Drei Kandidaten

Vor der Wahl des CDU-Bundesvorsitzenden: Das wünscht sich die Basis in Werdohl und Neuenrade

In einer Diskussionsrunde präsentierten sich die drei Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz jüngst noch einmal den Mitgliedern: (von links) Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz. Für jeden der Kandidaten gibt es an der Basis Sympathien.
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In einer Diskussionsrunde präsentierten sich die drei Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz jüngst noch einmal den Mitgliedern: (von links) Norbert Röttgen, Armin Laschet und Friedrich Merz. Für jeden der Kandidaten gibt es an der Basis Sympathien.

Es wird spannend – und vermutlich auch ein knappes Rennen: Am Samstag soll der neue CDU-Parteichef gewählt werden. Im Rahmen eines rein digital stattfindenden Parteitags sollen die Delegierten über diese Personalie entscheiden.

Neben NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und Außenpolitiker Norbert Röttgen steht der ehemalige Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Friedrich Merz, auf der Bewerberliste. Nach den Gesprächen mit Kommunalpolitikern aus Werdohl und Neuenrade wird deutlich: Es gibt keinen eindeutigen Trend.

„Ich kenne alle drei Kandidaten persönlich und tue mich insgesamt schwer“, sagt Detlef Seidel. Der Vorsitzende der Werdohler CDU-Ortsunion und Schriftführer des CDU-Kreisverbands bekennt freimütig: „Mit Herrn Merz tue ich mich am schwersten.“ Die CDU sei eine Volkspartei, deren Vorsitzender eine breite Basis hinter sich versammeln sollte. „Da habe ich mit Friedrich Merz meine Bedenken“, stellt Seidel fest. Hinzu komme, dass von dem 65-Jährigen politisch längere Zeit nichts zu hören gewesen sei. „Das hat mir nicht gefallen“, stellt der Werdohler fest: „Auch wenn man nicht das erreicht hat, was man erreichen wollte, sollte man weiter machen, wenn einem eine Sache am Herzen liegt“, meint Seidel wohl mit Blick auf die Tatsache, dass Merz den Vorsitz der Bundestagsfraktion 2002 an Angela Merkel abtreten musste und bald darauf seine Spitzenämter in der Partei aufgegeben hat.

Auch die Kanzlerfrage stellt sich

Armin Laschet habe seinen Job als Ministerpräsident gut gemacht. „Das muss man sagen“, urteilt Seidel. Und Norbert Röttgen sei „sehr auf die Zukunft ausgerichtet“, stellt er fest – und macht gleichzeitlich deutlich: „Als Nächstes stellt sich ja die Kanzlerfrage.“ Seidel erklärt: „Herrn Laschet traue ich den CDU-Vorsitz zu.“

Fünf Delegierte

Aus dem Märkischen Kreis stimmen am Samstag fünf Delegierte mit über den CDU-Bundesvorsitz ab. Einer von ihnen ist der amtierende Landrat, der aus Balve stammende Marco Voge. Weitere Delegierte sind: Paul Ziemiak aus Iserlohn (Generalsekretär der CDU Deutschland) , Thorsten Schick aus Iserlohn (Landtagsabgeordneter, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion), Bernadette Böger aus Hemer (Kreisvorsitzende der Frauen-Union) sowie Gloria Müller aus Schalksmühle (Beisitzerin im geschäftsführenden Kreisvorstand sowie im Landesvorstand der Jungen Union).

Der Ehrenvorsitzende der Werdohler Ortsunion, Heiner Burkhardt, spricht sich dagegen klar für die Wahl von Friedrich Merz aus. „Weil ich überzeugt bin, dass er der Richtige ist, um die Partei in dieser schwierigen Zeit zu führen und auch als Kanzlerkandidat zur Verfügung zu stehen.“ Er kenne den in Brilon geborenen Merz bereits seit 40 Jahren. „Das hat mit meiner Überzeugung aber nichts zu tun“, sagt Burkhardt. Mit Blick auf Armin Laschet meint der Werdohler, dass „andere in der aktuellen Corona-Situation vielleicht souveräner agiert hätten“. Den 55-jährigen Norbert Röttgen beschreibt der Christdemokrat „ganz klar als guten Politiker“: „Er wäre für mich die zweite Wahl.“ Doch auch wenn sein Favorit die Wahl am Samstag nicht gewinnen würde: „Ich würde auch die anderen als neue Vorsitzende unterstützen. Wichtig ist, dass wir alle gut zusammenarbeiten.“

Für Marcus Dunker ist Merz der Favorit

Friedrich Merz steht auch auf der Liste von Marcus Dunker mit an erster Stelle. „Laschet oder Merz, einer von ihnen sollte den Vorsitz übernehmen“, sagt der Vorsitzende des Neuenrader CDU-Stadtverbands. Der 59-jährige Laschet habe als Ministerpräsident für NRW gute Arbeit geleistet, lobt Dunker. „Er hat gerade in der Corona-Krise gut agiert.“ Dagegen traue er Merz zu, verlorene Stimmen für die CDU zurückzuholen. „Er ist konservativer und kantiger, Laschet ist eher der Diplomat. Am liebsten wäre mir eine Mischung aus beiden.“ Norbert Röttgen sei aus seiner Sicht dagegen nicht so präsent. „Seine Auftritte reißen mich auch nicht so mit“, sagt Dunker – und bilanziert: „Es wird sich zwischen Laschet und Merz entscheiden. Ich hoffe, dass die Delegierten weise entscheiden.“

Diese Hoffnung teilt auch die Neuenrader CDU-Ratsfrau Brigitte Reinken-Stork. Allerdings ist sie „hin- und hergerissen zwischen Laschet und Röttgen“. Zu ihren Favoriten sagt die Ratsfrau: „Beide haben ihre Qualitäten. Armin Laschet hat als Landespolitiker das Große und Ganze im Blick, ebenso die Verknüpfung zur Bundespolitik.“ Den Rheinländer Röttgen hält sie für „einen erfahren Außenpolitiker, der viel Wissen mitbringt“. Auch wenn er in Nordrhein-Westfalen nicht oft in Erscheinung getreten sei, sei er durchaus ein geeigneter Kandidat.

Auch Domenic Troilo hat eine klare Präferenz

Das sieht der Neuenrader Ratsherr Domenic Troilo anders. „Ich habe eine ganz klare Präferenz und wünsche mir Friedrich Merz als Vorsitzenden.“ Deutschland stehe vor Herausforderungen, für die sich die Kompetenzen des gebürtigen Sauerländers ideal eigneten. Auch traue er dem 65-Jährigen zu, unpopuläre Entscheidungen zu treffen und diese den Menschen gut erklären zu können. „Ich schätze alle drei Kandidaten, sie sind alle sehr gut. Aber gerade die enorme Wirtschaftskompetenz von Friedrich Merz ist unglaublich wichtig, um in Deutschland alles wieder in die Waage bringen zu können.“ Vor vielen Jahren habe er das Buch „Nur wer sich ändert, wird bestehen“ von Friedrich Merz gelesen. „Das hat mich nachhaltig beeindruckt. Merz zeigt ganz klare Kante.“

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