"Fabrik der Zukunft“

Vossloh beginnt Montag mit dem Abriss der alten Hallen

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Christian Renners, Geschäftsführer von Vossloh Fastening Systems, erläutert in einer Anwohnerversammlung die Neubaupläne des Unternehmens.

Werdohl - Am Montag will die Firma Vossloh damit beginnen, alte Hallen auf ihrem Werksgelände an der Vosslohstraße abzureißen. Die „Fabrik der Zukunft“ soll neu entstehen. 

Am vergangenen Donnerstag hat das Unternehmen Anwohner aus dem Bereich rund um den Stammsitz über das Vorhaben darüber informiert, was durch diese 40-Millionen-Euro-Investition auf sie zukommt.

„Scherben bringen Glück“, kommentierte Christian Renners, Geschäftsführer des Vossloh-Geschäftsfelds Fastening Systems, trocken, als in der Kantine des Unternehmens eine Getränkeflasche von einem der Tische zu Boden gefallen und mit lautem Knall geplatzt war. 

Produktionshallen teilweise 100 Jahre alt

Insgeheim dürfte er gehofft haben, dass dies der einzige Zwischenfall sein möge, mit dem Vossloh in den nächsten zwei Jahren konfrontiert wird. So lange soll es nämlich dauern, bis das Werk mit seinen teilweise rund 100 Jahre alten Produktionshallen zur modernsten Fabrikation von Schienenbefestigungssystemen weltweit umgebaut worden ist. 

Und nicht weniger als diesen Anspruch formulierte Renners mehrfach, als er den Anwohnern das größte Bauprojekt der Unternehmensgeschichte präsentierte. „Wir wollen unsere Wettbewerbsfähigkeit erhöhen, das ist der springende Punkt“, erklärte Renners, warum Vossloh so viel Geld investiert wie noch nie. 

Zwar produziert das Unternehmen seit gut 50 Jahren in Werdohl Spannklemmen, die das Fahren mit modernen Hochgeschwindigkeitszügen erst ermöglicht haben. Mittlerweile ist den Werdohlern aber in Osteuropa, China und in den USA eine Konkurrenz erwachsen, die versucht, ähnliche Produkte zu günstigeren Preisen anzubieten. 

Die Anwohner zeigten relativ großes Interesse an den Neubauplänen der Firma Vossloh, ihre Bedenken gegen einzelne Maßnahmen hielten sich aber in Grenzen.

Also gilt es für Vossloh, die eigene Fertigung effizienter aufzubauen. Dazu werde auf dem Vossloh-Gelände „kaum ein Stein auf dem anderen bleiben“, kündigte Renners an. 

Rund 45 Prozent der Investitionssumme flössen in Gebäude, 55 Prozent in neue Maschinen und Anlagen beispielsweise zur Drahtvorbehandlung, Vergütung, Oberflächenschutz oder Kunststofffertigung. Zunächst sollen nach Darstellung des Geschäftsführers die Hallen abgerissen werden, in denen bis Ende vergangenen Jahres die Firma Benseler untergebracht war. 

Benseler hatte 1987 zusammen mit Vossloh die Firma BV Oberflächentechnik gegründet, knapp 20 Jahre später aber die Vossloh-Firmenanteile übernommen und damit den ersten Schritt zur Umsiedlung nach Lüdenscheid getan. 

Arbeiten sollen bis Ende 2020 dauern 

Nachdem die Werdohler Hallen also nun leer stehen, soll am nächsten Montag mit den Abrissarbeiten begonnen werden. Renners versuchte, Befürchtungen der Anwohner von vornherein zu zerstreuen: „Wir unternehmen alles, was technisch möglich ist, um Lärm und Verschmutzung zu vermeiden“, sagte er. Völlig auszuschließen sei eine Lärmbelästigung allerdings nicht. „Punktuell ist so etwas während der Abrissarbeiten möglich“, schränkte er ein. 

Der Abriss soll zwischen sechs und neun Monaten dauern. Anschließend geht es dann an den Neuaufbau, der bis Ende 2020 abgeschlossen sein soll. Für diese Phase versprach Renners „keine straßenseitigen Beeinträchtigungen, abgesehen von vereinzelten Sondertransporten“. 

Beispielsweise müssten Stahlträger von 20 Metern Länge über die Friedenstraße zur Baustelle transportiert werden. Einige Anwohner murrten über dann wegfallende Parkplätze oder über die Belastung der Straßendecke. Es gehe um kurzfristige und vorübergehende Maßnahmen beschwichtige Renners ebenso wie Michael Grabs, der in Vertretung von Bürgermeisterin Silvia Voßloh an der Versammlung teilnahm. 

"Für Anwohner eine Verbesserung"

„Die Fabrik der Zukunft wird für die Anwohner trotz erweiterter Produktion eine Verbesserung sein“, versprach Renners. Beispielsweise müsse Vossloh „sehr hohe Auflagen“ erfüllen, was die Emissionen betreffe. 

Renners nannte ein Beispiel: Bisher würden die stählernen Spannklemmen in große Transportkisten geworfen, was natürlich mit Geräuschentwicklung verbunden sei. Künftig würden sie wesentlich leiser in die Kisten hineingestapelt. Vossloh folge damit einem Kundenwunsch. „Unsere Kunden können die gestapelten Klemmen nämlich leichter entnehmen.“ 

Auch der Schwerlastverkehr im Umfeld des Vossloh-Stammsitzes werde deutlich abnehmen, prognostizierte Renners. Durch den Wegzug von Benseler fielen schon jetzt 1000 Lkw-Fahrten pro Jahr weg. 

„Weil wir zusätzlich unsere Kunststofffertigung in Werdohl ansiedeln, kommen zwar wieder einige Fahrten hinzu, aber ganz sicher keine 1000 im Jahr“, versicherte der Geschäftsführer. 

Kritische Stimmen verstummt

Als Renners mit seinen Ausführungen fertig war, waren nicht nur die wenigen kritischen Stimmen verstummt. Auch die Scherben waren zusammengekehrt. Viele Anwohner gingen mit dem guten Gefühl nach Hause, dass Vossloh mit seiner Millionen-Investition das Stammwerk nachhaltig stärken und damit auch die Arbeitsplätze in Werdohl sichern will.

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