Parteien auf dem Markt vertreten

Wahlkampf in Werdohl: Die Waffeln fehlen, der Kaffee ist aus

Ratsherr Fritz Knoche überreicht am Wahlstand der CDU auf dem Wochenmarkt eine Informationsbroschüre über Paul Zimiak an eine Besucherin. Ausschließlich etwas ältere Menschen bleiben stehen und wollen diskutieren.
+
Ratsherr Fritz Knoche überreicht am Wahlstand der CDU auf dem Wochenmarkt eine Informationsbroschüre über Paul Zimiak an eine Besucherin. Ausschließlich etwas ältere Menschen bleiben stehen und wollen diskutieren.

Es geht familiär zu beim Bundestags-Wahlkampf auf dem Wochenmarkt, von einem Kampf kann man hier sicher nicht sprechen.

An den vergangenen Donnerstagen und Samstagen hatten CDU, SPD und FDP ihre Informationsstände aufgebaut. Beim Besuch am letzten Wochenmarkt-Donnerstag vor der Wahl fehlte allerdings die SPD.

Bei der benachbarten CDU wurden vor allem die Waffeln der SPDler vermisst. „Dafür ist uns heute schon sehr früh der Kaffee ausgegangen“, scherzt CDU-Ratsmitglied Manfred Buchta. Zusammen mit Fritz Knoche hält er an diesem Donnerstag die Stellung. Die CDU-Fraktion hat sich so aufgeteilt, dass jedes Fraktionsmitglied drei Einsätze am Wahlstand hat.

Viele Werdohler kennen Paul Ziemiak nicht

Neben dem Kaffee gibt es bei der CDU Kugelschreiber, Einkaufswagenchips und Gummibärchen. Und natürlich gedruckte Informationen über die CDU und vor allem über den Kandidaten Paul Ziemiak. Manfred Buchta wundert sich: „Es kommen tatsächlich viele zu uns, die den Ziemiak gar nicht kennen. Dabei ist der doch als Bundesgeneralsekretär im Fernsehen sehr präsent.“ Die beiden Rentner sind sich sicher, dass der Wahlausgang noch nicht entschieden ist, auch wenn viele Vorhersagen Olaf Scholz von der SPD vorne sehen. Knoche: „Ach, was ist denn dieser kleine Vorsprung schon.“ Bei der AfD hätten die Umfrageinstitute damals auch himmelweit daneben gelegen. Die Chancen, dass Armin Laschet Kanzler wird, seien genauso groß wie die für Olaf Scholz. Der Wahlsonntag werde also in jeder Hinsicht spannend.

Zwischendurch kommen immer wieder Männer und Frauen zum Stand, eine holt sich Kugelschreiber ab, ein anderer bleibt länger stehen und diskutiert. Buchta und Knoche haben festgestellt, dass einige zum Stand gekommen sind, um über Markus Söder und Friedrich Merz zu reden. Richtig kontroverse politische Diskussionen habe man aber nicht geführt.

FDP verzichtet auf Wahlgeschenke

Auf einen Wahlstand am Samstag verzichtet die CDU: „Was wir bis Samstag nicht gerettet haben, schaffen wir auch dann nicht mehr“, meint Buchta. Über den Sinn von Wahlständen im Medien-Zeitalter müsse man sicher nachdenken. „Aber niemand kann es sich leisten, auf die Stände zu verzichten“, wissen beide. Beim Kommunalwahlkampf sei das was anderes, aber die Bundestagswahlen würden von der Hauptstadt aus bestimmt. Buchta: „An der politischen Großwetterlage können wir hier in Werdohl nichts ändern, das haben wir bei früheren Wahlen gelernt.“

Der Wahlstand der FDP war am Donnerstag mit Rainer Schmidt, Jürgen Neumann und Friedhelm Hermes (von links) besetzt.

Am FDP-Stand auf der anderen Seite des Brüninghaus-Platzes stehen Rainer Schmidt, Jürgen Neumann und Friedhelm Hermes. Bei der FDP gibt es seit vielen Jahren nur noch gedruckte Informationen. Schmidt: „Wenn uns einer nach einem Kugelschreiber fragt, sagen wir immer, dass wir stattdessen gute Ideen haben.“ Zwei Stände am Donnerstag, zwei am Samstag, der dritte und letzte noch an diesem Samstag vor der Wahl – auch bei den Liberalen fragt man sich, was so ein Informationsstand wirklich bringt.

FDP als Vermittler zwischen den Extrempositionen

Hermes erinnert sich, dass es in früheren Jahren am Stand Diskussionen zwischen extremen Positionen gegeben habe. „Heute gibt es hin und wieder Diskussionen über Themen.“ Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Rat ist sich sicher, dass sich zukünftig Wahlkampfformen verändern werden. Am klassischen Stand in der Stadt führe aber wahrscheinlich noch lange kein Weg vorbei. Zum möglichen Ausgang der Bundestagswahlen meint Hermes, dass die FDP in die Lage käme, bei zukünftigen Koalitionen Extrempositionen zwischen den beiden großen Lagern auszugleichen.

Zwischen Laschet und Scholz gebe es ein knappes Rennen, vermuten die drei FDPler und sind sich einig, dass sie so rein persönlich mehr mit dem hanseatischen Scholz anfangen können als mit dem rheinischen Laschet.

Am Donnerstag fehlte die SPD mit ihrem Wahlstand, es gab nicht genügend Leute. Das Foto ist von einem früheren Einsatz.

SPD zeigt am Samstag noch einmal Präsenz

Die SPD hatte am Donnerstag nicht genügend Leute zur Verfügung, während der Arbeitszeit den Wahlstand auf dem Brüninghaus-Platz zu besetzen. Parteivorsitzender Björn Walocha sagte auf telefonische Nachfrage, dass die SPD am Samstag noch einmal Präsenz auf dem Colsman-Platz zeigen werde. An den Samstagen seien mittlerweile alle Parteien auf dem Colsman-Platz, weil seit WK-Schließung samstags kaum Publikum auf dem Brüninghaus-Platz zu finden sei.

Dann seien auch mehr Parteimitglieder auf den Beinen, vergangenen Samstag seien sie sogar zu neunt gewesen. Wie die anderen Werdohler Parteienvertreter denkt auch Walocha über den Sinn von solchen Wahlständen nach. „Zum Wochenmarkt am Donnerstag kommen seit Jahren immer dieselben Leute“, hat er beobachtet. Es werde zwar auch viel über Politik geredet, meistens aber lieber über Kommunalpolitik. Das sei zwar ein „schönes Gefühl“, so mit den Menschen in Kontakt zu sein. Inwieweit auf diese Weise Wahlentscheidungen beeinflusst würden, ließe sich einfach nicht genau sagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare