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Wahrscheinlich acht Monate Pause auf Brückenbaustelle

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Von: Volker Heyn

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Die Behelfsbrücke (rechts) soll spätestens Mitte August für den Verkehr freigegeben werden. Bis die alte Lennebrücke (links) abgerissen wird, wird es aber noch einige Zeit dauern.
Die Behelfsbrücke (rechts) soll spätestens Mitte August für den Verkehr freigegeben werden. Bis die alte Lennebrücke (links) abgerissen wird, wird es aber noch einige Zeit dauern. © Volker Heyn

Seit acht Jahren warten Verkehrsteilnehmer darauf, dass mit dem Neubau der Ütterlingser Lennebrücke in Werdohl begonnen wird. Mittlerweile ist zwar eine Behelfsbrücke kurz vor der Fertigstellung. Wer aber gedacht hatte, direkt anschließend könne endlich die marode alte Brücke abgerissen werden, hat sich getäuscht.

Werdohl ‒ Seit etwa einem Jahr sind die Entwürfe für Abbruch und Neubau der Lennebrücke über verschiedene Instanzen zum Bundesverkehrsministerium in Berlin unterwegs, aber noch immer wartet die Regionalniederlassung von Straßen.NRW auf eine Freigabe für die Ausschreibung der Arbeiten. Das bedeutet im Klartext: Der Abbruch der Brücke kann wohl selbst optimistisch gesehen nicht vor April 2023 in Angriff genommen werden. Nach Freigabe der Behelfsbrücke Mitte August wird auf der Werdohler Baustelle mindestens acht Monate lang nichts mehr passieren.

Dass die Baustelle momentan zwei Wochen brach liegt, ist mit der Baufirma Gebrüder Schmidt so abgestimmt. Zwei Wochen hat das Team von Schmidt Betriebsurlaub und Sommerferien, teilte die Straßen.NRW-Sprecherin Julia Ollertz auf Anfrage mit. In der vergangenen Woche waren die Zufahrten zur Behelfsbrücke asphaltiert worden, jetzt sind noch Arbeiten an den Gehwegen nötig. Zum zweiten Mal ist die Baustelle von Lieferproblemen betroffen: Aufgrund fehlenden Stahls für Fertigbetonelemente musste die Baustelle Ende April für einige Wochen pausieren. Lieferschwierigkeiten gibt es jetzt auch bei einem Geländer für die Stützwände – das wird erst später geliefert. Wie bereits berichtet, will Straßen.NRW die Behelfsbrücke dennoch Anfang oder Mitte August öffnen und die Fußgänger erst mal über die alte Brücke führen. Die Lieferschwierigkeiten beim Stahl haben zu einer etwa einmonatigen Verzögerung bis zur Inbetriebnahme der Behelfsbrücke geführt – ursprünglich sollte es schon Anfang Juli so weit sein.

Ein Monat ist angesichts der sich jetzt abzeichnenden Mammut-Verzögerung leicht nachsehbar. Geplant war von Anfang an, sofort nach Inbetriebnahme der Behelfsbrücke mit dem Abbruch zu beginnen. Projektleiter Christoph Klappert hatte Ende 2020 den ungefähren Bauzeitenplan vorgestellt und dabei in Aussicht gestellt, dass die Behörden Hand in Hand arbeiten und es ab dann nicht mehr zu gravierenden Verzögerungen kommen werde. Allerdings waren damals weder die weltweite Corona-Pandemie, die Sperrung der A45-Brücke noch der Ukraine-Krieg vorhersehbar.

Der Besen ist nur für die kurze Sommerpause der Baufirma Gebrüder Schmidt beiseite gelegt, noch im vertraglichen Rahmen werden die Zufahrten zur Behelfs-Lennebrücke fertig. Danach wird viele Monate lang gar nichts passieren auf der Baustelle – das Bundesverkehrsministerium hat weder den Brückenabbruch noch die Ausschreibung der Arbeiten für den Neubau freigegeben.
Der Besen ist nur für die kurze Sommerpause der Baufirma Gebrüder Schmidt beiseite gelegt, noch im vertraglichen Rahmen werden die Zufahrten zur Behelfs-Lennebrücke fertig. Danach wird viele Monate lang gar nichts passieren auf der Baustelle – das Bundesverkehrsministerium hat weder den Brückenabbruch noch die Ausschreibung der Arbeiten für den Neubau freigegeben. © Violker Heyn

An Straßen.NRW scheint es jedenfalls nicht zu liegen, dass ein Brückenabriss zeitlich noch nicht einmal in Sicht ist. Julia Ollertz beschrieb den grundsätzlichen Prozessablauf der Ausschreibungsentwürfe für Abriss und Neubau auf Nachfrage der Redaktion so: „Die Unterlagen gehen von der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Südwestfalen zu unserem Betriebssitz in Gelsenkirchen. Von dort aus gehen die Unterlagen weiter zum Verkehrsministerium des Landes NRW, von dort aus wiederum zum Bund (BMDV).“

Ollertz bestätigte, dass dieser Prozess vor etwa einem Jahr angestoßen worden sei. Auf der Baustelle wird schon seit einem halben Jahr auf die Ausschreibung der Arbeiten gewartet. Es gibt Firmen, die die Brücke bauen könnten und ihr Angebot abgeben möchten.

Auch wenn das Bundesministerium für Digitales und Verkehr von Volker Wissing (FDP) zum Ende der NRW-Sommerferien Mitte August die Ausschreibung genehmigen würde, wird bis zum ersten Sägeschnitt am maroden Brückenbeton viel Zeit vergehen. Julia Ollertz erklärte den Zeitablauf auf Nachfrage so: „Erst mit Vorliegen des genehmigten Entwurfes kann die Maßnahme ausgeschrieben werden, dieses Vergabeverfahren dauert sechs Monate. Dann folgt bei einem Zuschlag noch die Arbeitsvorbereitung des Auftragnehmers, bevor dann konkret mit einem Abriss begonnen werden kann.“

Rechnet man diese Angaben hoch, kommt man zu dem Ergebnis, dass es frühestens im April 2023 an der Lennebrücke weitergehen wird.

Die Beantwortung der Anfrage an die Presseabteilung des Bundesministeriums unter Volker Wissing, warum das Projekt durch die Berliner Behörde um mindestens ein Jahr verzögert wurde, steht noch aus.

Fertigstellung frühestens 2025

Die Behelfsbrücke sollte vertraglich geplant Ende 2021 fertiggestellt sein, danach war noch die Herstellung der Fahrbahnen vorgesehen. Das es hier insgesamt zu einigen Monaten Verzögerung kam, ist der Pandemie und den Liefer- und Personalschwierigkeiten geschuldet.
Der Neubau der Lennebrücke war so geplant: Einreichung des Entwurfs beim Bundesverkehrsministerium im ersten Quartal 2021; Rücklauf der Genehmigung wird erwartet für Anfang drittes Quartal 2021, anschließend Einstellung in den Haushalt für 2022; Erstellung der Vergabeunterlagen und Veröffentlichung Mitte August 2021; Auftragsvergabe bis Jahresende 2021; Baubeginn ab April 2022; zwei Jahre Bauzeit bis zur Fertigstellung Sommer/Herbst 2024. Jetzt scheint ein Baubeginn April 2023 möglich, demzufolge könnte die Brücke frühestens Ende 2025 fertig werden.

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