Vossloh baut die Leitfabrik: Investition von 40 Millionen Euro beschlossen

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Das Kernprodukt von Vossloh Fastening Systems in Werdohl ist die Schienenbefestigungsklemme. Der Fertigungsprozess der Klemmen soll in den kommenden Jahren optimiert werden.

Werdohl - Die neue Führungsriege der Vossloh AG klotzt am Stammsitz Werdohl: Der Aufsichtsrat unter Heinz-Hermann Thiele hat in dieser Woche beschlossen, 40 Millionen Euro in eine so genannte Leitfabrik zu investieren.

Vorstandsvorsitzender Hans Schabert blickt in die Zukunft: „Verkettete, hochautomatisierte Prozesse werden uns in die Lage versetzen, das abstrakte Thema Industrie 4.0 in die Realität zu übersetzen.“ 

Vossloh-Finanzvorstand Oliver Schuster hatte vor genau einer Woche bei einer Podiumsdiskussion in Finnentrop das Unterfangen öffentlich gemacht (wir berichteten). Dr. Daniel Gavranovic von der Unternehmenskommunikation Vossloh bestätigte gestern, dass der Aufsichtsrat in seiner Sitzung vom 29. November dem Konzept des Vorstands seine Zustimmung gegeben habe. 

Mehrere, aufeinander abgestimmte Baumaßnahmen

Das Großprojekt soll planmäßig bis 2020 abgeschlossen sein und besteht aus mehreren, modular aufeinander abgestimmten Baumaßnahmen, um die laufende Fertigung zu jedem Zeitpunkt aufrechterhalten zu können. Etwa 20 Millionen Euro sollen in neue Gebäude investiert werden, die anderen 20 Millionen in Maschinen und Anlagen. Vor allem der Fertigungsprozess der Schienenbefestigungsklammern soll optimiert werden.

Dr. Gavranovic: „Wir wollen von der Erteilung eines Auftrages bis zur Auslieferung an den Kunden insgesamt sehr viel schneller werden.“ Der Produktionsprozess soll in eine Linie gebracht werden, um Zeit und Wege zu sparen. Von der Anlieferung des Rohmaterials bis zum fertigen Produkt sollen die Prozesse optimiert werden. Intern gebe es Vorstellungen, Ideen und Bilder, wie die Leitfabrik der Zukunft in 2020 aussehen soll. „Vorzeigbar ist noch nichts“, so Dr. Gavranovic. Die Arbeiten sollen im kommenden Jahr ausgeschrieben werden, um in die Detailplanung einsteigen zu können. 

Kunststoffelemente sollen künftig hergestellt werden

Neben den Befestigungsklammern sollen in Werdohl zukünftig auch Kunststoffelemente hergestellt werden. Diese Teile kommen bei der Verbindung von Schiene und Schwelle zum Einsatz und wurden bislang von Vossloh zugekauft. „Wenn wir fertig sind, ist das hier Benchmark,“ sagte Klaus Mazurczyk, damaliger Geschäftsführer der Vossloh Fastenings Systems, bereits im August 2012. 

Bis 2017, so hieß es vor viereinhalb Jahren, wollte die Vossloh AG bis zu zwölf Millionen in die Fertigung der Schienenklemmen in Werdohl stecken. Jetzt denkt der Vorstand noch ein paar Nummern größer: Mit dem Austausch des kompletten Vorstands Anfang 2014 begann für den Konzern eine Phase der strategischen Neuausrichtung. Nicht zum Kerngeschäft gehörende Segmente werden verkauft.

Dieses Foto entstand vor viereinhalb Jahren bei Vossloh in Werdohl. Der neue Vorstand will aus dem Betrieb eine Leitfabrik machen.

Mit Refinanzierung und Kapitalerhöhung wurde die finanzielle Basis für Wachstum geschaffen. So entschied sich die Konzernspitze, noch mehr in den Werdohler Stammsitz zu investieren. 

Dr. h.c. Hans M. Schabert, Vorstandsvorsitzender der Vossloh AG, begründet das aktuell so: „Mit dieser Investition werden wir die Wettbewerbsfähigkeit unseres Geschäftes mit Schienenbefestigungssystemen nachhaltig stärken. Das Projekt wird eine deutliche Optimierung unserer Fertigungsabläufe ermöglichen. Gleichzeitig sichern wir durch eine Erhöhung unserer Wertschöpfungstiefe langfristig die Arbeitsplätze am Standort. Wir sind es unseren Mitarbeitern und der Region schuldig, zu ihnen zu stehen und in ihre Zukunft zu investieren.“ 

Fastening Systems ist die Keimzelle

Bereits im Jahr 1883 erhielt der Schmied Eduard Vossloh den ersten Auftrag der Königlich Preußischen Eisenbahn zur Herstellung von Federringen für die Befestigung von Bahnschienen. Fastening Systems ist zwar die Keimzelle, aber nicht der größte Geschäftsbereich von Vossloh. 

Dr. Gavranovic ordnete die Investition in Werdohl in das weltweite Konzept des Konzerns ein: „Diese Meldung wird unseren Aktienkurs sicher nicht beeinflussen.“

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