Vorbeter Hodscha seit 100 Tagen im Amt

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Hodscha Abdullah Özmen fühlt sich in Werdohl sehr wohl: „In der Kleinstadt genießen die Menschen das Leben mehr.“

WERDOHL - „Ich wünsche allen Christen ein frohes neues Jahr“, sagt Hodscha Abdullah Özmen. Der Vorbeter in Werdohls Moschee erklärt, dass Türken eigentlich nicht Silvester feiern. Aber es gelte: „Neues Jahr, neuer Anfang“.

Eine Party werde bei ihnen nicht veranstaltet. Man säße am Abend des 31. Dezember mit der Familie zusammen und wünsche sich gegenseitig viel Glück.

An Heiligabend war es 100 Tage her, dass der Hodscha in der Lennestadt ins Amt eingeführt wurde. Özmen, der aus der Stadt Konya stammt, die immerhin eine Million Einwohner hat, wirkte vor zehn Jahren bereits einmal in Deutschland – in Duisburg.

„Dort lebt aber jeder nur für sich.“ Das Gemeindeleben sei in der Großstadt schwieriger gewesen. „In der Kleinstadt genießen die Menschen das Leben mehr“, vergleicht er die Ruhrgebietsmetropole mit dem Sauerland. Werdohl gefalle ihm deshalb auch sehr gut. „Hier ist die Luft auch besser.“

Der 50-Jährige wohnt in der Moschee gemeinsam mit seiner Frau Nuray Özmen. Die 48-Jährige arbeitet als Vorbeterin für die Frauen in Werdohl Gemeinde.

Die beiden erwachsenen Kinder des Paares leben in der Türkei. Die Tochter und der Sohn studieren. Deshalb, so gesteht der Hodscha, habe er auch hin und wieder Heimweh – zudem er auch viele Freunde in Konya habe. Doch kürzlich sei er noch dort gewesen, habe Urlaub gemacht. Ansonsten telefoniere er viel mit der Heimat.

In seiner Freizeit sehe er sich neben Werdohl auch die Städte im Umkreis an. „Als Hodscha besuche ich auch Kranke im Krankenhaus. Und wenn jemand Probleme hat, gehe ich zu den Familien nach Hause.“ So sehe er auch viel von der Stadt. „Werdohl ist wirklich sehr schön.“

„Absolut positiv“ sei auch sein Eindruck von der Gemeinde. „Ich bin sehr zufrieden.“ Vorgenommen habe er sich für die Zukunft deshalb lediglich, „die religiösen Inhalte des Koran weiter zu vermitteln.“

Auch will der Vorbeter das Zusammenleben mit den Deutschen noch weiter verbesser. „Aber der Dialog mit den Christen läuft bereits sehr gut. Und der Bürgermeister ist ein sehr warmherziger Mann. Die Politik kommt uns sehr entgegen. Es gibt keine Probleme.“

Hodscha Özmen ist voll des Lobes über Werdohl und seine Menschen. Da braucht er dann auch keine weiteren guten Vorsätze für das neue Jahr.

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