Vossloh baut seinen Werdohler Stammsitz um für die Zukunft

+
Der Stammsitz der Vossloh AG an der Vosslohstraße in Werdohl.

Werdohl -  Die Vossloh AG will ab Frühjahr 2018 an ihrem Stammsitz in Werdohl die „Fabrik der Zukunft“ bauen – mit erhöhter Wertschöpfungstiefe und verbesserter Wettbewerbsfähigkeit. Was sich dahinter verbirgt und welche Erwartungen das börsennotierte Unternehmen damit verknüpft, haben die beiden Geschäftsführer des Geschäftsfelds Fastening Systems, Christian Renners und Marc Ullrich, erläutert.

Bis zu 40 Millionen Euro will Vossloh in neue Gebäude, Infrastruktur sowie in Maschinen und Anlagen investieren. Nur rund 5500 Quadratmeter Gebäudefläche werden bestehen bleiben, fast 11.000 Quadratmeter werden dagegen neugebaut oder umstrukturiert. Die Geschäftsführer sprechen vom größten Bauvorhaben der Firmengeschichte, das das Unternehmen unter anderem in die Lage versetzen soll, seine Spannklemmen zur Befestigung von Schienen selbst mit einer Oberfläche zu beschichten, die auch widrigsten äußeren Bedingungen standhält.

Welche Überlegungen stecken hinter der geplanten Investition?

Bisher fertigt Vossloh seine Produkte unter eher ungünstigen Bedingungen, in einem Labyrinth von Hallen, die noch aus den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts stammen und in denen die Produktion immer mal wieder den Gegebenheiten angepasst werden musste. Überlegungen, das zu ändern, gibt es schon seit vielen Jahren. „Wir sind einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt. Viele Wettbewerber eifern uns nach, bauen zum Teil sogar unsere Produkte nach. Deshalb wollen wir mehr Effizienz gewinnen“, erklärt Renners. Mehr Effizienz verspricht sich Vossloh unter anderem durch eine Neuordnung der gesamten Logistik auf dem Werksgelände. Ein Beispiel: An der Vosslohstraße müssen jährlich mehrere tausend Tonnen Stahl bewegt werden. Die Gabelstapler legen dafür ungefähr 3000 Kilometer zurück. Diese und weitere Abläufe sollen optimiert werden.

Wie schafft Vossloh Platz für die geplanten Neubauten?

Im Frühjahr 2018 werden in einem ersten Bauabschnitt die teilweise fast 100 Jahre alten Hallen abgerissen, in denen 30 Jahre lang die Benseler-Vossloh Oberflächentechnik (BVO) untergebracht war; sie zieht nach Lüdenscheid um. Dadurch entsteht eine Freifläche von mehr als 6000 Quadratmetern. Auch das Verwaltungsgebäude der Vossloh AG muss weichen. Später sollen noch weitere Hallen abgerissen werden, in denen derzeit noch Stahl gebeizt, gebogen und vergütet wird.

Die grün eingefärbten Bereiche sollen neu gebaut werden: Vorne die vierstöckige Verwaltung, dahinter die große neue Fabrikhalle, links davon der neue Logistikbereich.

Was wird neu gebaut?

Zunächst werden eine gut 7000 Quadratmeter große Halle für die Herstellung von Spannklemmen und eine neue, vierstöckige Verwaltung der Vossloh AG errichtet. In der 120 mal 60 Meter großen Halle werden neben einer komplett neuen Beizanlage auch die bereits vorhandenen Biegeanlagen Platz finden. Außerdem wird dort eine große neue Vergüteanlage gebaut, von der sich Vossloh einen Wettbewerbsvorteil verspricht: „Unsere Kunden verlangen mittlerweile immer öfter eine sortierte Anlieferung der Spannklemmen. Mit der neuen Anlage können wir diese Kundenwünsche besser erfüllen“, erklärt Geschäftsführer Ullrich. In einem weiteren neu zu errichtenden Komplex wird eine neue Logistikabteilung aufgebaut. Außerdem will Vossloh die derzeit noch in Wadern-Büschfeld (Saarland) angesiedelte Fertigung von hochelastischen Zwischenlagen und Zwischenplatten für Schienenbefestigungssysteme nach Werdohl verlagern. Auch davon verspricht sich das Unternehmen laut der Geschäftsführung eine schnellere und flexiblere Reaktion auf Kundenwünsche sowie eine Sicherung seiner Spitzenstellung am Weltmarkt.

Welche Auswirkungen haben die Bauarbeiten auf den Betriebsablauf?

Der Bau der „Fabrik der Zukunft“ wird gewissermaßen eine „Operation am offenen Herzen“: Die Fertigung der Spannklemmen soll fast unvermindert weitergehen. In Werdohl fertigt der Konzern jährlich mehr als zwei Drittel der von Vossloh weltweit verkauften 50 Millionen Stahlfedern, die die Eisenbahnschienen auf die Bahnschwellen drücken. Eine ununterbrochene Produktion will Vossloh dadurch erreichen, dass zuerst die neue Halle gebaut wird, dann erst die Fertigung umzieht und schließlich die jetzigen Produktionsstätten abgerissen beziehungsweise umgebaut werden.

Wann soll die „Fabrik der Zukunft“ fertig sein?

Vossloh geht davon aus, dass die Neu- und Umbauarbeiten frühestens 2021 abgeschlossen sein werden. Dann wird sich das Aussehen des Werksgeländes ebenso grundlegend geändert haben, wie viele Arbeitsabläufe. Unter anderem soll dann für den gesamten Lieferverkehr im Werk die Einbahnstraßenregelung gelten. Bisher mussten Lkw auf dem Gelände drehen, um es wieder verlassen zu können. Den bisherigen Wendeplatz will Vossloh effektiver nutzen.

Kostet die Rationalisierung der Arbeitsabläufe Arbeitsplätze?

„Unser Ziel ist es, alle Arbeitsplätze am Standort Werdohl zu erhalten“, versichert Geschäftsführer Christian Renners. Derzeit beschäftigt Vossloh in Werdohl gut 300 Mitarbeiter in Forschung, Fertigung und Verwaltung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare