Ab Mittwoch viele Läden dicht

Vor dem Lockdown: Einzelhändler und Friseure geben noch einmal alles

Friseurmeisterin Evelyne Wendland an der Freiheitstraße und ihre Mitarbeiterinnen arbeiten 16 Stunden am Tag.
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Friseurmeisterin Evelyne Wendland an der Freiheitstraße und ihre Mitarbeiterinnen arbeiten 16 Stunden am Tag.

Die Friseursalons der Stadt arbeiten Montag und Dienstag sprichwörtlich bis zum Umfallen, die wenigen noch verbliebenen Einzelhändler in der Werdohler Innenstadt rüsten sich mit Liefer- und Abholkonzepten für die angeordnete Schließungszeit bis Januar.

Carsten Fromm und sein Team von „Blumen Fromm“ an der Freiheitstraße ist flächenmäßig der größte inhabergeführte Einzelhandelsbetrieb der Stadt. Während er beim Lockdown im Frühjahr weniger als eine Woche schließen musste, wird ab Mittwoch kein Kunde mehr seinen Laden betreten dürfen. Im März hatte sein Fachverband für eine Öffnung heranziehen können, dass Schnitt- und Topfblumen Waren „für den täglichen Bedarf“ seien und verkauft werden durften. Fromm sah sich damals mit den Baumärkten gleichgestellt. Für den Lockdown ab Mittwoch gilt das nicht, der große Laden muss wie sämtlicher Einzelhandel bis Anfang Januar schließen.

Fromm wird auf jeden Fall einen Lieferservice auf Bestellung anbieten, ob er auch vorbestellt Waren vor der Tür abholen lassen darf, will er noch mit dem Ordnungsamt klären. Auf einer Menge vorbestellter Ware wird er dennoch wohl sitzenbleiben. Im Oktober hatte er 1500 Amaryllis beim Großhändler vorbestellt, die Ware muss er abnehmen. Weihnachtssterne wird er natürlich nicht mehr nachbestellen, und auch den zum Jahreswechsel beliebten Glücksklee kann er nicht anbieten.

Was passiert mit den Mitarbeiterinnen?

Viele Schnittblumen wird er vernichten müssen: „Die halten auch trotz Kühlung nicht bis Anfang Januar.“ Seine Hauptsorge gilt jetzt seinen 13 angestellten Mitarbeiterinnen: „Das ist ein großartiges Team.“ Erstmal werden alle für den Lieferservice weiterarbeiten. Die Soforthilfe im Frühjahr sei praktisch „innerhalb von Stunden“ ausbezahlt worden. Jetzt müsse erst einmal der Steuerberater an die Arbeit, um Hilfen zu beantragen.

Friseurmeisterin Evelyne Wendland vom gleichnamigen Salon an der Freiheitstraße bekommt ihren kleinen Laden sprichwörtlich eingerannt. Bereits am Wochenende wurden Termine vergeben, sie und ihre Mitarbeiterinnen stehen Montag und Dienstag von 7 bis 23 Uhr – das sind 16 Stunden lang – an Schere, Kamm und Fön. „Heute ging es richtig zur Sache“, bleibt Wendland tapfer. Vom 16. März bis zum 4. Mai musste sie schon einmal schließen und kennt sich mit der Thematik aus: „Damals bekamen wir die Soforthilfe, ab Mittwoch sind meine Mitarbeiterinnen wieder in der Kurzarbeit.“ Sie hofft, ab Januar wieder arbeiten zu dürfen: „Allerdings glaube ich, dass es bestimmt Februar wird, bis wir wieder öffnen können.“

Schuh Brockhaus setzt Räumungsverkauf 2021 fort

Die erzwungene Schließung wirbelt auch die Pläne von Andrea Brockhaus-Passenheim durcheinander, die ihr Schuhgeschäft aufgibt und noch bis zum 31. Dezember Räumungsverkauf machen wollte. Jetzt hat sie ihrer letzten Angestellten Inge Schulte kündigen müssen. Weil noch viel Ware in den Regalen ist, will sie im neuen Jahr den Laden allein öffnen: „Das schaffe ich schon, ich bin ja im Schuhkarten groß geworden.“ Sie möchte die Schuhe nicht an „irgendwelche Händler verschleudern müssen“, so Andrea Brockhaus-Passenheim. Bis dahin sei der Ausverkauf gut gelaufen, die Leute hätten teilweise Schlange gestanden. Dass zu dieser Zeit niemand weiße Sneaker oder Sandalen kaufen wolle, sei doch klar. Dass sie jetzt – wie alle anderen auch – schließen müsse, könne sie verstehen.

Schlangen bildeten sich auch an der Kasse bei Woolworth. Die Kassiererinnen nahmen es mit Ruhe, der Inhaber öffnet den Laden bis 21 Uhr.

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