Vossloh liefert Schienenbefestigungen in ferne Länder

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Das Vossloh-Gelände an der Vosslohstraße 4 aus der Vogelperspektive – begrenzt wird das Terrain durch die Bahnlinie Siegen-Hagen und die Lenne.

Werdohl - Die Welt zu Gast in Werdohl – diese Devise gilt für das Technologiezentrum der Vossloh AG.

„Die Welt“ – das sind bei Vossloh Eisenbahnschwellen. Sie kommen aus Kasachstan und den Vereinigten Arabischen Emiraten, aus China und den Vereinigten Staaten. Eingelagert sind sie im Schwellenlager, um getestet zu werden auf ihre Haltbarkeit und Verträglichkeit mit den Schienenbefestigungssystemen, wie sie auch im Werk Werdohl hergestellt werden.

Im Präsentationsraum des Vossloh-Konzerns kann man die knallgrünen Spannklemmen mitsamt weiterem Zubehör anschauen. Große Pressen simulieren im Technologiezentrum die gewaltigen Kräfte, die ein Eisenbahnzug auf eine Schiene, ihre Befestigung und die Schwelle ausübt. Zerbröselnder Beton ist der seltene Ernstfall einer solchen Prüfung. So wurden in der Vergangenheit auch schon einmal Qualitätsprobleme eines Schwellenzulieferers aufgedeckt.

Vosslohs Schwellenlager zeugt von den weltweiten Aktivitäten des Konzerns, der überall dorthin liefert, wo große Städte in großen Ländern durch neue Bahnstrecken miteinander verbunden oder alte Strecken modernisiert werden. Der Rohstoffhunger der Menschheit treibt weitere Streckenprojekte voran: Dort, wo Erze oder andere Rohstoffe über längere Strecken von ihren Lagern zu den Stätten ihrer Verarbeitung transportiert werden müssen, ist ebenfalls die Eisenbahn häufig das Transportmittel der Wahl.

Vier Märkten misst Vossloh in seiner neuen Strategie eine „herausragende Bedeutung“ zu: China, USA, Russland und Westeuropa. Das Reich der Mitte steht bewusst ganz oben: „In China wurden in den vergangenen 15 Jahren mehr Hochgeschwindigkeitsstrecken gebaut als im Rest der Welt zusammen“, sagt Peter Effertz, Marketingchef der Vossloh AG. Um diesen Markt zu bedienen, eröffnete Vossloh 2007 ein Zweigwerk im chinesischen Kunshan. Mit einem eigenen Werk in Waco (Texas) ist das Unternehmen seit 2014 auch in den USA vor Ort. In Russland gibt es ein Joint-Venture mit einem dortigen Unternehmen. Von den derzeitigen politischen Sanktionen gegen Russland sind die Eisenbahninfrastrukturprojekte nicht betroffen. Für Schlagzeilen sorgte jüngst die neue Frachtverbindung zwischen Duisburg und China. Auch als wichtiger Rohstofflieferant braucht Russland ein leistungsfähiges Schienennetz.

Neben den ganz großen Eisenbahn-Baustellen der Welt sieht Vossloh im aktuellen Strategiepapier weitere „attraktive regionale Märkte“: Eine Weltkarte zeigt sie: Brasilien, der Nahe und Mittlere Osten, Australien sowie die ehemaligen sowjetischen Teilstaaten Kirgistan, Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan sind darin als vorrangige Märkte der Zukunft zu finden. In dem riesigen Eisenbahnland Indien ist Vossloh mit Tochtergesellschaften aktiv. Zahlen belegen, dass sich das Engagement auf den weltweiten Eisenbahninfrastrukturmärkten auszahlt: Vossloh steigerte seinen Umsatz außerhalb Europas von zehn Prozent im Jahr 2007 auf 40 Prozent im Jahr 2013. „Internationalisieren ist für Vossloh überlebenswichtig“, fasst Peter Effertz die Bedeutung dieser Entwicklung zusammen.

Doch auch in Deutschland kommt wieder Bewegung in die Sanierung des Schienennetzes. Jüngst kündigte die Deutsche Bahn Baustellen auf ihren Strecken für das Jahr 2015 an. Als Lieferant ist Vossloh auch bei der Sanierung seiner benachbarten „Hausstrecke“ an der Lenne dabei: Dort wurden alte Schwellen gegen Betonschwellen ausgetauscht, und auch vor Ort wurden die w-förmigen Spannklemmen samt Zubehör benötigt.

Derzeit setzt der Vorstand ein Konzept zur Neuausrichtung des Konzerns unter dem Etikett „One Vossloh“ um, das eine stärke Zentralisierung der Entscheidungsprozesse vorsieht: „Wir sind sehr stark mit dem Standort Werdohl verbunden“, betont Effertz. „Von hier aus werden viele Aufgaben des weltweiten operativen Geschäfts gesteuert.“

Herzstück der Neuausrichtung des Konzerns ist die mittelfristig geplante Trennung von der Sparte „Transportation“, also dem Bau von Lokomotiven, Straßenbahnen und Nahverkehrszügen. „Die durchgeführte Analyse zeigt sehr klar, dass keine der Aktivitäten von ‚Transportation’ unter dem Dach von Vossloh die notwendige Größe und internationale Aufstellung erreichen kann, die für eine nachhaltig positive Geschäftsentwicklung notwendig wäre“, heißt es in einer Stellungnahme des Konzerns. Mit dem Neubau seines Lokomotivwerks in Kiel macht Vossloh seine technologisch attraktive und erfahrene Tochter derzeit hübsch für eine mögliche Hochzeit mit einem größeren Partner – oder einen Verkauf.

Von Thomas Krumm

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