Vorwurf des versuchten Mordes: Durch Sprung dem Auto ausgewichen

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Werdohl - In der ursprünglichen Besetzung verhandelte am Dienstag das Schwurgericht des Landgerichts Hagen gegen einen 27-jährigen Werdohler, dem die Staatsanwaltschaft versuchten Mord vorwirft. Ein Befangenheitsheitsantrag seines Verteidigers Andreas Trode gegen die beiden beisitzenden Richterinnen wurde zurückgewiesen.

Wenn es Schutzengel gäbe, müsste man annehmen, dass sie im Morgengrauen des 1. Juli 2016 massiv eingegriffen haben auf der Straße „Altes Dorf“. 

Dies machte die Vernehmung des Geschädigten (25) deutlich, der die Ereignisse jener Nacht ausführlich schilderte: Mit Freunden habe er „den ganzen Abend auf dem Schützenfest gefeiert“, bis es zu vorgerückter Stunde im „Imbiss Paradies“ kleine „Schubser“ zwischen einem Zeugen in seiner Begleitung und dem Angeklagten gab.

„Ich will mich nicht zu einem Engel machen“

Nur ein Sturz verhinderte, dass der 25-Jährige den späteren Angeklagten erwischte. „Ich will mich nicht zu einem Engel machen“, erklärte er und fügte hinzu: „Ich kann mir schon vorstellen, dass ich ihm eine gegeben hätte, wenn ich ihn gekriegt hätte.“ 

Im Nachhinein sei er froh, dass es dazu nicht gekommen sei. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Gruppen hätte damit eigentlich beendet sein können, wenn der Angeklagte nicht auf die Idee gekommen wäre, ein geliehenes Auto als gefährliche Waffe zu missbrauchen. So jedenfalls stellt sich das Geschehen nach der Aussage des Geschädigten dar.

Zunächst über einen Fuß gefahren

Zunächst sei ihm der Angeklagte am Straßenrand über einen Fuß gefahren. „Dann hat er das Auto gedreht und ist auf mich zugefahren“ - mitten auf der Straße, die der Zeuge nach dem ersten Zwischenfall überqueren wollte. Ein anderer Zeuge erinnerte sich sogar an das Geräusch, das die Reifen beim starken Beschleunigen gemacht hatten. 

Weil der Geschädigte keine Chance hatte zu entkommen, sprang er „instinktiv hoch“, was ihm mindestens die Gesundheit, möglicherweise aber sogar das Leben rettete. Statt mit dem Kopf landete der 25-Jährige mit beiden Füßen in der Frontscheibe des feindlichen Mercedes, verlor dort einen Schuh, und kullerte weiter, bis ihn das Fahrzeug über das Heck wieder ablud. 

Fortsetzung des Prozesses am Donnerstag

Der unfreiwillige Stunt trug dem Zeugen unter anderem einen Knorpelschaden, zwei Schrauben in einer gebrochenen Kniescheibe und drei Monate auf Krücken ein. Ärzte und Krankengymnasten hätten ihm eine vorzeitige Arthrose im Knie prognostiziert, berichtete er und akzeptierte dennoch die Entschuldigung des Angeklagten. 

Der Prozess wird am Donnerstag ab 9.30 Uhr im Schwurgerichtssaal des Landgerichts fortgesetzt.

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