, so Fuchs. Früher sei es unmöglich gewesen, solches Holz überhaupt zu vermarkten. Weil die Sägewerke ihre Kapazitäten aber nicht auf einen Schlag vervielfachen können, muss das Holz in alle Welt verkauft werden.

Doch zurück zu den Abläufen: Wenn das Holz im Wald geschlagen ist, muss es aus dem schweren Gelände heraus und auf straßentaugliche Container-Sattelschlepper verladen werden. Das passiert seit einiger Zeit in Elverlingsen. Aus eigenem und fremden Wald werden die Fichtenstämme angeliefert. Auf dem Platz arbeitet Fuchs mit einem Unternehmer zusammen, der Menschen wie Dimitri einsetzt. Der Greifbaggerführer konzentriert die Stämme in großen Bänken und bereitet sie auf einen logistisch günstigen Abtransport vor.

Die Lastwagenfahrer lassen sich beim Beladen von Kranführer Dimitri helfen. Die Türen der Container schließen nicht immer gut, da hat der Greifbagger mehr Power.
Die Lastwagenfahrer lassen sich beim Beladen von Kranführer Dimitri helfen. Die Türen der Container schließen nicht immer gut, da hat der Greifbagger mehr Power. © Volker Heyn

Dann kommen im Halbstundentakt die Lkw von Partner-Speditionen, die das Stammholz entweder nach Hagen zum Bahnhof oder zu den Häfen in Dortmund, Duisburg oder Antwerpen fahren. Kürzeres Holz geht in Längen von vier bis fünf Metern über komplette Eisenbahnzüge von Hagen nach Österreich zum Sägen, die für Übersee-Container passend auf 11,50 Meter geschnittenen Stämme werden nach China und Korea verschifft. Fuchs betreibt neben Elverlingsen und Wiblingwerde auch noch einen Umschlagplatz in Hagen. Die A45-Sperrung macht Fuchs und seinen Logistikpartnern das Leben noch schwerer. In Zusammenarbeit mit Enervie und der Deutschen Bahn plant Fuchs, Holz direkt am Gleisanschluss in Elverlingsen zu verladen.

Michael Fuchs fühlt sich sehr mit Natur und Umwelt verbunden und sieht einen Ausgleich menschlicher Interessen in der Nachhaltigkeit. So sei es ökologisch und ökonomisch sinnvoll, Holz nicht erst mit Lkw über kaputte Straßen, sondern in viel größeren Mengen über die Schiene zu transportieren.

Forstamtsleiter Hefendehl hatte Mitte vergangenen Jahres davon gesprochen, dass der Käferholzeinschlag zum Frühjahr beendet sei. Das scheint nichts zu werden, ein Blick in die braunen Hänge rund um Elverlingsen zeigt das. Es gibt zu wenige Waldarbeiter, zu wenige Lkw-Fahrer und viel zu viel Holz. Fuchs: „Es ist noch soviel Arbeit hier, nicht mal ansatzweise könnte ich mit allen Waldbesitzern Holzgeschäfte machen.“ Seinen langsamen Rückzug aus dem Geschäft muss er noch verschieben.

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