Kommunalwahl

Wie Parteien Wähler locken wollen

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So wollen die Werdohler Parteien und Kandidaten die Wähler locken

Werdohl- Mit einem mehr oder weniger markigen, provozierenden oder manchmal auch originellen Motto wollen Parteien und Kandidaten vor Wahlen auf sich und ihre Ziele aufmerksam machen.

Sie werben damit um Vertrauen, versprechen Tatkraft und Kompetenz oder versuchen, die Gefühle der Wähler anzusprechen. Die Mottos sind sach-, orts- oder personenbezogen, manchmal gibt es auch eine Kombination aus verschiedenen Merkmalen. Zur bevorstehenden Kommunalwahl haben auch die in Werdohl antretenden Parteien und Kandidaten Wahlkampfslogans auf ihre Plakate und Flyer drucken lassen. Nicht immer wird sofort klar, was damit eigentlich gemeint ist. Die Werdohler CDU setzt bei ihrem Wahlkampfmotto auf die Kategorie Tatkraft und Kompetenz, betont aber auch das Gemeinschaftsgefühl. „Ein starkes Team für Werdohl“, ist auf dem CDU-Plakat zu lesen, ergänzt um die Zeile „Weil wir gemeinschaftlich mehr erreichen.“ Die Konterfeis der Kandidaten finden die Wähler auf einem blauen Umriss des Werdohler Stadtgebiets, jeweils in etwa dort, wo auch ihr Wahlbezirk liegt. Ganz oben hat die CDU Attribute platziert, die das Wahlvolk mit den Kandidaten der Union verbinden soll: „vielfältig“, „erfahren“ und „gut vernetzt“ seien die CDU-Bewerber um die Ratsmandate, versichert das Plakat. Ähnlich konzipiert ist das Plakat von Silvia Voßloh, die sich als CDU-Kandidatin erneut um das Bürgermeisteramt bewirbt. Sie sei „eine starke Bürgermeisterin für Werdohl“, klingt ihr Motto ähnlich selbstbewusst wie das ihrer Partei. Weiterer Worte bedarf es offensichtlich nach Meinung von Voßloh und ihrer Partei nicht, um die Wähler zu überzeugen. 

Nicht revolutionär neu

Die Mottos der CDU und ihrer Bürgermeisterkandidatin sind nicht revolutionär neu und schon gar nicht originell. Sie zeugen eher von einer gewissen Bodenständigkeit. Sie gehören zur Kategorie „klassisches Wahlkampfmotto“. Sie signalisieren den Wählern: „Seht her! Wir sind von uns überzeugt.“ Dahinter steckt womöglich die Erwartung, dass Wähler ihr Kreuzchen eher bei Kandidaten machen, die Selbstbewusstsein ausstrahlen. Klassisch ist auch das Motto der SPD, allerdings eher klassisch für eine Partei, die sich in der Oppositionsrolle sieht und nach mehr Verantwortung strebt. „Werdohl kann mehr“, behaupten die Sozialdemokraten an den Plakatwänden und implizieren damit, dass die Stadt an Lenne und Verse ihr Potenzial bisher nicht ausschöpft. Über dem Slogan findet sich ein Gruppenfoto aller 16 Kandidaten für den Stadtrat, die sich in scheinbar lockerer Runde zusammengefunden haben. In kleinerer und dünnerer Schrift appelliert die SPD auf ihrem Plakat noch, am 13. September überhaupt zur Wahl zu gehen: „Wählen gehen – Demokratie stärken“, heißt es dort, als gelte es bei der Kommunalwahl die Antidemokraten abzuwehren. Dabei treten doch eigentlich nur Bewerber an, die mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes stehen. „Schaden kann ein solcher Appell jedenfalls nicht“, scheinen sich die Sozialdemokraten gedacht zu haben. Oder ist das doch der Versuch, die tendenziell wahlmüden SPD-Wähler an die Urnen zu bekommen? Mit dem Plakat seiner Partrei hat das von SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Späinghaus allenfalls die Farben gemeinsam. Sein Motto unterscheidet sich von dem der Partei. Keine gemeinsame Linie wie bei der CDU also. Späinghaus stellt sich nicht eindeutig als Herausforderer von Amtsinhaberin Silvia Voßloh dar. „Zuhören. Verstehen. Gemeinsam handeln“, lautet sein Versprechen, gewissermaßen ein Bürgermeister zum Anfassen sein zu wollen. Recht groß erscheinen auf dem Plakat die Hinweise auf Internetseite und Facebook-Account des SPD-Kandidaten, der den Werdohlern offensichtlich zutraut, sich über diese Kanäle darüber zu informieren, was sie mit einem Bürgermeister Späinghaus erwarten würde. 

Wahlaussage?

Ein wenig ratlos lässt den Betrachter das Wahlplakat der Werdohler Bürger-Gemeinschaft (WBG) zurück: Acht farbige Fotos, von denen nicht in jedem Fall klar ist, wo sie eigentlich in entstanden sind. In Werdohl? Man erkennt die Bauer-Crone-Bank auf der Brenge, das Wasserkraftwerk Wilhelmsthal, eine Eisenbahnbrücke über die Lenne, außerdem gibt es eine Gesamtansicht der Innenstadt. Ansonsten: Fotos, die auch aus dem Pool einer Bildagentur stammen könnten. Darunter und daneben hat die WBG Schlagworte und Ziele oder Wünsche platziert, die allerdings nicht im 

So wirbt die WBG

Zusammenhang mit den Fotos stehen. Eine zentrale Wahlaussage, den einen Slogan, der einen Hinweis darauf geben könnte, für was die WBG steht oder stehen will, um welche Wahl es überhaupt geht – all das sucht man vergebens. Kandidatenfotos und -namen fehlen, als gehe man davon aus, ohnenhin kein Direktmandat erringen zu können. Der einzige Kandidatenname, der auf dem Plakat auftaucht, ist der von Walter Gertitschke. Der bewirbt sich um das Amt des Landrats, kommt aber weder aus Werdohl, sondern aus Hemer, noch ist er Kandidat der WBG, sondern der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG). Die WBG ruft dazu auf, ihm seine Stimme zu geben, weil sie sich der UWG-Idee verbunden fühlt. Die FDP ist in Werdohl kleiner als die WBG, präsentiert aber selbstbewusst die Konterfeis ihrer Kandidaten auf den Wahlplakaten. 

Nicht so richtig glücklich mit dem Motto

Garniert sind die Fotos mit mehr oder weniger provokanten Fragen, auf die die FDP immer dieselbe Antwort gibt: „Weil Werdohl.“ Wie bitte? Was ist das denn für ein Deutsch? So richtig glücklich sind die Liberalen in Werdohl mit dem Motto wohl selbst nicht, sie verweisen auf Nachfrage darauf, dass es sich um das landesweite FDP-Motto handele. Die FDP-Rahmenkampagne zu den NRW-Kommunalwahlen gibt auf die vielfältigen Fragen der Politik – Warum sind beste Bildung, eine starke Wirtschaft, ein solidarisches Zusammenleben, ein gutes Klima und mehr Sicherheit wichtig? – stets die eine Antwort: Weil es um den Ort und die Menschen geht, die dort leben. Eben „Weil Werdohl“. Oder „Weil Düsseldorf“. Der Städtename ist beliebig austauschbar. Wirklich verstehen muss man das nicht, wenn es schon die Politiker vor Ort nicht so richtig erklären können. Etwas mehr Selbstbewusstsein hätte der Werdohler FDP gut zu Gesicht gestanden. Einfach mal die Vorgabe aus Düsseldorf ignorieren und eine verständliche Antwort auf die Fragen geben, die die Wähler stellen. Aber vielleicht ist das Wahlkampfmotto am Ende auch gar nicht so wichtig für den Wahlausgang. Werbestrategen sehen es zwar als sehr bedeutend an, weil die Botschaft ausrückt, worum es bei der anstehenden Wahl geht und idealerweise Erwartungen und Einstellungen aus der Bevölkerung aufgreift. Vielleicht hat aber auch Dirk Schaible, Bürgermeister der Stadt Freiberg am Neckar, Recht, der einmal gesagt hat: „Niemand der ein schlechtes Motto hat verliert deshalb eine Wahl, genauso wie ein Kandidat mit einem besonders guten Motto deshalb die Wahl gewinnt. Das Wahlkampfmotto ist ein Teil des Wahlkampfes, vergleichbar mit einem Teil eines Puzzles, das sich in ein großes Bild einfügt.“ Schaible war kurz zuvor Bürgermeister der 15 000-Einwohner-Stadt geworden. Mit seinem Wahlkampfmotto „Miteinander. Für Freiberg“ wollte er die Einheit in der Bürgerschaft beschwören. Das ist ihm – ob mit oder ohne treffenden Slogan – gelungen: Bei seiner Wiederwahl vor vier Jahren holte Schaible fast 95 Prozent der Stimmen

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