Vorbereitung auf den Muttertag

WERDOHL ▪ Wenn Ilse an ihre Mutter denkt, bekommen ihre Augen einen ganz besonderen Glanz. Die 85-Jährige ist zu einer Zeit aufgewachsen, in der das Leben nicht so einfach war. Insgesamt sechs Kinder wollten damals täglich versorgt werden. „Ich hatte eine gute Mutter“, erinnert sich die Rentnerin heute.

Von Jana Peuckert

Zum Muttertag sei stets die ganze Familie zusammengekommen. „Großartige Geschenke gab es nicht. Dafür hatten wir gar kein Geld“, erzählt Ilse. Dafür habe es für ihre Mutter selbst gestrickte Deckchen oder Pullover gegeben: „Handarbeit, das war immer meine Sache“. Blumen hätten sie aus Geldmangel auf der Wiese gepflückt.

Helga verbindet mit Muttertag keine Erinnerungen an ihre eigene Mutter. „Ich bin während des Krieges aufgewachsen. Da gab es nichts zum Muttertag“, berichtet die in Gelsenkirchen groß gewordenen 81-Jährige. Erst als sie selber Mutter einer Tochter und eines Sohnes geworden sei, habe der Tag für sie eine Bedeutung bekommen. „Mein Sohn kam immer mit Rosen. Er dachte, weil er sie mag, muss ich sie auch mögen“, lacht Helga.

Dass Rosen zum Muttertag noch immer der absolute Renner sind, weiß Blumenhändler Carsten Fromm. Neben Blumen greifen seine Kunden auch gern zu Süßigkeiten, die Fromm extra zum Muttertag anbietet. Während am Samstag vor Muttertag meist Frauen sein Geschäft aufsuchen, finden sich am Tag direkt viele Männer bei ihm ein.

„Der Mann ist der Spontane. Der Mann ist ein ganz anderer Kunde und darauf stellen wir uns komplett ein“, erklärt Fromm. Und so bereiten die Mitarbeiter viele Dinge vor, damit gerade Männer, die meist weniger Geduld und Zeit für den Blumenkauf mitbringen, schnell bedient werden können.

Jedes Jahr besucht das Team von Carsten Fromm einen extra Workshop zum Muttertag, um sich inspirieren zu lassen. Und so bietet sich den Kunden morgen in der Zeit von 8 bis 12 Uhr eine Auswahl an besonderen Sträußen in Herzform.

Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung. Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. An von ihr organisierten Mothers Day Meetings konnten Mütter sich zu aktuellen Fragen austauschen.

Als Begründerin des heutigen Muttertags gilt jedoch die Methodistin Anna Marie Jarvis, die Tochter von Ann Maria Reeves Jarvis. Sie veranstaltete in Grafton am 12. Mai 1907, dem Sonntag nach dem zweiten Todestag ihrer Mutter, ein Memorial Mothers Day Meeting. Im folgenden Jahr wurde auf ihr Drängen hin wiederum am zweiten Maisonntag in der Methodistenkirche in Grafton allen Müttern eine Andacht gewidmet.

Die Bewegung blieb nicht auf die Vereinigten Staaten beschränkt. In Deutschland wurde der Muttertag 1922/23 vom Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber mit Plakaten „Ehret die Mutter“ in den Schaufenstern etabliert.

Seither nutzen viele Menschen den zweiten Sonntag im Mai, um ihren Müttern zu danken. So auch André Werner. „Ich will meiner Mutter zeigen, dass ich sie sehr lieb habe. Sie tut immer alles für mich“, erklärt der Werdohler. Der 23-Jährige kennt den Geschmack seiner Mutter ganz genau: „Ihre Lieblingsblumen sind Tulpen.“ Seit anderthalb Jahren ist er selbst Vater. Und so bekommt auch die Mutter seines Kindes etwas zum Muttertag geschenkt. Auch nach türkischem Brauch wird die Mutter am zweiten Sonntag im Mai geehrt. „Die ganze Familie kommt zusammen. Es gibt Blumen und original türkischen Kuchen“, berichtet Akcam Serpil.

Eher kritisch steht Elsbeth Wissmach dem Muttertag gegenüber. „Es sollte nicht nur einen Tag für Mütter geben, an die Mutter sollte permanent gedacht werden“, findet die 59-Jährige. Als Mutter zweier Kinder freue sie sich aber trotzdem, wenn sie am Muttertag Blumen oder ein Buch geschenkt bekommt.

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