Wachsende Finanzsorgen

WERDOHL – Als vor etwas mehr als drei Jahren das freiwillige Kirchgeld in der evangelischen Kirchgemeinde Werdohl eingeführt wurde, herrschte – weil es noch keine Erfahrungswerte gab – noch Skepsis, welche Rolle diese zusätzliche Einnahmequelle haben könnte. Heute hingegen steht fest: „Das Kirchgeld ist ein wichtiges Standbein für die Gemeinde“; so die Bewertung von Pfarrer Martin Kämper, des amtierenden Presbyteriumsvorsitzenden. Von Rainer Kanbach

Über den Daumen macht es annähernd 20 Prozent des jährlichen Haushaltes aus, so dass verständlich ist, wenn Martin Kämper sagt: „Wir hoffen, dass uns die Gemeindeglieder auch künftig über diesen Weg helfen.“ Immerhin 50 Prozent des Kirchgeldes kommt aus fest zugesagten Spenden, der Rest fließt aus sporadischen Zuwendungen in die Kasse.

Angesichts der finanziellen Gesamtsituation der evangelischen Kirchengemeinde Werdohl ist dieses alljährlich eingehende Geld von großer Bedeutung, denn ohne ließe sich beispielsweise das Paulus-Gemeindehaus in Pungelscheid nicht mehr halten. Dort, so weiß Martin Kämper, „lässt es sich weiter gut an“. In Ütterlingsen dagegen habe es nicht geklappt, das Martin-Luther-Haus mit Hilfe von Spenden zu halten. Allerdings sei dieses Gebäude auch deutlich größer.

Wie sehr das Thema Geld innerhalb der Planungen der evangelischen Kirchengemeinde Werdohl eine Rolle spielt und wie zunehmend eng es finanziell wird, lässt sich einem Bericht entnehmen, den Finanzkirchmeister Lothar Jeßegus zu Beginn des Jahres im Presbyterium vorgelegt hat. Zwar war der Etat 2010 beschlossen und an den Einnahme- und Ausgabepositionen im Wesentlichen gegenüber den Vorjahren nichts verändert worden, doch trotz der angepassten Einnahme- und Kostensituation blieb unter dem Strich ein Fehlbetrag von 35 000 Euro.

Weniger Einnahmen aus den Kirchensteuerzuweisungen (minus rund 10 000 Euro) einerseits und steigende Ausgaben bei den Personal-, Unterhaltungs- und Instandhaltungskosten an Gebäuden andererseits werden als Gründe angeführt. Zwar könne der Fehlbetrag noch durch einen vor zwei Jahren erwirtschafteten Überschuss abgedeckt werden, doch für die Zukunft sehen die Prognosen ziemlich düster aus.

Der Finanzkirchmeister „hat uns die Entwicklung bis 2013 deutlich gemacht“, so der Presbyteriumsvorsitzende. Danach müsse davon ausgegangen werden, „dass uns erheblich weniger Mittel zur Verfügung stehen werden“. Der Rückgang wird mit etwa 30 Prozent prognostiziert, wenngleich die tatsächlichen Zahlen „natürlich von der Entwicklung der Wirtschaft abhängen“, so Kämper. Immerhin: Man ist – im Gegensatz zu den neunziger Jahren – inzwischen weit davon entfernt, die Finanzen und ihre Entwicklung „blauäugig zu betrachten“. Abgefedert werde das Minus wohl, wenn er selbst zum 31. Dezember 2011 in Ruhestand gehe, so der Pfarrer.

Gleichwohl bleibe innerhalb der Gemeinde und im Presbyterium die Frage, wie die erwarteten Einbrüche auf längere Sicht verkraftet werden können und welche Auswirkungen die Mindereinnahmen auf die Aufgabenerfüllung haben. Das, so hieß es im März-Gemeindebrief „Über uns“, bedürfe noch einen eingehenden Analyse. Die zu erwartenden oder befürchteten Veränderungen werden die Werdohler Gemeinde „mittelfristig“ stark beschäftigen.

Gut scheint in diesem Zusammenhang aus Kämpers Sicht nur eines: Die baulichen Maßnahmen an den Pfarrhäusern und – derzeit – am Gemeindehaus Stadtmitte sind abgeschlossen oder stehen kurz davor. Dann seien alle Objekte in energietechnischer Hinsicht auf dem modernsten Stand, „so dass wir darauf hoffen können, langfristig Ruhe zu haben“.

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