In der Region mehren sich die Probleme mit Wildtieren

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Viele Wildtiere sterben jährlich auf Werdohls, Neuenrades und Balves Straßen. Richtiges Verhalten im Straßenverkehr – besonders dort, wo Straßen Wald und Felder kreuzen – kann Unfälle vermeiden und Leben von Mensch und Tier retten.

Werdohl/Neuenrade –- Die Wildschwein-Population im Sauerland steigt seit Jahren stark an. Dies führt gerade jetzt wieder zu Problemen, denn nach der Zeitumstellung auf Winterzeit fällt die Dämmerung, in der das Schwarzwild besonders aktiv ist, mit dem morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr zusammen, so dass es immer wieder zu Wildunfällen kommt. Die Jäger haben praktisch keine Möglichkeit, die rasante Vermehrung der Wildschweine zu verhindern, wie Dirk Prinz, Pressesprecher des heimischen Hegerings Werdohl/Neuenrade, auf Anfrage erläutert: „Denn die Tiere finden hier paradiesische Verhältnisse vor.“

Prinz meint damit den steigenden Anbau von Mais und Getreide. So fänden die Tiere nicht nur mehr Futter, sondern könnten sich in diesen Feldern auch lange und gut verstecken. Hinzu kommen die vielen Kahlflächen, die es in den heimischen Wäldern seit Kyrill 2007 gibt. Bis diese wieder aufgeforstet werden, ist am Boden meist längst viel Gestrüpp gewachsen. „Darin können sich die Tiere ideal verstecken, wenn man sich diese Bereiche einmal genauer anschaut, findet man teilweise richtige Gänge in dem Gestrüpp“, erklärt Prinz. Dass die Tiere dennoch immer häufiger in bewohntes Gebiet vorstoßen und dort die Gärten teilweise komplett verwüsten, ist für Prinz kein Widerspruch.

„Wenn die Tiere lange Zeit im Mais waren und sich dort nur von Pflanzen ernährt haben, sind sie irgendwann wieder auf der Suche nach tierischem Eiweiß. Vermuten sie dabei auf einer Wiese Würmer, Larven oder auch Mauselöcher, graben sie den Garten in einer Nacht schon mal komplett um“, sagt Prinz. Dies zu verhindern, sei einzig mit einem sehr stabilen Zaun möglich. 

Ähnlich schwierig gestalte es sich auch, die Tiere von den Straßen fernzuhalten. Dabei wurde schon viel versucht, so entlang der Straßen ein sogenannter Duftzaun versprüht, die Leitpfosten zudem mit blauen Reflektoren ausgestattet. „Aber irgendwann tritt bei den Tieren eine Gewöhnung ein, so dass wir praktisch keine Chance haben, den Bestand zu regulieren“, sagt Prinz. Zwar werde immer mehr Schwarzwild geschossen, aber die Tiere vermehrten sich auch immer stärker, während der Bestand an Rehwild seit längerer Zeit praktisch konstant bleibe. „Die großen Monokulturen, beispielsweise beim Maisanbau, bieten für die Wildschweine praktisch perfekte Bedingungen, die wir so früher nicht hatten. Die Tiere finden gute Deckung und ausreichend Nahrung“, sagt Prinz. 

Um im Straßenverkehr auf die steigende Gefahr eines Wildunfalls vorbereitet zu sein, gibt Prinz Tipps für die Fahrt über entsprechende Strecken entlang von Waldstücken und Feldern. „Wo Schilder vor Wildwechsel warnen, sollte die Geschwindigkeit unbedingt eingehalten werden. Wenn möglich, sollten die Autofahrer immer auch die Umgebung beobachten, um so vielleicht leuchtende Augen im Gebüsch links oder rechts der Straße zu entdecken“, sagt Prinz. 

Zudem sei Obacht geboten, wenn ein Tier die Straße mit größerem Abstand zum Fahrzeug quere. „Wo ein Tier ist, kommen oft weitere nach. Deshalb sollte man wenn möglich direkt abbremsen, um darauf vorbereitet zu sein“, so Prinz. Läuft ein Tier bereits über die Straße oder steht auf dieser und der Autofahrer steuert darauf zu, sollte sofort abgeblendet werden. „Häufig reagiert Schwarz- und auch Rehwild auf Geräusche, wird dadurch vertrieben. Deshalb sollte man in solchen Fällen zudem sofort hupen“, sagt Prinz. 

Sollte es dennoch zu einem Wildunfall kommen und ein Tier angefahren werden, dieses aber noch flüchten können, warnt der Hegering-Pressesprecher ausdrücklich davor, den Tieren in den Wald oder den angrenzenden Feldern zu folgen, um es versorgen zu wollen. „Das Wild hat einen natürlichen Fluchtinstinkt, wenn dieser bei einem verletzten Tier aber nicht mehr möglich ist und dieses in Panik gerät, können auch aggressive Reaktionen die Folge sein“, sagt Prinz. „Und wenn ein ausgewachsenes Wildschwein plötzlich angreift, kann dies für uns Menschen sehr schmerzhaft enden. Selbst der Huftritt eines Rehs ist dann nicht ohne“, erklärt Prinz. 

Nach einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein oder auch Rehwild sollte der Verkehrsteilnehmer sich nie zuerst um das Tier kümmern. „An erster Stelle steht die Eigensicherung, indem die Unfallstelle abgesichert wird, damit nicht noch mehr passiert“, sagt Prinz. Erst im Anschluss sollten die weiteren Schritte eingeleitet werden. Seit einigen Jahren werden alle Unfälle dieser Art kreisweit in einem Wildunfallkataster online festgehalten, das von Interessierten jederzeit eingesehen werden kann. Dort werden die Wildunfallschwerpunkte schnell ersichtlich. 

In den vergangenen zwei Jahren ereigneten sich Wildunfälle auf Werdohler Stadtgebiet entlang der Neuenrader Straße (B229) und auf dem sogenannten Höhenweg (L 655). Auch am Riesei kam es immer mal wieder zu Wildunfällen. In Neuenrade kam es im Bereich des Kohlbergs (L 698) besonders häufig zu Zusammenstößen von Fahrzeugen und Wildtieren. Auch die Höllmecke war ein Unfallschwerpunkt, ebenso die L 842 zwischen Küntrop und Affeln. Ein gefährlicher Abschnitt war darüber hinaus die K27 zwischen Affeln/Altenaffeln und dem Diekental. Auch in Balve gibt es Stellen, an denen sich Wildunfälle häufen. Die B229 zwischen Balve und Langenholthausen gehört dazu; dort krachte 2017 und 2018 es besonders häufig im Bereich der Aral-Tankstelle. Auch die K 11 zwischen Garbeck und Leveringhausen, die B 515 im Hönnetal und die K 26 in der Grübeck sind Straßenabschnitte, auf denen es häufiger zu unliebsamen Begegnnungen zwischen Autofahrern und Wildtieren kam.

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