Vossloh-Chef Werner Andree: Thiele löst Gründerfamilie ab

+
Werner Andree ist noch Vorstandssprecher und Geschäftsführer der Vossloh AG. Im Sommer tritt er freiwillig in den Ruhestand.

WERDOHL -   Werner Andree, Vorstandssprecher der Vossloh AG, hat erstmals nach dem Rückzug der Gründerfamilie über die Auswirkungen dieses Schritts auf das Unternehmen gesprochen. In einem ausführlichen Interview mit der „Börsen-Zeitung“ sagte der in Neuenrade wohnende Andree, dass er eine Zusammenarbeit von Thieles Unternehmen Knorr Bremse mit Vossloh für „nicht sinnvoll“ erachte.

Von Volker Heyn

Andree war im Jahre 201 von Schwarz Pharma zum Vossloh-Konzern mit Sitz nach Werdohl gekommen und ist dort für die Finanzen als Geschäftsführer zuständig. Technischer Geschäftsführer ist Peter Schiedeck. Nach dem Abgang des langjährigen Firmenchefs Burkhard Schuchmann und einer Zwischenperiode mit Gerhard Eschenröder wurde Andree auch zum Vorstandssprecher berufen. Andree wurde in Leverkusen geboren und studierte in Köln Betriebswirtschaft. Seine Karriere begann er als Steuerberater bei PwC. Der Vertrag von Andree bei Vossloh läuft im kommenden August aus, er hatte schon frühzeitig signalisiert, nicht noch einmal für zwei Jahre bis zu seinem 65. Geburtstag verlängern zu wollen.

Andree ist verheiratet mit Milagros Caiña Carreiro-Andree, die früher bei Vossloh und heute bei BMW im Vorstand das Personalressort führt (wir berichteten). Das in Neuenrade lebende Ehepaar plant einen Hausbau im Nordwesten von Spanien.

Der Börsen-Zeitung gegenüber bezeichnete Andree den Investor und neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Thiele als „Großaktionär, der offenbar ebenfalls langfristig investiert“ bleiben möchte. Bei der Vossloh AG habe nach dem Ausstieg der Gründerfamilie um Vossloh-Enkelin Anne Traub nur ein „Ankeraktionär einen anderen abgelöst“. Andree: „Und die Stabilität, die die Familie gegeben hat, kann Herr Thiele mit seinem Engagement natürlich genauso geben.“

Die Familie hatte bei der Aufgabe ihrer Aktien selbst erklärt, dass sie schon länger keinen Einfluss mehr auf das operative Geschäft bei Vossloh genommen habe. Nur im Aufsichtsrat hatte sich die Familie mit Vertretern engagiert, dort aber auch nicht in dominanter Position. Während der jüngsten Hauptversammlung der Vossloh AG im Herbst in Düsseldorf hatte Anne Traub noch Heinz Hermann Thiele zu einer Erklärung aufgefordert, nicht den Vorsitz im Aufsichtsrat anzustreben. Das hatte Thiele nicht getan, nach seiner Wahl in den Aufsichtsrat hatte ihn dieser Tage später zum Vorsitzenden bestellt.

Auf die Frage, ob es seitdem Veränderungen in der Zusammenarbeit von Vorstand und Aufsichtsrat gab, antwortete Andree der Börsen-Zeitung so: „Wir hatten erhebliche Veränderungen im Aufsichtsrat. Aber neue Schwerpunkte wurden bei der Arbeit bislang nicht gesetzt.“ Im Aufsichtsrat hatte der Vorsitz gewechselt, die Vertreter der Kapitalseite ebenso wie der Arbeitnehmervertreter wurden komplett neu bestellt. Betriebsrat Wolfgang Klein aus Werdohl ging in Ruhestand.

Schon häufig wurde wegen des großen Engagements von Heinz Hermann Thiele bei Vossloh spekuliert, dass es eine Zusammenarbeit oder gar eine Zusammenlegung von Vossloh und der Thiele-Unternehmung Knorr Bremse geben könne. Andree erteilte diesen Spekulationen im Interview mit der Börsen-Zeitung eine Absage. Solche Gespräche habe es nie gegeben und seien seiner Meinung nach auch nicht sinnvoll, die Unternehmen wären zu unterschiedlich.

Der Ausstieg der Gründerfamilie habe keinen Einfluss auf die künftige Dividendenpolitik des Unternehmens. Vossloh habe in den vergangenen Jahren immer eine stark ergebnisorientierte Dividendenpolitik betrieben, bei der es keine Differenzen zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gegeben habe. Vossloh habe bisher immer etwa ein Drittel des Konzernüberschusses an die Aktionäre ausgeschüttet. Andree sagte: „Ich sehe im Augenblick nicht, dass sich das in Zukunft ändern sollte.“ In diesem Jahr werde der Konzernüberschuss deutlich sinken, das hatte das Unternehmen schon vor Monaten erklärt. Aufgrund der Ergebnisentwicklung werden sich die Aktionäre wohl erneut auf eine niedrigere Dividende einstellen müssen. Die Dividendenfrage ist laut Andree weder innerhalb des Vorstands noch im Aufsichtsrat diskutiert worden. Es gebe noch nicht einmal eine Meinungsbildung dazu, so Andree.

Für das Geschäftsjahr 2012 hatte Vossloh die Ausschüttung im Herbst auf zwei Euro von zuvor 2,50 Euro je Aktie zurückgenommen (wir berichteten). Es war die erste Dividendenkürzung in der mehr als 20-jährigen Börsengeschichte des Unternehmens.

Das komplette Interview gibt es kostenpflichtig unter www.boersen-zeitung.de/cfo zu lesen.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare