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Von der ISS in dem MK: So landete die Astronauten-Verpflegung für Matthias Maurer in der Region

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Von: Volker Griese

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ESA-Astronaut Matthias Maurer (rechts) genießt auf der Raumstation ISS mit Kollegen Spezialitäten aus seiner saarländischen Heimat. Ein Teil der in Konservendosen verpackten Mahlzeiten ist jetzt in Werdohl gelandet.
ESA-Astronaut Matthias Maurer (rechts) genießt auf der Raumstation ISS mit Kollegen Spezialitäten aus seiner saarländischen Heimat. Ein Teil der in Konservendosen verpackten Mahlzeiten ist jetzt in Werdohl gelandet. © dpa/ESA/NASA

Seit mit Juri Gagarin 1961 der erste Mensch ins All geflogen ist, hat sich die Astronautennahrung gründlich verändert.

Was zum Beispiel der deutsche Astronaut Dr. Matthias Maurer derzeit auf der internationalen Raumstation ISS verspeist, kann bald auch in einer Sammlung besichtigt werden, die der Verein Zeppelinstadt Werdohl aufgebaut hat.

Die seit 2018 stetig wachsende Sammlung besteht aus bedeutenden Objekten zur Geschichte der märkisch-westfälischen Aluminiumindustrie und deren Bedeutung für die Entwicklung der Zeppelin-Luftschifffahrt. Mittlerweile sind es rund 300 Ausstellungsstücke, die als Dauerleihgaben aus privaten Sammlungen und eigener Sammlungstätigkeit des Vereins stammen. Da der Verein aber noch nicht über geeignete Räume für ein Museum verfügt, werden die Exponate vorerst in der Sammlung „Luftfahrt.Industrie.Westfalen“ in einem virtuellen Museum präsentiert, Interessierte können sie also im Internet besichtigen.

Vier Konserven mit Fertignahrung

Zu sehen sind in der Sammlung Orden und Medaillen, Dokumente und Fotos, Souvenirs und Alltagsgegenstände von den Industriellen Carl Berg, Alfred Colsman und Gustav Selve, aber auch von Werdohler und Lüdenscheider Firmen. Es gibt aber auch Objekte, deren Zugehörigkeit zu dieser Sammlung sich nicht auf den ersten Blick erschließt. Dazu gehören auch vier Konservendosen mit Fertignahrung.

Mit einer ganzen Ladung solcher Dosen ist der deutsche ESA-Astronaut Dr. Matthias Maurer am 11. November ins All gestartet, wo er sechs Monate auf der ISS arbeiten wird. Damit der aus St. Wendel Stammende bei seiner Mission „Cosmic Kiss“ nicht gegen das saarländische Glaubensbekenntnis „Hauptsach gudd gess!“ – auf Hochdeutsch: „Hauptsache gut gegessen!“ – verstoßen muss, haben nämlich Gastronomen aus dem kleinsten Bundesland für ihn gekocht: Saarländische Kartoffel-Riesling-Crêmesuppe, Ragout vom Schwemlinger Reh mit Hoorische (Klöße aus rohen Kartoffeln) an Speck-Rahmwirsing, Geheirade (Mehlklöße und Kartoffeln mit heller Specksoße) und Rostige Ritter (Süßspeise aus altbackenen Brötchen, Zimt, Zucker und Milch). Mit den kleinen gepressten Würfeln, die noch Juri Gagarin mit Fetten, Proteinen und Vitaminen versorgt haben, hat die Astronautenkost der Neuzeit also nichts mehr zu tun.

Produktion dauerte 18 Wochen

Ein auf Airlines spezialisiertes Catering-Unternehmen hat die Rezepte aus der saarländischen Sterneküche in ein Weltraum-Menü verwandelt, damit die Nahrung auch den extremen Bedingungen der Schwerelosigkeit standhält. Vom Erhalt des Rezepts bis zum laborgeprüften Endprodukt benötigen sie laut ESA mindestens 18 Wochen. Über Houston gingen die Dosen nach Cape Canaveral und von dort aus schließlich zur ISS. Als Maurer Richtung Raumstation gestartet ist, sind aber vier Dosen auf der Erde zurückgeblieben – und die befinden sich nun im Besitz des Zeppelinstadt Werdohl.

„Über die Jahre hat man sich schon ein gewisses Netzwerk aufgebaut“, antwortet Moritz-Adolf Trappe, Vorsitzender des Zeppelin-Vereins, ausweichend auf die Frage, wie die Dosen den Weg nach Werdohl gefunden haben. Der Kulturwissenschaftler arbeitet seit Jahren an der Entwicklung eines Zeppelin-Museums möglichst im Versetal und dürfte in dieser Zeit viele Kontakte geknüpft haben. Die Verbindung der Konservendosen mit der Astronautenkost und dem Werdohler Zeppelin-Verein liegt für Trappe jedoch auf der Hand. Er verweist auf Südwestfalen als traditionellen Standort der Luftfahrtindustrie, ohne die ein Flug ins All heute überhaupt nicht möglich wäre. Schließlich verrät Trappe doch noch, wie er an den besonderen „Dosenfraß“ gekommen ist: „Diese tolle Auswahl – die so auch echt ins All geflogen ist und dort verzehrt wird – wurde uns von der European Space Agency, kurz ESA, und dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Köln für die Sammlung überlassen.“

Etwa 750 Museen auf der Plattform

Zu sehen sein werden die Dosen mit dem Astronautenschmaus bald auf der Internet-Plattform museum.digital, auf der etwa 750 große und kleine Museen Informationen zu ihren Objekten veröffentlichen. Der Verein Zeppelinstadt Werdohl hat dort eine Sammlung mit Objekten zur Aluminiumindustrie und zur Zeppelin-Luftfahrt zusammengestellt.

Die Sammlung des Werdohler Zeppelin-Vereins ist unter folgendem Link zu finden: https://westfalen.museum-digital.de/institution/43.

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