Entscheidung am Mittwoch

Vor Bund-Länder-Gipfel: Händler hoffen auf Lockerungen, Bürgermeister auf Merkel-Linie

Im Schuhfachgeschäft Brockhaus warten noch 1500 Paar Schuhe auf Käufer. Inhaberin Andrea Brockhaus-Passenheim musste den Abverkauf der Ware durch den Lockdown vorzeitig beenden. Jetzt hofft sie, die Ware für Frühjahr und Sommer möglichst bald verkaufen zu dürfen.
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Im Schuhfachgeschäft Brockhaus warten noch 1500 Paar Schuhe auf Käufer. Inhaberin Andrea Brockhaus-Passenheim musste den Abverkauf der Ware durch den Lockdown vorzeitig beenden. Jetzt hofft sie, die Ware für Frühjahr und Sommer möglichst bald verkaufen zu dürfen.

Schon vor dem Treffen der Ministerpräsidenten an diesem Mittwoch deutet sich an, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel den Lockdown bis zu den Osterferien verlängern will.

Allerdings ist auch eine deutliche Ausweitung von Tests und ein Testprogramm im Gespräch, durch die es möglicherweise Lockerungen geben könnte. Die heimischen Einzelhändler sind diesbezüglich aber eher skeptisch.

Andrea Brockhaus-Passenheim wünscht sich natürlich, „dass ich ab Mitte März wieder öffnen kann“. Die Werdohler Geschäftsfrau wollte ihr Fachgeschäft Schuh Brockhaus an der Freiheit-straße eigentlich zum Ende des Jahres 2020 schließen, doch durch den Lockdown konnte sie den Ausverkauf der Ware nicht beenden. „Ich habe noch 1500 Paar Schuhe auf Lager. Keine Winterware, sondern Schuhe, die für die kommende Saison interessant sind“, sagt die Werdohlerin. „Deshalb wäre es nicht gut für mich, wenn ich im März noch nicht öffnen könnte.“

Strenges Hygienekonzept ausgearbeitet

Sie habe bereits ein strenges Hygienekonzept ausgearbeitet und hofft, dass die Ministerpräsidenten die Öffnung von Geschäften auch unter besonderen Auflagen möglichst bald wieder erlauben. „Ich bin alleine im Laden, kann nach vorheriger Terminabsprache einen einzelnen Kunden empfangen und anschließend lüften“, stellt sie fest.

Dass der Einkauf im Einzelhandel bald durch regelmäßige Tests für jeden Bürger wieder möglich werden könnte, kann sich Andrea Brockhaus-Passenheim dagegen kaum vorstellen: „Das wäre doch viel zu aufwendig.“

Stammkunden bestellen per Telefon

Auch Sabine Armbrecht ist skeptisch bezüglich Corona-Schnelltests, die das Einkaufen ermöglichen könnten. Auch sie setzt eher auf ein durchdachtes Hygienekonzept: „Schon vor dem Lockdown hatten wie ein sehr gut funktionierendes Hygienekonzept, deshalb habe ich auch keinerlei Bauchschmerzen,“ sagt sie. Allerdings glaubt sie nicht im März öffnen zu dürfen. „Ich bezweifele, dass das in diesem Monat noch etwas wird.“

Deshalb sei sie froh, dass Stammkunden dem Fachgeschäft auch während des Lockdowns die Treue halten, und „auch mal einen Mixer oder eine andere Kleinigkeit am Telefon bestellen“, um die Ware dann nach Absprache an der Hasenhelle abzuholen. Größere Elektrogeräte würden nach Hause geliefert. Bemerkenswert sei, dass inzwischen auch einige jüngere Werdohler diese Möglichkeiten nutzen würden. „Wir haben schon häufiger von jungen Kunden gehört, dass es ja schon jetzt kaum noch Geschäfte in Werdohl gibt, und dass sie deshalb mit dazu beitragen wollen, dass es nach der Pandemie wenigstens noch einige Einzelhändler vor Ort gibt“, berichtet Sabine Armbrecht.

Bürgermeister Späinghaus auf Merkel-Linie

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) kann nachvollziehen, dass der Einzelhandel und die Gewerbetreibenden lieber heute als morgen wieder öffnen, beziehungsweise ihre Dienste anbieten würden. „Ich gönne den Einzelhändler von Herzen, dass sie wieder öffnen können.“ Dennoch halte er es, ebenso wie die Kanzlerin, für sinnvoll, den Lockdown bis Ende März aufrecht zu erhalten, „um bis dahin endlich mit dem Impfen voran zu kommen“. Die Inzidenzwert sei unverändert hoch, von den angestrebten Zahlen sei man noch weiter entfernt, mahnt der Bürgermeister, der sich Ende des vergangenen Jahres selbst mit dem Corona-Virus infiziert hatte. Er musste im Krankenhaus behandelt werden und leidet noch immer an den Folgen der Erkrankung.

Zur Vorsicht mahnt auch Richard Müller-Schlotmann, der Vorsitzende des Stadtsportverbandes. „Es wäre sinnvoll erst dann wieder Vereinssport anzubieten, wenn die Ansteckungsgefahr nicht mehr so groß ist“, sagt er auch mit Blick auf den hohen Inzidenzwert im Märkischen Kreis. Er könne sich vorstellen, dass die Ministerpräsidenten noch keine Beschlüsse zum Vereissport fassen. „Nach den Osterferien könnte es aber vielleicht wieder losgehen“, meint Müller-Schlotmann.

Vereinen könnten die Mitglieder weglaufen

Auch wenn der Druck für die Vereine – eine Ausnahme sei wohl der Schwimmverein, der sich auf eine kaum mehr zu bewältigende Nichtschwimmer-Flut einstellen müsse – nicht gewaltig sei, „so machen sich doch alle Vorstände Gedanken“. „Je länger der Lockdown andauert, desto schwieriger könnte es werden, die Mitglieder zu halten.“

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