Kurioser Fall

Vorgesetzte kontrolliert: Mitarbeiter der Werdohler Verwaltung vor dem Arbeitsgericht

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Werdohl - „Arbeitet sie, oder arbeitet sie nicht?“ – Diese Frage beschäftigte offenbar sehr hartnäckig einen Mitarbeiter der Stadt Werdohl, der sich daraufhin der Erforschung der Arbeitszeiten einer vorgesetzten Kollegin widmete.

Als er nach seinen Recherchen den Verdacht auf einen angeblichen Arbeitszeitbetrug erhärtet sah, brachte er schließlich sogar eine Strafanzeige gegen die Kollegin auf den Weg. 

Die Staatsanwaltschaft stellte dieses Verfahren ein. Nun interessierten sich aber die Vorgesetzten des Anzeigen-Erstatters für dessen Vorgehen. „Er hat seine Arbeitszeit genutzt, um die Arbeitszeiten seiner Kollegin zu kontrollieren“, begründeten die Vertreter der Stadt die Abmahnung, gegen die sich der Mitarbeiter der Stadtverwaltung vor dem Arbeitsgericht Iserlohn wehrte: Seine Ermittlungen hätten sich weitgehend auf seine Pausenzeiten beschränkt. Außerdem koste der kurze Blick auf ein Arbeitszeit-„Tableau“ kaum Zeit. 

Der Rechtsbeistand der Stadt konterte mit dem Umfang der Ermittlungen: Der Kläger habe gestempelte Anwesenheitszeiten sowie Ankunft und Abgänge seiner Kollegin festgehalten. Es sei deshalb festzustellen, dass „während der Arbeitszeit etwas genutzt wurde, was nicht dafür da ist“. 

Gütliche Einigung oder Urteilsspruch? 

Und selbst wenn der Mitarbeiter der Stadtverwaltung einen begründeten Verdacht gehabt hätte, dass seine Kollegin ihre Arbeitszeiten nicht korrekt angibt, hätte er dieses Problem zunächst intern ansprechen müssen. Allgemein gelte: „Wenn etwas nicht stimmt, spreche ich mit meinem Vorgesetzten oder der Bürgermeisterin.“ Abgesehen davon seien die Vorwürfe gegen die Kollegin nicht haltbar: „Er hätte sich über die Arbeitszeitregelung für eine Vorgesetzte informieren müssen.“ 

Für den Richter stellte sich vor allem die Frage, ob die Streitparteien sich gütlich einigen können, oder ob ein Urteil gesprochen werden muss. Dem Kläger ging es ja um die Löschung der Abmahnung in seiner Personalakte. Er befürchtete, dass die Abmahnung der erste Schritt hin zu einer Versetzung auf einen anderen Arbeitsplatz sein könnte. 

Stimmung in der Verwaltung „ sehr gut“ 

Tatsächlich einigten sich die Streitparteien gütlich: Die Abmahnung wird zum 1. Januar 2019 aus der Personalakte des Mitarbeiters gestrichen und bis zu diesem Zeitpunkt um die Klageschrift ergänzt. Mit dieser Einigung war der Rechtsstreit erledigt. 

Ob auch die persönlichen Animositäten zwischen den beiden Beteiligten damit enden, blieb naturgemäß offen. Die Vertreter der Stadt Werdohl wiesen den Eindruck, dass die Stimmung innerhalb der Stadtverwaltung nicht gut sei, entschieden zurück. Seit vielen Jahren habe es keinen vergleichbaren Fall gegeben. Die Stimmung sei im Allgemeinen sehr gut.

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